Praxis und Theorie

Den Anlass einer thüringischen Regionalkonfenz zur Programmdebatte nutzend, habe ich gestern auch Hildburghausen besucht. In Hildburghausen regiert die LINKE. Zumindest ist hier mein Parteivorstandskollege Steffen Harzer Bürgermeister.

Diesen Vorteil ausnutzend nutzte ich die Zeit bis zum Beginn der Regionalkonferenz um mir zwei Mittelständische Industrieunternehmen anzusehen. Beide erklärten übereinstimmend, dass zumindest derzeit die Krise überwunden scheint und sie gerade recht volle Auftragsbücher haben. Interessant war, dass beide Unternehmen keinen Betriebsrat haben, dennoch aber einen Lohn zahlen der über der Mindestlohnforderung von 8,50 EUR liegt. Deutlich ihre Kritik an Grossunternehmen, die sich mit der Bezahlung Zeit lassen, während sie versuchen ihre Rechnungen schnell zu bezahlen. Beide loben eher die Sparkassen, was die Kreditvergabe angeht und kritisieren die privaten Banken. Und dann gab es eine richtige Überraschung: Einer der beiden Geschäftsführer meinte sinngemäß, er versteht die Gewerkschaften nicht, die immer noch unterschiedliche Löhne Ost und West vereinbaren. Recht hat der Mann, es von Unternehmerseite zu hören war trotzdem ungewohnt.

Danach ging es noch nach Suhl, wo es immerhin eine Bundesliga-Mannschaft gibt. Im Frauenvolleyball. Im Gespräch mit Nachwuchstrainern wurde klar, dass ganz viel über Ehrenamt in dem Bereich läuft und eine für mich immer noch ungeklärte Frage (Hallo Sportpolitiker, könnt ihr da mal nachhaken?) wie eigentlich die Geldflüsse im DSB laufen und nach welchen Kriterien welche Sportarten wie gefördert werden. Kann es sein, dass hier die Reichen auch immer Reicher werden und die nicht so Fernsehträchtigen Sportarten eher weniger bekommen.

Von dort ging es zur spannenden Programmdebatte, nicht ohne wieder zu merken, dass das Landleben deutliche Unterschiede zum Stadtleben aufweist. Eine Umleitung in Berlin bedeutet vielleicht einen Zeitverlust von 5 Minuten, eine in Thüringen bis zu einer Dreiviertel Stunde. Bei der Regionalkonferenz überwogen die kritischen Anmerkungen zum Entwurf des Parteiprogramms: zu lang, zu unverständlich, zu detailliert. Zumindest hier fühlte ich mich bestätigt, dass der Entwurf bedauerlicherweise eher einem Wahlprogramm entspricht. Ich selbst habe versucht deutlich zu machen, dass der Entwurf im 20. Jahrhundert stehen geblieben ist und wenig bis keine Antworten auf die Herausforderungen der heutigen Zeit bietet. Eine Antwort auf die Veränderungen der Gesellschaft durch das digitale Zeitalter bietet der Entwurf nicht, er behandelt das Thema nur am Rande und als Ressortthema. Doch wer meint, die Industriegesellschaft sei das Leitbild der Zukunft, liegt m.E. falsch. Die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen übrigens wurde massiv aufgemacht. Am Morgen gab es noch eine kleine Stadtführung durch Hildburghausen durch den Bürgermeister persönlich und ich warte nun gespannt, wann die Bahn mir eine Ankunft im Büro ermöglicht.

Ein Gedanke zu „Praxis und Theorie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.