Scheißspiel

Das Spiel ist immer dasselbe. Es geht wie folgt:

1. Teile der Wissenschaft und Teile der Politik weisen auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen hin, die umgehendes Handeln verlangen. Stichwort: Klimawandel, Zukunft der Erwerbsarbeitswelt und des Sozialstaates im Zeitalter der Digitalisierung.

2. Industrie und -leider- meist auch Gewerkschaften wehren sich gegen Veränderungen. Die einen, weil sie ihre Gewinne weiter einstecken wollen. Es läuft ja gerade so gut. Die anderen, weil sie den errungenen sozialstaatlichen Kompromiss bewahren wollen. Und so schlimm wird es mit den gesellschaftlichen Veränderungen schon nicht werden, der Kompromiss reicht für die Ewigkeit.

3. Es wird doch schlimmer. Die Erkenntnis setzt sich durch, es muss etwas geschehen. Mal zwingen internationale Abkommen zum Handeln, mal Gerichte.

4. Auf konkrete Vorschläge aus der Politik reagieren Industrie und -leider- meist auch aus Gewerkschaften mit rumgejammer. Die Industrie sieht die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. Und Erwerbsarbeitsplätze. Gewerkschaften fürchten um den sozialen Frieden. Und Erwerbsarbeitsplätze.

5. Entweder es passiert nichts oder Industrie und -leider- meist auch Gewerkschaften lenken Angst und Ärger auf „die Politik“, die habe versagt. Wenn es ganz gut für die Industrie läuft, bekommt die Industrie für erzwungene, meist nur kleine Veränderungen sogar noch Steuerkohle.

Das ist ein Scheißspiel. Denn das eigene Hinwirken auf Nichtstun Dritter wird am Ende den Dritten zum Vorwurf gemacht. Wenn es erkennbar nicht mehr weiter geht wie bisher, wird vom eigenen Versagen abgelenkt. Wenn dieses Scheißspiel nicht beendet wird, ist der Planet bald im Arsch und der Sozialstaat kann seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen.

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