20 Jahre und kein bisschen leiser :-)

Bevor frau in den Urlaub fährt, sind so manche Vorbereitungen zu tätigen. Zum Beispiel zählt dazu, die Geldbörse von überflüssigen Dingen (selbstverständlich nur Überflüssig für den Urlaub) zu befreien. Zwar fliege ich erst am Sonntag wieder nach Malta, aber die Vorbereitungen fangen jetzt schon an.

Als ich so meine Geldbörse befreite, fiel mir mein Parteiausweis in die Hand. Und tatsächlich -wie die Zeit vergeht- ich bin seit 2 Tagen und 20 Jahren Mitglieder der Partei die sich heute die LINKE nennt, an meinem 32. Geburtstag ihren Namen in Linkspartei.PDS veränderte und als ich eintrat einfach nur PDS hieß. Am 3. August 1990 wurde ich Mitglied – mit 17 Jahren, was damals eigentlich gar nicht möglich war, denn das Eintrittsalter lag ja bei 18 Jahren.

Viel ist in den Jahren passiert, viele Mitstreiter/innen der damaligen AG Junge GenossenInnen sind heute in alle Winde verstreut und mit manchen arbeite ich heute noch zusammen (auch wenn sie manchmal mittlerweile in anderen Parteien sind 😉 ). Manchmal tut es gut sich an die Anfänge zu erinnern, wo selbst im Osten eine Mitgliedschaft in der PDS eher für Nachteile (oder gar Bedrohungen am Infostand) sorgte. Geprägt haben mich die Debatten um die eigene Vergangenheit und die Frage „Opponieren-Tolerieren-Koalieren„. So mancher Debattenbeitrag damals ist deutlich substantieller als so manches, was heute zu lesen ist. Und es war schon ziemlich interessant zu beobachten wie die Parteitagsdelegierten reagierten, als wir 1993 als junge Pioniere den Parteitag in der Kongresshalle „stürmten“ und der Partei eine leere Mappe mit Fragezeichen überreichten, weil uns die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ungenügend erschien.

Welche Aufregung herrschte, als wir die Konferenz „Ob friedlich oder militant – wichtig ist der Widerstand“ abhielten. Wieviel Solidarität erlebten wir, als wir in der Volksbühne die Genossen/innen beim Hungerstreik begleiteten. Welche Debatten führten wir insbesondere in Brandenburg – um die Verfassung, das Verhältnis von Außerparlamentarismus und Parlamentarismus. Rekrutenzugblockade und ILA-Protest führten immerhin zu einer jugendrichterlichen Ermahnung :-). Debatten-Artikel im Disput führten zur namentlichen Erwähnung im Bericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Weiter ging es mit diversen Wahlkämpfen (wo ist eigentlich das Video zum Wahlkampf 1995 in Berlin?), die mal mehr oder weniger erfolgreich und interessant waren. Die Wahlniederlage 2002, nachfolgend Gera, die diversen Parteitage in der Antragskommission mit den Höhepunkten Chemnitz und Dortmund, die Vereinigung…

Tja, in 20 Jahren erlebt frau so einiges interessantes oder auch weniger interessantes. Erfolge wechseln sich mit Niederlagen ab und trotzdem hat es alles in allem viel Spaß gemacht. Insofern hoffe ich auch auf spannende weitere 20 Jahre, selbstverständlich nur mit Erfolgen ;-).

Nein,

… in meinen 16 Jahren DDR war ich keine Widerstandskämpferin. Im Gegenteil: Ich war Gruppenratsvorsitzende (glaube ich), Agitatorin bei der FDJ und als Pionier beim XI. Parteitag der SED.

Mein Nachdenken über die DDR, meine kritische Sicht auf sie begann -so absurd das für manche klingen mag- mit dem Eintritt in die PDS 1990.

Bereits 1989 erklärte Michael Schumann: „Wir brechen unwiderruflich mit dem Stalinismus als System“ . Bis zum Beschluss zur „Offenlegung der politischen Biografie“  gab es viele selbstquälende Debatten innerhalb der Partei und 1993 einen mir noch sehr gut in Erinnerung gebliebenen Auftritt der AG Junge GenossenInnen als Pioniere um die Partei zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte zu zwingen.

Es geht nicht um „Ankommen“ beim „Klassengegner“  😉  es geht darum, was wir aus unserer Vergangenheit für Schlussfolgerungen ziehen. Ich glaube, keine Partei in der Bundesrepublik Deutschland hat sich so intensiv mit der eigenen Geschichte beschäftigt wie die damalige PDS. Einen guten Überblick  was alles wie gemacht wurde, ist hier zu finden.

Warum ich das alles heute schreibe? Heute ist der 13. August. An diesem Tag wurde die Mauer gebaut. Alles was dazu zu sagen ist, habe ich heute in einer Presseerklärung erklärt.

pe-mauerbau

Der für mich persönlich entscheidende Satz lautet: „Ein Sozialismus, vor dem die Menschen flüchten, ein Sozialismus, der von den Menschen nicht gewollt wird und der seine Menschen einsperrt, ist kein Sozialismus.“

Und noch ausführlicher wird meine Haltung zur Frage „Wie halte ich es mit der DDR“ in meine Rede zur Grundsatzkonferenz der Partei DIE LINKE erkennbar.

grundgesetzkonferenzrede

Ich habe heute beim Mahnmal für Peter Fechter und am Gröbenufer der Opfer der Mauer gedacht.  Wichtig und notwendig, denn jede/r Tote ist einer zuviel.