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Dienstlich in Malta, Teil III

Der Morgen begann mit einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei, Joseph Muscat. Dieser verwies auf den maltesischen Konsens zwischen Regierung und Opposition was europäische und internationale Themen angeht, auch den Fiskalpakt und die Verankerung einer Schuldenbremse in der Verfassung betreffend. Explizit verwies Muscat im Hinblick auf das Misstrauensvotum gegen Mr. Caruana darauf hin, das die MLP nichts gegen Partnership for Peace habe. Bedauerlicherweise sei Malta von fossilen Brennstoffen abhängig, wenn sich nicht schnell was bewegt wird Malta die 2020-Ziele nicht erreichen, weswegen die MLP die Fotovoltaik-Strategie der Regierung fortsetzen würde und ausweiten. Das auch, weil die Sicherstellung der Wasserversorgung der größte Energieverbraucher ist, 55% der Trinkwasserversorgung läuft über Meerwasserentsalzung. Im Hinblick auf die eigene Partei erklärte Muscat, dass die Parteimitglieder den Vorsitzenden wählen in einer Urwahl, die Mitgliederzahl von 19.000 auf 32.000 gestiegen ist binnen 4 Jahren und das die Mitglieder vor Parlamentswahlen die Richtlinien für das Programm mitbestimmen.

Nach einen Kurz-Kurz-Trip nach Gozo mit Citadelle und Azure Window ging es denn zu Premierminister Gonzi. Dieser beantwortete vor allem Fragen. Er erwartet keine Schwierigkeiten bei der Abstimmung zum ESM nächste Woche, sieht Malta ökonomisch gut aufgestellt (Arbeitslosigkeit von 5,7 Prozent, vierte Stelle Europas bei Zunahme Vollzeitarbeitsplätze, Haushaltsdefizit unter 3 Prozent) und ist enttäuscht über die europäische Solidarität in der Flüchtlingsfrage. Im Rahmen eines freiwilligen europäischen Projektes zur Aufnahme von in Malta angekommenen Flüchtlingen hat Europa 320 Flüchtlinge abgenommen, die USA 1.000 und Europa soll berücksichtigen, dass Malta das Land mit der größten Bevölkerungsdichte Europas ist. Interessant waren die Antworten des Premierministers auf die Fragen meines Kollegen Matthias W. Birkwald zur Rente. Im Jahr 2005 wurde eine erste Rentenreform diskutiert, die im Jahr 2007 gültig wurde und im Jahr 2012 soll ein weiterer Reformschritt hinzukommen. Es galt ein Renteneintrittsalter von 60 Jahren für Frauen und 61 Jahren für Männer, bis 2020 soll dieses für alle auf 65 Jahre angehoben werden. Die Beitragszeiten wurden von 30 Jahren auf 40 Jahre erhöht, das im Jahr 1979 eingeführte Rentensystem lasse sich nur langsam ändern. Es gibt eine staatlich garantierte Mindestrente und die Höchstrente sind 2/3 des Gehalts. Die höchste Höchstrente sind 2/3 des Gehalts des Präsidenten. Jetzt soll eine zweite Säule der Rentenversicherung eingeführt werden, die Betriebsrente.

Im Innenministerium erzählte uns der Staatssekretär, dass Malta 2.000 Polizeibeamte hat und Malta ein Gefängnis hat, in dem derzeit 1.000 Gefangene sind. Derzeit wird eine Reform durchgeführt, nach der Gefangene zum Ende der Haftzeit auch außerhalb des Knasts arbeiten können. Dass das Innenministerium für den Knast zuständig ist, dürfte nicht ganz stimmen, seit Januar sind Innen- und Justizministerium getrennt. Ein Schwerpunkt des Gespräches war die Flüchtlingssituation. In den vergangenen neun Jahren kamen 25.000 Flüchtlinge, im Jahr 2008 mehr als Malta Neugeborene hatte. Malta liegt an der Spitze Europas bei der Anerkennung von Flüchtlingen im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Malta erwartet aber Solidarität von den anderen europäischen Staaten, allerdings sind im Rahmen eines freiwilligen Pilotprojektes nicht genügend Flüchtlinge von den anderen Europäischen Ländern aufgenommen worden, durch Deutschland 253.(Wenn die Zahl stimmt und die vom Premierminister auch, dann hätten die anderen europäischen Länder weniger als 70 Flüchtlinge aufgenommen. Ich glaub, das muss man noch mal prüfen.) Malta wünscht sich eine Änderung des Dublin II-Abkommens, nach diesem Abkommen muss das Ankunftsland in der EU die Asylanträge prüfen und ist für das weitere Verfahren zuständig. Dies stelle eine erhebliche Belastung für die Mittelmeerstaaten dar. Die Flüchtlingskommission entscheidet über die Anerkennung von Flüchtlingen, die Anerkennungsrat beträgt 60 Prozent und bis zur Entscheidung, die nach dem Gesetz binnen eines Jahres getroffen werden muss, sind die Flüchtlinge in einem Aufnahmelager (Detention Center), tatsächlich werde aber binnen 6-7 Monaten entschieden. Im Hinblick auf illegalisierte Flüchtlinge will Malta, dass Europa daraufhin wirkt, dass afrikanische Länder ihre Verpflichtung zur Rücknahme von Flüchtlingen einhalten und empfiehlt -was ich absurd finde- die Zahlung von Entwicklungshilfe an die Einhaltung dieser Abkommen zu knüpfen.

