Was wäre wenn

… Polizeibeamte/Polizeibeamtinnen nicht sklavisch am Text hängen sondern Auflagen menschlich auslegen würden? Was wäre  wenn unsinnige Auflagen einfach durch die politisch verantwortlichen aufgehoben werden würden?

Am Vormittag war ich beim Protestcamp der Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor.  Ich habe Vaseline mitgenommen, denn aktuell scheinen genügend Klamotten vorhanden zu sein. Ich konnte selbst erleben, wie eine Polizeibeamtin den Anmelder aufforderte, die hungerstreikenden Flüchtlinge darauf hinzuweisen, das sie nicht auf Holzbänken oder den Taschen mit den wärmenden Sachen sitzen dürfen. Sie bezog sich auf die Auflage zur genehmigten Mahnwache. Darin heißt es u.a. : „Insbesondere wird die Nutzung von Zelten, Schlafsäcken, Isomatten sowie Pavillions, Planen und Pappen untersagt, sofern diese dem Witterungsschutz,  dem Sitzen, dem Liegen oder in sonstiger Weise der Bequemlichkeit von Versammlungsteilnehmern dienen.“ Es wäre ja nun denkbar, dass aus humanitären Gründen die Auflagen großzügig ausgelegt werden.  Es wäre auch denkbar, dass die Beamten sich darauf zurückziehen, das Kissen und Taschen nicht genannt werden, ebensowenig wie die Beutel in denen die Klamotten gesammelt werden. Es wäre natürlich auch denkbar, dass Innensenator Henkel und die amtierende Polizeipräsidentin Koppers diese unsinnigen Auflagen einfach zurücknehmen. Es wäre denkbar, dass das Bezirksamt Mitte die beantragte Sondernutzung genehmigt. Und es ist schon ein wenig absurd, wenn von „Bequemlichkeit von Versammlungsteilnehmern“ die Rede ist. Es geht hier nicht um Bequemlichkeit. Es geht darum, dass hier Menschen in frostiger Kälte einen Hungerstreik machen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und die Politik aufzufordern diesen absurden Zustand zu beenden. 

Doch die einsatzführende Beamtin meinte nur zynisch: „Es zwingt ja niemand die Leute zu demonstrieren.“  Wirklich nicht? Was ist mit Abschiebungen, der Residenzpflicht, Sammelunterkünften und den Sondergesetzen? Parlamantarisch haben sowohl LINKE als auch Grüne und SPD Anträge zur Abschaffung der Residenzpflicht eingebracht. Bislang wurden alle diese Anträge abgelehnt.

Wer die Flüchtlinge unterstützen will, der sollte per Mail, Fax oder Telefon im Bezirksamt Mitte, beim Innensenator Henkel und der amtierenden Polizeipräsidentin Koppers vorstellig werden um gegen die Schikanen gegenüber  den Flüchtlingen im Camp zu protestieren. Selbstverständlich kann und sollte auch gegenüber der CDU und FDP Druck ausgeübt werden, denn sie sind es die eine Änderung der Rechtslage verhindern.

6 Gedanken zu „Was wäre wenn“

  1. Der deutsche Michel ist und bleibt ein unpolitischer Mitläufer mit rechten Grundtendenzen … was human ist, was nachhaltig ist, was führsorglich ist, was besonnen ist, was mitfühlend ist, IST schwach ! Was schwach ist kann nicht gut sein ! Armer Michel wirst erst wieder jammern wenn’s zu spät ist.
    Hier ein wunderbarer Song zum Thema, Mario Hene – Unter der gleichen Sonne :
    Auf youtube in Deutschland geblockt 🙁
    Hier der Text : http://www.mariohene.de/?page=songtexte/song18

    Wer noch Zeit hat, bitte schön :

    Unter der gleichen Sonne irgendwo in einem anderen Land
    Sucht vielleicht ein kleiner Jungen nach der warmen schützenden Vaterhand
    Während grüne Frühlingserde unter Bombenfeuer glüht
    Und ein strahlend blauer Himmel sich mit schwarzem Rauch bezieht
    Tausend angsterfüllte Augen sehen zum letzten Mal das Licht
    Schaun verzweifelt hoch zum Himmel und verstehen nicht

    Und wir sitzen hier
    Hinter fest verschlossener Tür
    Warten, dass der Tag vergeht
    Und reden, reden, reden

    Unter der gleichen Sonne irgendwo in einer anderen Stadt
    Sitzt vielleicht in einer Zelle einer, der nichts weiter verbrochen hat
    Als vor aller Welt zu sagen, was ihm gut und richtig schien,
    Einer, der sich der Gewalt entgegenstellte statt zu fliehen
    Als die Anderen ihn holten war er nackt und ganz allein
    Es ist kalt in seiner Zelle, niemand hört sein Schreien

    Und wir sitzen hier…

    Unter der gleichen Sonne irgendwo in einem anderen Haus
    Dreht vielleicht einer, den du flüchtig kennt,
    Mit zittriger Hand seine Sicherung raus
    Geht in seine kleine Küche, vor dem Gasherd bleibt er stehen
    Dreht den Hahn auf, geht zum Fenster, sieht die Sonne untergehen
    Fühlt wie der Pulsschlag des Vergessens seinen Geist in Nebel hüllt
    Während giftig warmer Atem seine Lungen füllt

    Und wir sitzen hier…

    Unter der gleichen Sonne sitzt vielleicht auch einmal Du irgendwann
    Und eine lähmendkalte Lebensangst zieht Dein ganzes Selbst in ihren Bann
    Und Du findest keinen Ausweg, keine Brücke, die Dich trägt
    Während etwas, das Du nicht begreifst, dein Kartenhaus zerschlägt
    Vielleicht trägt sogar ein warmer Wind Dein Schreien mit sich fort
    Doch man wird kaum etwas hören an einem anderen Ort.

    Denn da sitzen andere hinter fest verschlossener Tür
    und die warten dass ihr Tag vergeht
    und reden, und reden, und reden

  2. >> Der deutsche Michel ist und bleibt ein unpolitischer Mitläufer mit rechten Grundtendenzen … 
    Was für ein Satz, der Rest ist einfach versucht intelligent und prosaisch. Die Deutschen sind meiner Erfahrung nach eines der politischsten Völker der Welt, keine Ahnung wo Sie das „unpolitisch“ hernehmen.
    Was soll man nur zu den „rechten Grundendenzen“ schreiben? Und das als Kommentar zu einer Autorin, die sich offensichtlich für Flüchtlinge einsetzt. Aber ich weiß schon, Sie meinen ja alle anderen…

    Den Blogeintrag finde ich schön und danke für den Einblick in die Situation. Und jetzt gehe ich mal nachschlagen, was die Residenzpflicht ist 🙂

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