Kohlekraftwerk und Schäferhunde

Wenn in anderen Bundesländern Wahlkämpfe sind, zählt es zur guten Tradition das auch Berliner/innen helfen. Also machte sich heute morgen ein Trupp Linker Berliner/innen auf nach Hamburg. Während die anderen mit dem Auto die Reise antraten, nahm ich den Zug. Ich fuhr später los und war eher da :-). Allerdings musste ich zunächst einen kleinen Schock verdauen. Vor einer Steckaktion -denn darum ging es- muss frau gestärkt sein. Da die Steckaktion um 10.00 Uhr beginnen sollte, hieß es für mich um 6.00 Uhr aufstehen. Und da ich ein wenig müde bin, habe ich es erst 6.20 Uhr geschafft aufzustehen, also blieb keine Zeit zum Frühstück. Ich war ja davon überzeugt, auf dem Bahnhof etwas zu bekommen. Doch auch der Kapitalismus hält nicht was er verspricht. Es gab jedenfalls bei M… D… kein Frühstück bzw. Frühstück erst ab 7.00 Uhr. Also blieb nur ein Baguette und ein Kaffee.

In Hamburg angekommen traf ich zunächst die Hamburger Genossen/innen die in den letzten Vorbereitungen für die Steckaktionen steckten. Steckatkionen meint, dass Material -in diesem Fall ein Brief von Gregor Gysi und Oskar Lafontaine- in Briefkästen befördert wird.  Nach und nach trafen die Berliner Genossen/innen ein und wurden zunächst von den Hamburger Genossen/innen mit Kaffee und Kuchen und Brötchen versorgt. Es war schon imposant, weil die Mischung der Berliner Helfer/innen aus allen Altersklassen und allen Strömungen bestand, eine Genossin war im vergangenen Jahr gerade 80 Jahre geworden.

Nach der Einteilung in verschiedene Gruppen ging es dann los. Ich durfte mit dem Berliner Landesgeschäftsführer und einem weiteren mir gut bekannten Genossen nach Moorburg. Ja, das ist das Kohlekraftwerk, was die Grünen erst verhindern wollten und dann in ihrer Schwarz-Grünen Regierungszeit doch genehmigt haben. Zunächst war unser Plan also mit den Materialien das Kohlekraftwerk zuzuschütten ;-), aber dafür war es dann doch zu wenig. Also suchten wir Häuser um die Briefkästen zu füllen und fanden schließlich auch welche. Steckaktionen machen vor allem dann Spaß, wenn sie in Hochhäusern und mit Außenbriefkasten stattfinden. Doch dieses glückliche Los hatten wir diesmal nicht gezogen. Aber das war uns schon bei der Zuteilung klar. Wir hatten die Wanderstrecke, angeblich 5 km lang.

Glücklicherweise gab es auf unserer Strecke trotzdem viele Außenbriefkästen und -zunächst- auch keine Hunde. Ich haben nämlich Angst vor Hunden und bin deshalb auf Steckstrecken im flachen Land eher schlecht zu gebrauchen. Doch irgendwann nahmen auch die Schilder zu: Vorsicht bissiger Hund. Zunächst ignorierte ich diese Schilder – mit Erfolg. Doch kurz vor dem Ende unserer Steckstrecke passierte es dann. Ich war gerade auf dem Weg zu einem Briefkasten, als die Tür geöffnet wurde und ein Schäferhund -also ich hielt ihn für einen Schäferhund, habe aber von Hunderassen keine Ahnung- gefühlt so kurz wie ich, nur mühsam vom Eigentümer festgehalten werden konnte. Tut mir leid, dieser Hamburger Haushalt hat kein Material der Linken bekommen, denn ich nahm die Beine in die Hand.

Doch damit war die Begegnung mit dem Hunde noch nicht vorbei. Auf dem Weg zurück nämlich begegnete uns der Hund erneut. Oder war es ein anderer, ähnlich großer? Diesmal hatte er es aber -nachdem er zweimal an uns vorbeilief und mir fast das Herz stehen blieb- auf unseren Landesgeschäftsführer abgesehen. Der allerdings blieb ob des Anspringens durch den Hund tapfer und sagte nichts. Mutig, mutig. Ich wäre wohl schreiend zusammengebrochen.

Trotz des Hundeerlebnisses und der Tatsache ein wenig durchgefroren zu sein werde ich auch weiterhin Steckaktionen und Wahlkampfhilfe machen, nur liebe Genossen/innen: bitte in einer Gegend ohne Hunde in der Nähe von Briefkästen. 😉

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