Vollschuss :-(, :-(

Das ist das einzige, was mir zu Christel Wegener noch einfällt, will ich nicht völlig im Zynismus versinken oder einen Herzkasper bekommen. :-( . Ich könnte auch noch mal sagen: “Ei auf dem Kopp” oder unerträgliche Sauerei!

Ich habe mich entschieden abzuschreiben :-) , meinem Zynismus freien Lauf gelassen :-) und eine Art offenen Brief geschrieben:

“Liebe Christel,

in Fortsetzung einer langen Tradition von PDS, Linkspartei, WASG und DIE LINKE. möchte auch ich mich in die Reihe der Schreiber/innen von “Offenen Briefen” einreihen. Diese Form der innerparteilichen Auseinandersetzung (oh, Entschuldige bitte, du bist ja gar nicht Mitglied unserer Partei) sichert uns beiden genügend Aufmerksamkeit. Und wenn wir uns anstrengen, dann erhalten wir auch die typischen Reaktionen:
a) Antwort binnen 24 h
b) mindestens einen Landesvorstandsbeschluss
c) mindestens einen Parteitagsantrag

Doch nun liebe Christel zum Inhalt.

ich leide mit Dir. Das ist schon eine doofe Situation. Da sitzt Du seit wenigen Tagen im Niedersächsischen Landtag und plötzlich kommen Journalisten auf Dich zu und fragen dich Dinge, zu der die Partei, für die du kandidierst eine klare Beschlusslage hat. Aber Du hast Recht, diese Beschlusslage, die du vielleicht gar nicht kennst, steht für absolute Realitätsferne. Abschaffung aller Geheimdienste zu fordern, dass ist doch kein Konzept. Ein Konzept wäre doch laut auszusprechen: Nur kapitalistische Geheimdienste sind schlecht. Aber was erwartest du denn auch: In dieser Partei wimmelt es nur so von Reformisten, die orthodox am Bruch mit dem Stalinismus festhalten.

Dies wäre ja noch irgendwie auszuhalten, wenn nicht diese Parlamentsfixiertheit wäre. Parlamentssitze. Pah! Da geht es einem doch nur um Diäten und die Fleischtöpfe der Macht. Deine Partei hat sich erfolgreich einer solchen Einbindungsstrategie des Kapitals verweigert. Und ich bin mir sicher, auch Du wirst dies tun.

Lieber Christel, weil du es so schwer hast, will ich dir heute mein Beileid ausdrücken. Mein Beileid dafür, dass dir niemand vorher gesagt hat, in welche schwierige innerparteiliche Lage deiner Partei du gerätst, wenn du für diese Reformisten in den Landtag gehst. Mein Beileid dafür, das Du nun all die Entrüstung derjenigen ertragen musst, die schon lange Abschied vom Klassenkampf genommen haben. Ich weiß, dass du nun im Landtag gezwungen bist, vor allem Dich selbst zu vertreten. Aber du wirst das schon tapfer durchstehen.

Daher habe ich mir ein ganz besonderes Dankeschön für Dich ausgedacht. Im Anhang schicke ich dir ein Austrittsformular aus der Fraktion DIE LINKE. im Landtag von Niedersachsen. Ich finde, dass ich Deinem Leben dadurch doch noch eine Wendung zum Positiven geben kann und dich vor dem Verrat an den Interessen der Arbeiterklasse bewahren kann. Um ein Zeichen zu setzen gegen diesen ganzen Opportunismus, der in dieser Reformistenpartei passiert. Um ein Zeichen zu setzen für eine aufrechte und glaubwürdige Programmatik im Sinne des Antineoliberalismus und der Arbeiterklasse. Und vor allem, um deinen Chancen auf Karriere in Deiner Partei, die Du scheinbar anstrebst, zu verbessern.

Dann bist Du auch nicht mehr gezwungen die Positionen der Partei für die Du in den Landtag gewählt worden bist zu ertragen, die Dich nicht mehr ertragen mag.”