Unmittelbar danach ging es ins Überbrückungslager in Marsa (Marsa Open Center), welches in Zusammenarbeit zwischen den maltesischen Behörden und einer NGO betrieben wird. Die Bewohner können kommen und gehen wie sie wollen, angeboten werden neben einem Bett auch Sprach- und Computerkurse, Gesundheitsversorgung und psychosoziale Angebote. Die Bewohner erhalten täglich 4,66 EUR für Essen und Transport, die Aufenthaltsdauer soll nicht länger als ein Jahr dauern. Bis dahin sollen die Bewohner Arbeit gefunden haben, in der Realität bleiben viele Bewohner länger, da häufig nur saisonale Arbeitsangebote im Hotel- und Baugewerbe angeboten werden. Das Durchschnittsalter der Bewohner beträgt 24 Jahre und es leben bis zu 600 Menschen in diesem Übergangslager. Dadurch das wegen dem Dublin II-Abkommen die anderen Länder Europas Flüchtlinge nach Malta zurückschicken werde die Integration erschwert. Bei den Bewohnern handelt es sich sowohl um abgelehnte Asylbewerber/Flüchtlinge als auch um anerkannte Asylbewerber/Flüchtlinge. Entsprechend dem Flüchtlingsrecht entscheidet die Flüchtlingskommission über die Anerkennung, es besteht gegen die Entscheidung der Kommission eine Berufungsmöglichkeit. Jeder erhalte Geld, es gibt in Malta Abschiebeverfügungen, aber keine Abschiebehaft. Auch von Abschiebung bedrohte Personen dürfen arbeiten, wenn sie eine Bescheinigung eines konkreten Arbeitgebers vorlegen können, dass sie für diesen arbeiten sollen. Anerkannte Flüchtlinge/Asylbewerber bekommen eine Arbeitserlaubnis, die nicht an einen bestimmten Arbeitgeber gekoppelt ist.

Am Abend wurde in Mdina noch gegessen, morgen früh geht es zu Lufthansa Technik und dann zurück nach Deutschland. Und wenn sich Premierminister Gonzi wünscht, dass Deutschland in diesem Jahr wieder die zweitgrößte Touristenanzahl stellt, kann ich nur sagen: I’ll try my best! :-)

Dienstlich in Malta, Teil II

Bevor es gleich in die Residenz des Deutschen Botschafters in Malta geht und nachdem ein kurzes Bad in den Ausläufern des Mittelmeeres zwischen Valletta und Sliema möglich war, auf dem Balkon des Hotels sitzend und die Sonne genießend Teil II des dienstlichen Reiseberichtes.
Nach einem Besuch im Großmeisterpalast, St. John’s Co-Cathedral und in Upper Barrakka Gardens gab es ein Treffen mit Außenminister Borg. Die meisten dieser Gespräche dienen eher dem Austausch diplomatischer Noten, denn wirklicher inhaltlicher Gespräche. Dafür trifft man sich beim Deutschen Botschafter oder muss das eben am Rande erledigen ;-) . Außenminister Borg sieht Malta wirtschaftlich gut aufgestellt, Malta hat die fünftniedrigste Arbeitslosigkeit Europas und das Haushaltsdefizit liegt unter 3 Prozent. Es wird im Hinblick auf den ESM und den Fiskalpakt keine Probleme geben -auf Nachfrage sagte er, auch das Misstrauensvotum gegen Mr. Caruana und dessen Rücktritt ändere daran nichts- auch wenn Malta deswegen die Verfassung ändern müsse. Auch die Opposition sei für die Verankerung einer Schuldenbremse.  Der Außenminister dankte Deutschland für die Aufnahme von 286 Flüchtlingen, diese kommen vorwiegend aus der Subsahara und Afrika über Libyen, kaum aus Libyen direkt.
Danach ging es zu Playmobil mit der Chefin Helga Ellul. Alle Figuren von Playmobil werden in Malta produziert. In Malta hat Playmobil 1000 Mitarbeiter_innen, dazu kommen noch 20 Lohnbetriebe mit weiteren ca. 300 Mitarbeiter_innen. Playmobil in Malta gibt es seit 1971, 3 x pro Woche wird nach Deutschland geliefert und es wird rund um die Uhr in drei Schichten gearbeitet. Mein Kollege Matthias W. Birkwald hat herausgefunden, dass bei den meisten Kollegen_innen mehr als der gesetzliche Mindestlohn von 5,80 EUR gezahlt wird. Die Betriebsbesichtigung musste zunächst ohne praktische Beispiele auskommen, es gab Stromausfall. Kurz vor der Abreise konnten wir aber schon noch mal sehen -nachdem der Strom wieder da war- wie die Playmobilfiguren hergestellt werden.
Anschließend ging es zum Deutsch-Maltesischen Zirkel, einer Organisation, die ihren 50. Geburtstag feiert. Sie ist ein Erwachsenenbildung- und Kulturzentrum in welchem nach den Kriterien des Goethe-Instituts Sprachkurse in Deutsch aber auch Kurse in maltesischer Sprache für Ausländer angeboten werden. Hier geht es vor allem um den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Malta.
Morgen geht es dann nach Gozo und wird es ein Treffen mit dem Ministerpräsidenten geben.

