Ich bin illoyal

Aus Prinzip. Aus grundsätzlichen Erwägungen heraus.

Loyalität ist ein Scheißkackautoritäres Konzept in hierarchischen (Partei)Strukturen. In der entsprechenden (Macht)Position sitzend, muss jemand nur den Vorwurf der Illoyalität aussprechen und schon ist der/die Betroffene in einer Rechtfertigungssituation. Auch deshalb, weil niemand genau definiert, an welcher Stelle beginnt Loyalität und wo hört sie auf. Loyalität ist ein ach ganz wunderbares Instrument um Gehorsam und Gefolgschaft zu ermöglichen. Die (Parteien)Geschichte hat es bewiesen. Mit Loyalität konnte ich noch immer alles begründen und mit Illoyalität alles rechtfertigen.  (Und wer mir nicht glaubt, der nehme jetzt eine Suchmaschine seiner Wahl und gebe einmal Loyalität und Parteien ein: Steinbrück unterstellt Gabriel mangelnde Loyalität, der zentrale Vorwurf gegen Dietmar Bartsch am 11. Januar 2010 war mangelnde Loyalität, Rösler beklagt mangelnde Loyalität und Grüne betonen Loyalität zum Kanzler usw.)

Ich finde ja immer noch, dass Sachkomeptenz und das bessere Argument zählen sollten. Überall. Entweder beides überzeugt oder eben nicht.Lieber ehrlich verlieren, statt unehrlich gewinnen. Loyalität ist ein Konzept für Monarchien, nicht aber für demokratische Staaten und Organisationen. Aus Überzeugung bin ich illoyal.

22 Gedanken zu „Ich bin illoyal“

  1. @linksman: das fällt unter journalistische freiheit :-). er gibt wieder, was er meint, was andere von mir denken. es steht ja auch nicht „ist“ sondern „gilt“.

  2. In der Tat kann man mittels solcher Begriffe wie ‚loyal‘ in eine moralische und intellektuelle ‚Beugehaft‘ genommen werden. Man muss aber dennoch vorsichtig sein. Denn laut Duden steht ‚loyal‘ für:

    a) den Staat, eine Instanz respektierend
    b) vertragstreu, redlich; nach Treu und Glauben [handelnd]
    c) anständig, auch den Gegner respektierend

    Wer also illoyal sein will, ist all das vorgenannte nicht!

    Dazu kommen noch Synonyme für loyal:

    anständig,
    aufrecht,
    aufrichtig,
    ehrenhaft,
    ehrlich,
    fair,
    geradlinig,
    geradsinnig,
    glaubwürdig,
    grundanständig,
    grundehrlich,
    gut,
    hochanständig,
    integer,
    ordentlich,
    redlich,
    sauber,
    seriös,
    solide,
    treu,
    unbescholten,
    vertrauenswürdig,
    zuverlässig,
    recht,
    ehrbar,
    ehrenwert,
    getreu,
    getreulich,
    honett,
    laute
    fein,
    brav,
    honorig,
    rechtschaffen,
    wacker

    Man male sich mal aus, wie die Gegenwörter hierzu einen Person beschreiben.

  3. @uwe r.: richtig. deshalb habe ich ja von loyalität als „konzept in hierarchischen (partei)strukturen“. vielleicht ist das nicht deutlich genug gewesen. dann ist es mein fehler.

  4. Ich vermute ohne konkreten Anlass werden solche Texte nicht geschrieben. Wer wirft dir die Illoyalität in Bezug auf die hierarchischen (Partei)Strukturen vor?

  5. Wer aufrichtig ist, muss nicht loyal sein, weil jede_r weiß, was er/sie an der jeweils aufrechten Person hat und was nicht.

  6. @horschte: mir ist kein illoyalitätsvorwurf gegen mich bekannt :-). das thema beschäftigt mich mindestens seit dem 11. januar 2010 nur fand ich nie die zeit irgendwie mit den passenden worten das aufzuschreiben. gestern hatte ich eine lange zugfahrt und konnte mich nicht auf das lesen meines buches konzentrieren und da entstand der text in meinem kopf. auch weil ich seitdem immer verfolgt haben, wie die frage loyalität in anderen parteien behandelt wird. weil ich gestern abend zu müde war, habe ich ihn erst heute morgen aufgeschrieben.

  7. Hintergrund:
    Bartsch hat als BGF 2009 bei üppigen Gelagen mit Spiegel-Redakteuren zuviel gequatscht.
    Gysi sind wortgleiche Formulierungen aus vertraulichen Gesprächen aufgefallen und thematisierte dies (das ist mit dem kryptischen „11.01.2010“ gemeint – Linke-Neujahrsempfang).
    Daraufhin war Bartsch eben nicht mehr zu halten.
    Die unnötige Entschädigung in Form eines zusätzlichen Fraktionsvize-Postens folgte.
    So weit, so banal.

  8. @linksman: köstlich. wirklich. den gleichen unsinn wie früher erzählen. wahrer wird er nicht dadurch. was zu damals zu sagen ist, kann man am besten hier nachlesen: http://blog.wawzyniak.de/?p=2983
    aber schön, das du hier noch mal im detail aufzeigst, wie das so ist mit dem loyalitätsvorwurf funktioniert. und nein, ich will hier nicht mit dir die geschichten von 2010 diskutieren. mir ging es um das konzept „loyalität“ und das gibt es leider in allen parteien.