Fraktion vor Ort in Lübeck

Fraktion vor Ort ist eine Veranstaltungsreihe der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Abgeordnete sind vor Ort, sprechen über die Politik der Fraktion und versuchen auch  Verbindungen zu kommunalen Themen herzustellen.

In Lübeck ging es im Cloudsters um Netzpolitik. Kein Ort wäre wohl besser geeignet gewesen für eine Veranstaltung zu diesem Thema. Cloudsters ist ein Projekt des Lübecker Vereins Lubeca e.V. und versucht angemessene Bedingungen für die Arbeitswelt von morgen zu schaffen. Nach Ansicht des Vereins werden immer mehr Menschen selbständig arbeiten und Projekte und Netzwerke den Arbeitsalltag bestimmen. Es gibt sowohl eine Internet-Plattform wie auch flexible Arbeitsräume und Treffpunkte für persönlichen Austausch vor Ort.

Am Anfang stand zunächst ein kurzes Gespräch mit meinem Kollegen Raju Sharma über die Arbeit in der Enquete Internet und Digitale Gesellschaft, die Veränderungen in der Arbeits- und Lebenswelt durch das Internet, die Notwendigkeit den Eigentumsbegriff weiter zu fassen und zu debattieren sowie die Forderung der LINKEN, dass ein internetfähiger Computer zum sozio-kulturellen Existenzminimum gehören muss und deshalb pfändungsfrei zu sein hat.

Diverse netzpolitische Anträge der LINKEN im Bundestag wurden kurz vorgestellt. Beispielhaft seien hier der Gesetzentwurf zur Einbeziehung von Kindertagesbetreuungseinrichtungen in die Schrankenregelungen des Urheberrechts, der Antrag Chancen der Digitalisierung erschließen – Urheberrecht umfassend modernisieren, der Gesetzentwurf zur Begrenzung der Haftung und der Abmahnkosten bei Urheberrechtsverletzungen, der Antrag zum Whistleblowing und der Antrag Netzneutralität sichern genannt.

Unter Hinweis auf das wirklich sehr zu empfehlende Buch “Freiheit vor Ort – Handbuch kommunaler Netzpolitik” wurde schließlich über drei konkrete kommunale Projekte debattiert.

Zunächst ging es um den gesamten Bereich Open Data/Open Government. Durch Open Government können die Serviceleistungen der Verwaltung und der Zugang von Bürger/innen zu Informationen erleichtert werden. Denkbar wären auch sog. Mitmach-Portale in denen Bürger/innen auf konkrete Missstände aufmerksam machen können, die Nachbarin/der Nachbar erkennt, dass der Misstand bereits gemeldet ist und beide nachvollziehen können, ob die Information bereits bei der Verwaltung angekommen ist, vielleicht sogar schon Abhilfe im Anmarsch ist. Im Bereich von Open Data wurde angeregt, die mit Steuermitteln erhobenen Daten -unter Beachtung des Datenschutzes- der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Nutzung dieser Daten durch interessierte Dritte sicherzustellen.

Das zweite konkret besprochene Projekt war die Forderung nach einem öffentlichen WLAN, mithin das zur Verfügung stellen von kostenlosen Internetzugängen über ein  kommunal betriebenes WLAN oder kommunale WLAN-Hotspots. Denkbar wäre hier natürlich auch der Zusammenschluss privater Funknetze (was aber ggf. Probleme mit der sog. Störerhaftung nach sich ziehen könnte) oder eine Kooperation mit privaten Unternehmen. Soweit das kommunale WLAN nicht kostenlos ist könnten aber auch datenschutzrechtliche Probleme entstehen. In der Debatte wurde hier sowohl auf die Finanznot der Kommunen verwiesen, als auch auf die Schwierigkeit eine solche Position mehrheitsfähig zu machen, wenn gleichzeitig große Unternehmen sog. Modellregionen mit schnellen Internetverbindungen ausstatten wollen, dabei aber innerhalb der Regionen bestimmte Ortsteile außen vor lassen.Die Debatte zum Thema öffentliches WLAN war ziemlich handlungsorientiert, was mir außerordentlich gefallen hat. Verschiedene Schritte (Anfragen, Studien, Anträge) wurden debattiert um das Thema voranzubringen.

Debattiert wurde auch die Möglichkeit die öffentliche Verwaltung auf freie Software (Open Source) umzustellen. Hier könnten nicht nur erhebliche Einsparpotentiale (Lizenzgebühren) liegen, sondern auch im Hinblick auf Support und Erweiterungen von Anwendungen die regionale Wirtschaft gestärkt werden. Die Umstellung auf freie Software ist sicher ein langfristiger Prozess, in welchem Ängste abgebaut und Mitarbeiter/innen überzeugt und mitgenommen werden müssen. Am Anfang dieses Prozesses muss das politische Bekenntnis zu freier Software stehen, dann kann losgelegt werden.

Entsprechend des Profils der LINKEN spielte nicht nur auf abstrakter Ebene (internetfähiger Computer als Bestandteil des sozio-kulturellen Existenzminimums) eine Rolle, sondern auch die Frage, wie durch all diese Innovationen und Neuerungen ein Stellenabbau verhindert werden kann. Wenn zukünftig Bürgerinnen und Bürger mehr Sachen online erledigen, kann dies doch dazu benutzt werden Stellenabbau zu betreiben, wurde gesagt. Hier ist es dann wieder an der LINKEN sicherzustellen, dass die Mitarbeiter/innen andere Aufgaben erhalten. Denkbar wäre ja das Beratungs- und Betreuungsangebot zu erweitern, also die Servicequlität der Verwaltung zu erhöhen. Dann hätten die Bürger/innen gleich zweimal gewonnen.

Die Veranstaltung hat Spaß gemacht, der Austausch mit den anwesenden Kommunalpolitiker/innen war anregend und mehr denn je bin ich überzeugt: Netzpolitik ist keine Angelegenheit für Nerds, Netzpolitik ist Gesellschaftspolitik.

Eine Woche unterwegs – Israel und Palästina

Im Mai diesen Jahres war ich das erste mal in Israel, genauer in Tel Aviv. Im Jahr 2008 war ich schon einmal für eine Woche in der Westbank/Palästina für ein Seminar der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auch der Kurzaufenthalt in Tel Aviv war im Rahmen einer politischen Aktivität, nämlich im Rahmen eines Workshops.

Die Debatten in meiner Partei in diesem Jahr zum Thema Antisemitismus, aber eben auch die unglaublich interessante (Religions)Geschichte die sich in Israel und Palästina abspielte und die historischen Sehenswürdigkeiten animierten mich als Privatperson eine Woche nach Israel zu fahren. Doch so ganz ohne Politik geht es natürlich nicht. Deshalb war ich ganz froh, dass mit Hilfe der Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Möglichkeit bestand sowohl in Tel Aviv als auch in Ramallah Gespräche zu führen.

Israel ist nicht nur ob der historischen Sehenswürdigkeiten sehr beeindruckend. Zwar steht man irgendwie immer im Stau -zumindest wenn man von Tel Aviv nach Jerusalem will- aber dafür lohnt sich das. Die wirklich faszinierende Altstadt mit religiösen Stätten aller drei monotheistischen Religionen und alles meist friedlich nebeneinander. Geht doch, ist man versucht zu sagen. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hinterlässt einen tiefe Nachdenklichkeit. Kein Ort nirgends, wohin Jüdinnen und Juden flüchten konnten. Die Spuren, die eine solche Geschichte hinterlässt, die Angst die sich damit verbindet – all das muss man immer im Hinterkopf haben, wenn man den Israel-Palästina-Konflikt in seiner Gänze betrachten will. Die unterirdische Stadt in Akko ist ebenso eine Reise wert wie der Tempel der Bahai in Haifa und die Verkündigungskirche in Nazareth. Ashdod und Ashkelon als wachsende Städte haben wunderschöne Strände und in Tel Aviv hat man die Chance von Jaffa bis zum nördlichen Hafen zu Fuß zu laufen, immer in Mittelmeernähe. Besonders schön übrigens an Jom Kippur. Tatsächlich gehören an diesem Tag die Straßen den Fußgänger, kein Laden hat geöffnet.

Aber es gibt auch das Andere. Der Grenzübergang Eretz zum Gaza-Streifen war am Freitag leider zu. Das ist umso bedauerlicher, weil ich mir ein eigenes Bild von der Situation vor Ort machen wollte. Am Tag vorher, auf dem Weg nach Bethlehem, musste auch ein Checkpoint überwunden werden. Gleiches auf dem Weg nach Jericho. Wie ein hässliches Band zieht sich die Mauer und der Stacheldraht durch die Gegend und schränkt vor allem die Bewegungsfähigkeit der Palästinenser ein. Trotz allem hatte ich den Eindruck -und er wurde in den Gesprächen bestätigt- das es schon deutlich weniger stressig ist als 2008. Ein Gefühl für Trauer, Ohnmacht und Wut der Palästinenserinnen und Palästinenser bekommt man, wenn man selbst mehr als eine Stunde am Checkpoint in Kalandria steht um den Katzensprung von Jerusalem nach Ramallah zu machen. Unverständnis entsteht, wenn man sieht mit welcher Selbstverständlichkeit Israel den Weg  zum Toten Meer, der mitten durch palästinensisches Gebiet führt, als sein Gebiet betrachtet.

Der Konflikt Israel-Palästina spielte in allen Gesprächen eine Rolle, aber auch die Frage wie Entwicklungszusammenarbeit aussieht und aussehen sollte. Bei den Physicians for Human Rights konnte ich etwas über die unterstützenden Aktivitäten im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung in der Westbank/Palästina erfahren. Mit einer mobilen Klinik fahren die PHR in die “occupied territories”, bieten Seminare an und helfen so ganz konkret. Ihre zentrale Forderung ist nicht mehr Geld, sondern die Möglichkeit gerade für Ärzte aus dem Gaza-Streifen Praxis zu erlangen und sich spezialisieren zu können. Doch dazu muss ihnen auch die Möglichkeit gegeben werden den Gaza-Streifen zu verlassen. Zum Teil ist dies nicht mal in Richtung Westbank/Palästina möglich. So kann ein eigenständiges, gut funktionierendes Gesundheitswesen nicht entstehen. Bei einem Gespräch mit Machsom Watch erfuhr ich -nicht zuletzt dank einer Karte- näheres über die
Zonen A, B und C und in welchem Umfang bereits israelische Siedlungen auf palästinensischem Gebiet errichtet  wurden. Ein Siedlungsstopp von Israel zu fordern ist zwar richtig, aber nicht ausreichend. Wer -wie ich- für eine Zwei-Staaten-Lösung eintritt, muss mindestens auch den Rückbau der Siedlungen fordern. Im Gespräch mit einem Aktivisten aus der Protestbewegung (er selbst hatte den Wehrdienst in der Westbank verweigert) erfuhr ich Hintergründe zum Entstehen der Bewegung und nunmehr der Suche der Beteiligten, wie es weitergehen soll. Die Zelte sind weg, die Ziele waren vielfältig, der Israel-Palästina-Konflikt blieb weitgehend ausgeklammert. Eine neue Organisation ist nicht in Sicht, aber die Auslöser des Konflikts sind noch da. Aus fachpolitischer Sicht besonders interessant war hier, dass das erste Zelt aus Protest von einer Bewohnerin Tel Avis aufgebaut wurde als sie ihre Wohnung nicht bezahlen und deshalb rausgeschmissen werden sollte. Ihre Aktion kündigte sie via Facebook an und schnell folgten weitere Protestzelte.