  9. Aha. Danke Linksman und Halina für diese Informationen. Nun erschließt sich mir, weshalb Parteimitglieder aus Westdeutschland meinten, sie würden aus der Partei austreten, wenn Dietmar Bartsch den Parteivorsitz erhält.
    Nun, jeder schießt Mal über das Ziel hinaus, oder? Ob das nun Gysi, Bartsch oder Lafontain sind. Sich jetzt als illoyal zu bezeichnen, finde ich trotzdem nicht gut, weil das früher oder später mit an an Sicherehit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen dich verwendet wird. Aber es ist deine Entscheidung.
    Hat sich im Vergleich zu 2010 schon etwas in der Parteistruktur verändert? Oder schlafen nach wie vor alle und spielen sich die heile Welt vor, in der alles schon irgendwie von allein klappt?

  10. Hallo Horschte,
    die Parteistrukturen ändern sich gerade eher zum Negativen:
    Anstatt dem Anspruch einer gesamtdeutschen Linkspartei gerecht zu werden, soll die Mehrheit der ostdeutschen Delegierten auf Parteitagen sogar noch weiter anwachsen. Dies, obwohl bei den letzten beiden Bundestagswahlen die Mehrheit der Stimmen aus dem Westen kam (welche ja notwendig ist, um die 5 Prozent sicher zu knacken!).
    Die ostfixierte und -dominierte Regionalpartei PDS ist ja bekanntlich 2002 endgültig gescheitert. Eine ostdeutsche Trachtengruppe braucht niemand und wäre gerade für selbstbewusste Ostdeutsche eher eine Beleidigung. Eine Rolle rückwärts in die 90er Jahre wird der Gegenwart eben nicht gerecht.

  11. Schade. 🙁 Aber jetzt, wo du dich als illoyal geoutet hast, könntest du das Problem ja auf deine To Do Liste setzen und es angehen 😉

  12. @linksman: welcher antrag fordert eine neue zahlenmäßige verteilung der delegierten der ost- und westlandesverbände?

  13. Linksman sind das Gerüchte oder gibt es da Dokumente zu?
    Ich fürchte, dass auch dieses „wir haben Angst vor den Ossis“ und „wir haben Angst vor den Wessis“ und „die machen unsere Partei kaputt“ ziemlich kontraproduktiv für die Partei ist. Da ist das bisschen Illoyalität lachhaft 🙂

  14. haha. zu köstlich… da ging es um die vertreter/innenversammlung zur aufstellung der liste zur europawahl und bei solchen vertreter/innenversammlungen haben per se und von gesetz wegen zusammenschlüsse und jugendverband kein stimmrecht. das ist ungefähr seit 1952 in der bundesrepublik deutschland so.
    der delegiertenschlüssel zum parteitag (da haben nach derzeitiger satzungslage die zusammenschlüsse stimmrecht) richtet sich ab 2014 nach der mitgliederzahl in den landesverbänden und wurde im verschmelzungsvertrag -der per urabstimmung von den mitgliedern von wasg und linkspartei.pds angenommen wurde- veteinbart.

  15. Hallo Halina,
    haha. Zu köstlich, dass die VertreterInnen-Versammlung auch nach parteioffizieller Eigenauskunft ein Parteitag war (4. Parteitag, 1. Tagung):
    http://www.die-linke.de/partei/organe/parteitage/europaparteitag-2014/
    Im übrigen denkt Mensch bei „VertreterInnen-Versammlung“ eher an trostlose Aufläufe zwanghaft vollmotivierter Anzug- & KostümchenträgerInnen, die sich zur Lebensaufgabe machen, Staubsauger an der Haustür zu verticken. 😉

  16. mein gott, junge. nutz einfach eine suchmaschine. es gab am samstag den parteitag und anschließend eine vertreter/innenversammlung. es wurden in den gliederungen delegierte für den parteitag gewählt und delegierte für die vertreter/innenversammlung. zum großen teil waren diese identisch, aber eben nicht alle. hier der delegiertenschlüssel für den europaparteitag (beschluss europawahlprogramm) sowie die weiteren tagungen des 4. parteitages, so auch den am kommenden wochenende: http://www.die-linke.de/fileadmin/download/parteitage/hamburg2014/delegiertenschluessel/delegiertenschluessel_des_4_parteitages.pdf und hier der zur vertreter/innenversammlung http://www.die-linke.de/fileadmin/download/parteivorstand/2012/93_Delegiertenschluessel_Bundesvertreterversammlung.pdf
    hat jetzt keine 2 minuten gebraucht das zu finden.

  17. Köstlich ist wohl genau das richtige Wort für den Blogeintrag und die Unterhaltungen hier.
    Was aber alles andere als köstlich sein sollte, ist die Tatsache, dass die Partei(struktur) so festgefahren ist, dass sich nach 4 Jahren noch immer nichts verändert hat. 4 Jahre … wo hängt’s?

  18. Juke vielleicht an den wiederkehrenden Personen in verantwortungsvollen Positionen innerhalb der Partei? Zum Beispiel sind oftmals dieselben Nasen im Vorstand. Wenn dort der Großteil kein Handlungsbedarf sieht ändert sich nichst.

  19. strömungs-loyal und partei-loyal erscheinst du mir schon ein wenig zu sein.
    siehe dein vergl. :
    1. bei bartsch positionierst du dich. 2. bei den anderen parteien nennst du auch den, der es vorwirft

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