In Ramallah konnte ich zunächst mit Vertretern linker, sekulärer Parteien reden. Die Zwei-Staaten-Lösung wird akzeptiert, auf der anderen Seite forderten zumindest diese Vertreter von der palästinensischen Linken sich auch intensiver mit der sozialen Frage zu beschäftigen, allein die nationale Frage trage nicht wirklich. Heftige Kritik wurde an der Art der Entwicklungszusammenarbeit geübt. Sie helfe nicht wirklich den Palästinenserinnen und Palästinensern, sondern sei auf Grund ihrer Bedingungen zum Teil eher schädlich und zerstöre die Zivilgesellschaft. Notwendig sei eine demokratische Kontrolle der Mittelvergabe und der Projekte. Das wurde in einem weiteren Gespräch auch von jüngeren linken Palästinenserinnen und Palästinensern, Mitglieder einer neu formierten Jugendbewegung, bestätigt. Da ein Teil von ihnen auch in der BDS-Kampagne aktiv ist, prallten da schon die Meinungen aufeinander. Keine Diplomatie, geradeheraus sagen was man denkt. Die Kampagne basiere auf auf internationalem Recht. Neben der bekannten Boykottforderung gehe es auch um gleiche Rechte für die arabischen Israelis, ein Rückkehrrecht für die zwei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser und ein Siedlungsstopp. Bei letzterem gab es keine Meinungsunterschiede, auch nicht beim gleichen Recht für arabische Israelis. Das Rückkehrrecht wurde nicht wirklich debattiert, die Boykottforderung um so mehr. Bei allem Verständnis für die Idee damit solchen Druck auf die israelische Regierung auszuüben, damit es zu einer Veränderung der Lage kommt, eine anvisierte Ein-Staaten-Lösung halte ich nicht für tragfähig und mit einer Boykottforderung -die neben dem Boykott israelischer Waren und nicht nur Waren aus den Siedlungen auch einen Boykott kultureller und wissenschaftlicher Zusammenarbeit umfasst- läuft man zu schnell Gefahr, falsche Freunde zu finden. Und er würde auch die israelische Rechte stärken. Einen solchen Boykott, aus palästinensischer Sicht nachvollziehbar, kann man aus meiner Sicht vielleicht fordern, wenn man aus Großbritannien kommt oder aus den USA, nicht aber als Mensch mit deutscher Staatsbürgerschaft. In Kenntnis der Einmaligkeit des Holocaust, der industriellen Vernichtung von Jüdinnen und Juden durch Deutsche akzeptiere ich den Wunsch nach einem Zufluchtsort, der nicht bedroht ist.  Und diesen Wunsch zu akzeptieren schließt eben in meinen Augen einen Boykott aus. Aber das darf nicht dazu führen, dass Palästinenserinnen und Palästinenser rechtlos gestellt und ihr Land weiter besetzt wird. Die Grenzen von 1967 müssen die Grundlagen für eine Lösung des Konfliktes sein.

Ich wünsche mir, dass ich irgendwann wieder in die Region kommen kann und dann ohne Checkpoints die vielfältige Geschichte der Region ein weiteres mal betrachten kann. Ich wünsche mir, dass Israel und Palästina dann friedlich als zwei gleichberechtigte Staaten nebeneinander, am besten miteinander, leben und keine Grenzkontrollen nötig sind, so wie beispielsweise heute zwischen Deutschland und Frankreich keine Grenzkontrollen nötig sind.

Kohlekraftwerk und Schäferhunde

Wenn in anderen Bundesländern Wahlkämpfe sind, zählt es zur guten Tradition das auch Berliner/innen helfen. Also machte sich heute morgen ein Trupp Linker Berliner/innen auf nach Hamburg. Während die anderen mit dem Auto die Reise antraten, nahm ich den Zug. Ich fuhr später los und war eher da :-) . Allerdings musste ich zunächst einen kleinen Schock verdauen. Vor einer Steckaktion -denn darum ging es- muss frau gestärkt sein. Da die Steckaktion um 10.00 Uhr beginnen sollte, hieß es für mich um 6.00 Uhr aufstehen. Und da ich ein wenig müde bin, habe ich es erst 6.20 Uhr geschafft aufzustehen, also blieb keine Zeit zum Frühstück. Ich war ja davon überzeugt, auf dem Bahnhof etwas zu bekommen. Doch auch der Kapitalismus hält nicht was er verspricht. Es gab jedenfalls bei M… D… kein Frühstück bzw. Frühstück erst ab 7.00 Uhr. Also blieb nur ein Baguette und ein Kaffee.

In Hamburg angekommen traf ich zunächst die Hamburger Genossen/innen die in den letzten Vorbereitungen für die Steckaktionen steckten. Steckatkionen meint, dass Material -in diesem Fall ein Brief von Gregor Gysi und Oskar Lafontaine- in Briefkästen befördert wird.  Nach und nach trafen die Berliner Genossen/innen ein und wurden zunächst von den Hamburger Genossen/innen mit Kaffee und Kuchen und Brötchen versorgt. Es war schon imposant, weil die Mischung der Berliner Helfer/innen aus allen Altersklassen und allen Strömungen bestand, eine Genossin war im vergangenen Jahr gerade 80 Jahre geworden.

Nach der Einteilung in verschiedene Gruppen ging es dann los. Ich durfte mit dem Berliner Landesgeschäftsführer und einem weiteren mir gut bekannten Genossen nach Moorburg. Ja, das ist das Kohlekraftwerk, was die Grünen erst verhindern wollten und dann in ihrer Schwarz-Grünen Regierungszeit doch genehmigt haben. Zunächst war unser Plan also mit den Materialien das Kohlekraftwerk zuzuschütten ;-) , aber dafür war es dann doch zu wenig. Also suchten wir Häuser um die Briefkästen zu füllen und fanden schließlich auch welche. Steckaktionen machen vor allem dann Spaß, wenn sie in Hochhäusern und mit Außenbriefkasten stattfinden. Doch dieses glückliche Los hatten wir diesmal nicht gezogen. Aber das war uns schon bei der Zuteilung klar. Wir hatten die Wanderstrecke, angeblich 5 km lang.

Glücklicherweise gab es auf unserer Strecke trotzdem viele Außenbriefkästen und -zunächst- auch keine Hunde. Ich haben nämlich Angst vor Hunden und bin deshalb auf Steckstrecken im flachen Land eher schlecht zu gebrauchen. Doch irgendwann nahmen auch die Schilder zu: Vorsicht bissiger Hund. Zunächst ignorierte ich diese Schilder – mit Erfolg. Doch kurz vor dem Ende unserer Steckstrecke passierte es dann. Ich war gerade auf dem Weg zu einem Briefkasten, als die Tür geöffnet wurde und ein Schäferhund -also ich hielt ihn für einen Schäferhund, habe aber von Hunderassen keine Ahnung- gefühlt so kurz wie ich konnte nur mühsam vom Eigentümer festgehalten werden. Tut mir leid, dieser Hamburger Haushalt hat kein Material der Linken bekommen, denn ich nahm die Beine in die Hand.

Doch damit war die Begegnung mit dem Hunde noch nicht vorbei. Auf dem Weg zurück nämlich begegnete uns der Hund erneut. Oder war es ein anderer, ähnlich großer? Diesmal hatte er es aber -nachdem er zweimal an uns vorbeilief und mir fast das Herz stehen blieb- auf unseren Landesgeschäftsführer abgesehen. Der allerdings blieb ob des Anspringens durch den Hund tapfer und sagte nichts. Mutig, mutig. Ich wäre wohl schreiend zusammengebrochen.

Trotz des Hundeerlebnisses und der Tatsache ein wenig durchgefroren zu sein werde ich auch weiterhin Steckaktionen und Wahlkampfhilfe machen, nur liebe Genossen/innen: bitte in einer Gegend ohne Hunde in der Nähe von Briefkästen. ;-)

Praxis und Theorie

Den Anlass einer thüringischen Regionalkonfenz zur Programmdebatte nutzend, habe ich gestern auch Hildburghausen besucht. In Hildburghausen regiert die LINKE. Zumindest ist hier mein Parteivorstandskollege Steffen Harzer Bürgermeister.

Diesen Vorteil ausnutzend nutzte ich die Zeit bis zum Beginn der Regionalkonferenz um mir zwei Mittelständische Industrieunternehmen anzusehen. Beide erklärten übereinstimmend, dass zumindest derzeit die Krise überwunden scheint und sie gerade recht volle Auftragsbücher haben. Interessant war, dass beide Unternehmen keinen Betriebsrat haben, dennoch aber einen Lohn zahlen der über der Mindestlohnforderung von 8,50 EUR liegt. Deutlich ihre Kritik an Grossunternehmen, die sich mit der Bezahlung Zeit lassen, während sie versuchen ihre Rechnungen schnell zu bezahlen. Beide loben eher die Sparkassen, was die Kreditvergabe angeht und kritisieren die privaten Banken. Und dann gab es eine richtige Überraschung: Einer der beiden Geschäftsführer meinte sinngemäß, er versteht die Gewerkschaften nicht, die immer noch unterschiedliche Löhne Ost und West vereinbaren. Recht hat der Mann, es von Unternehmerseite zu hören war trotzdem ungewohnt.

Danach ging es noch nach Suhl, wo es immerhin eine Bundesliga-Mannschaft gibt. Im Frauenvolleyball. Im Gespräch mit Nachwuchstrainern wurde klar, dass ganz viel über Ehrenamt in dem Bereich läuft und eine für mich immer noch ungeklärte Frage (Hallo Sportpolitiker, könnt ihr da mal nachhaken?) wie eigentlich die Geldflüsse im DSB laufen und nach welchen Kriterien welche Sportarten wie gefördert werden. Kann es sein, dass hier die Reichen auch immer Reicher werden und die nicht so Fernsehträchtigen Sportarten eher weniger bekommen.

Von dort ging es zur spannenden Programmdebatte, nicht ohne wieder zu merken, dass das Landleben deutliche Unterschiede zum Stadtleben aufweist. Eine Umleitung in Berlin bedeutet vielleicht einen Zeitverlust von 5 Minuten, eine in Thüringen bis zu einer Dreiviertel Stunde. Bei der Regionalkonferenz überwogen die kritischen Anmerkungen zum Entwurf des Parteiprogramms: zu lang, zu unverständlich, zu detailliert. Zumindest hier fühlte ich mich bestätigt, dass der Entwurf bedauerlicherweise eher einem Wahlprogramm entspricht. Ich selbst habe versucht deutlich zu machen, dass der Entwurf im 20. Jahrhundert stehen geblieben ist und wenig bis keine Antworten auf die Herausforderungen der heutigen Zeit bietet. Eine Antwort auf die Veränderungen der Gesellschaft durch das digitale Zeitalter bietet der Entwurf nicht, er behandelt das Thema nur am Rande und als Ressortthema. Doch wer meint, die Industriegesellschaft sei das Leitbild der Zukunft, liegt m.E. falsch. Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen übrigens wurde massiv aufgemacht. Am Morgen gab es noch eine kleine Stadtführung durch Hildburghausen durch den Bürgermeister persönlich und ich warte nun gespannt, wann die Bahn mir eine Ankunft im Büro ermöglicht.

Reise ins Netzzugangs-Entwicklungsland :-)

Zugfahrten haben einen Vorteil: Soweit man/frau keine/n netten Gesprächspartner/in findet, gibt es die Möglichkeit zu arbeiten. Ich als Internet-Junkie nutze die Zeit zum surfen im Netz und lese Dinge, die ich sonst nicht lesen kann. Doch gestern war alles anders.

Ich war auf dem Weg zu einer Veranstaltung mit meinem Kollegen Raju Sharma, organisiert vom Regionalbüro Nord der Bundestagsfraktion in Kiel. Ab Hamburg war es vorbei mit dem sufen. Ständig war der Empfang weg und ich hatte das Gefühl im Netzzugangs-Entwicklungsland Schleswig-Holstein zu sein.Das muss sich ändern.

Doch die Veranstaltung machte dieses Unpässlichkeit wieder gut. Gut gefüllt wurde unter dem Thema “Der Staat als Beute” debattiert und unsere Positionen zum Verbot von Parteispenden von juristischen Personen kam gut an. Auch der Verweis auf die Anträge zum Lobbyistenregister wurde wohlwollend aufgenommen.

Am Ende wurden wir gefragt, wie wir uns die Bundesrepublik in 20 Jahren vorstellen. Meine ganz unrevolutionäre Antwort war: Aufhebung aller Sondergesetze für Flüchtlinge und Asylbewerber, rechtliche Gleichstellung aller Lebensweisen und Abschaffung des Verfassungsschutzes.

Gern komme ich auch wieder – allerdings erwarte ich, dass der Netzzugang bis dahin besser ist ;-) .

Ruhe und Entspannung

… bietet der Urlaub in Dänemark. Es ist kalt, so dass es nur kurz raus geht – zum Einkaufen und zum Joggen. Sonst wird gelesen und gelesen und gelesen und aufgepasst, dass der Ofen nicht ausgeht. Und ganz nebenbei empfehle ich zum Ende des Jahres noch Seite 30 des Dezember-Disputes :-)

Bevor es jetzt gleich

… für 10 Tage zum Nachbarn nach Dänemark geht, bleibt Zeit für einen Rückblick auf das Jahr 2009.

Insgesamt ein Jahr wo die Enttäuschung die Freude überwogen hat. Auf der positiven Seite und nicht gering zu schätzen ist der überraschende Einzug in den Bundestag. Mit diesem habe ich und ich glaube auch mein Wahlteam nicht gerechnet. Doch jetzt ist es passiert, ich freue mich noch immer darüber und jetzt gilt es etwas daraus zu machen. Auch darüber nachzudenken wird Zeit sein beim Nachbarn.

Auf der positiven Seite steht auch der Entschluss, in meinem hohen Alter mal das Leben in einer WG zu testen und der daraufhin erfolgte Umzug. Auf dieses WG-Leben freue ich mich wirklich.

Und nicht zu vergessen war der wieder unvergessliche Aufenthalt in meiner “zweiten Heimat” Malta im Sommer. Ich vermisse die Sonne und die Gespräche dort und bin mir sicher im Sommer 2010 bin ich wieder da.

Aber der Bundestag und die WG ist nicht alles (aber auch nicht nichts ;-) ). Es gab da noch den Parteitag in Essen Trinken, der für mich eine der größten Enttäuschungen des Jahres war. Klar,bei dem Ergebnis der Europawahlen und den errungenen Sitzen sieht die Welt nochmal ganz anders  aus, denn schließlich hätte Platz 10 auch nicht für den Einzug in das Europaparlament gereicht. Dennoch hat mich die Niederlage bzw. Nichtwahl von Dominic auf diesem Parteitag schwer getroffen. Nicht nur, weil dies eine Kandidatur war für die ich mit vollem Einsatz gekämpft habe, sondern auch weil Dominic es wirklich verdient hätte aufgestellt zu werden.

Ich habe in diesem Jahr wieder die Chance gehabt die Welt zu sehen und Genossen/innen von verschiedenen Kontinenten kennenzulernen. Eine Erfahrung die ich weder in Bezug auf Bangladesh noch auf Venezuela und Ecuador missen möchte. Dennoch schleicht sich immer wieder der Gedanke ein, was geschehen wäre, hätte ich auf die Reise im Frühjahr verzichtet und wäre stattdessen zum anderen “Termin” mitgegangen. Hätte es dann  gereicht? Doch so viele “was wäre wenn”-Fragen werden sich im Leben nicht klären lassen… .

Die letzten Wochen zählen sicherlich politisch betrachtet, ebensowenig zu den positiven Dingen wie der Fahrraddiebstahl mitten im Wahlkampf. Der Magen und seine Anfälligkeiten haben mich dieses Jahr auch wieder begleitet, na immerhin trinke ich wegen diesem “guten Freund” seit ca. einem halben Jahr keinen Tropfen Alkohol.

Bei den diversen Jahresrückblicken jedenfalls hat sich bei mir ein interessantes Phänomen eingestellt: Ich unterscheide bei den verschiedenen Ereignissen in davor und danach…. Dabei meint davor und danach mal das Ereignis X und mal das Ereignis Y. Liegt das am älter werden? Schließlich war das ja früher nicht so.

Wie dem auch sei, 2010 wird bestimmt besser – in jedem Fall anders. Also “vorwärts immer, rückwärts nimmer” ;-) .

Programmdebatte in Marburg

In einem kleinen aber feinen Hotel in Marburg sitzend und dank Stick auch online, kann ich hier kurz von der Programmdebatte in Marburg berichten. Das fds (forum demokratischer sozialismus) hatte mich eingeladen und so fuhr ich heute nach Marburg. Die Bahn war -selbstverständlich- nicht pünktlich, aber der Puffer reichte um pünktlich anzufangen. Zwischdurch hatte ich allerdings noch das Erlebnis, dass ein Wagon des IC von Kassel nach Marburg ohne Licht war und auch das Clo nicht funktionierte. Zum Glück dauerte dieser Teil der Strecke aber nur 1 Stunde lang.

Im örtlichen DGB-Haus referierte ich dann kurz über die aktuelle Situation und die Programmdebatte. Aus meiner Sicht kommt es darauf an, Schwarz-Gelb anzugreifen und diese zu kritisieren. Und selbstverständlich muss man/frau, wenn es offensichtlich ist die SPD und auch die Grünen immer daran erinnern, was sie als Regierungspartei gemacht haben. Dennoch muss es auch darum gehen, Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und Rot-Rot-Grüne Projekte entwickeln. Zumindest, wenn man/frau nicht ausschließen will, vielleicht und unter bestimmten Umständen mal ….

Programmdebatte in Marburg

Danach ging es um die Programmdiskussion. Ich forderte eine breite Debatte in der Partei ein und wenn -wie vom Parteivorstand beschlossen- im Jahr 2011 ein Parteiprogramm beschlossen werden soll, dann muss recht bald ein Entwurf über den diskutiert werden kann auf den Tisch. Denn nur so ist es wirklich möglich, die Partei insgesamt einzubeziehen. Niemand ist allerdings daran gehindert auch jetzt schon programmatische Papiere auf den Markt zu werfen. Wichtige Fragen die zu diskutieren sind, sind in den Programmatischen Eckpunkten bereits festgelegt. Darüber hinaus muss aber aus meiner Sicht auch über die Rolle und die Aufgaben des Öffentlichen Dienstes gesprochen werden. Dieser ist ja nicht gottgegeben sondern Ergebnis politischer Entscheidungen. Auch die Frage was konkret Privatisierung ist und wie gegen sie vorgegangen werden muss ist aus meiner Sicht zu debattieren. Es gibt sicherlich gute Gründe beispielsweise die Übertragung von Jugendfreizeiteinrichtungen an freie Träger abzulehnen, aber diese Übertragung als Privatisierung zu sehen, ist aus meiner Sicht zu kurz gegriffen. Schließlich muss eine nach vorne gerichtete LINKE sich auch zu den sog. sozialistischen Versuchen der Vergangenheit und der Gegenwart verhalten. Vielleicht nicht direkt, aber es muss deutlich werden, welche Lehren aus der Vergangenheit gezogen wurden, was wir heute unter demokratischem Sozialismus verstehen und das ein essentieller Bestandteil von Sozialismus Freiheit und Demokratie ist.

Der Kneipenbesuch mit den Genossen (es waren tatsächlich nur Genossen) war kurz. Die Genossen haben morgen früh Landesparteitag und ich muss ganz früh mit dem Zug zurück nach Berlin, die Bundesarbeitsgemeinschaft Bürgerrechte und Demokratie tagt.  Aber ich komme auch gern wieder :-) .