Wir

Seit meiner Kindheit bin ich Sportinteressiert. Ein für mich prägendes Erlebnis war das Handball-Finale bei den Olympischen Sommerspielen 1980 in Moskau, mit dem grandiosen Wieland Schmidt. Bei den Olympischen Spielen 1988 bin ich fast mitten in der Nacht aufgestanden um (heimlich) den Zieleinlauf im Straßenrad-Einzelrennen zu schauen. Ich habe selbst jahrelang in einem Trainingszentrum Leichtathletik gemacht. Bis 1989 war für mich immer klar „unsere“ Sportler waren die besten, sie mussten gewinnen.

Jetzt ist das anders. Ich weiß nicht ob es an der zunehmenden Kommerzialisierung von Sportereignissen liegt oder einfach einem mindestens seit 2006 unbehaglichen Gefühl. Wenn ich mir heute Sportereignisse ansehe, dann wegen der sportlichen Leistung. Ich will dass der/die Bessere gewinnt, ich will mich über ein schönes Spiel freuen.

So bin ich auch an diese Weltmeisterschaft im Männer-Fussball herangegangen. Na gut, seitdem England ausgeschieden war ;-). Die Mannschaft des DFB hat wirklich guten Fussball gespielt, meistens jedenfalls. Und insofern haben die Spieler auch völlig verdient den Weltmeistertitel gewonnen.

Was mich tatsächlich erschreckt hat war der Grad an „wir“ der sich auftat. Natürlich nur beim Männerfussball. Der Frauenfussball ruft diese Emotionen nicht hervor. Nach dem Finale twitterte ich gestern Abend:

„da haben nun fussballspieler gewonnen, nicht ganz zu unrecht. `wir`haben damit nix zu tun, d.h. `wir`sind nicht weltmeister geworden.“ 

Nichts besonderes. Jede/r kann sich, wenn er/sie mag, über die sportliche Leistung freuen, er/sie muss sie nur nicht zu einer eigenen Leistung machen. Doch offensichtlich geht es vielen gar nicht um Fussball und Sport, sondern um andere Dinge. Die Antworten auf den Tweet kamen sofort. Es gab Beschimpfungen: vaterlandslose dumme kuh

Und die Aufforderung das Land zu verlassen

woanders hin

Und schließlich noch Enttäuschung, dass ich den Nationalstolz zerstöre. nationalstolz

Und da ist sie dann die Frage: Geht es eigentlich um Fussball und den  Spaß am Spiel oder geht es um Nation, Nationalstolz, eben „wir“. Wer „wir“ sagt, der sagt auch „ihr“. Wer „wir“ sagt, der sagt auch „die“. Das finde ich alles solange unproblematisch, wie es sich um Vereinsfussball handelt (um mal nur beim Fussball bzw. Sport zu bleiben). Natürlich gibt es „wir“, wenn ich in eine Organisation eintrete, denn in einer solchen Organisation sind nicht alle und der Eintritt in sie ist ein bewusster Willensakt. Und natürlich kann eine Mannschaft auf dem Spielfeld oder in einem Stadion von „wir“ reden. 

Das „wir“ bei der Fussballweltmeisterschaft ist aber eben zum Großteil nicht das „wir“ von Vereinsmitgliedern, sondern das „wir“ von Staatsbürger/innen, das „wir“ von Nationen. Staatsbürger/in wird mensch -von den Fällen der Einbürgerung mal abgesehen- aber durch Zufall. Kein eigener Verdienst trägt im Regelfall dazu bei. Dieses „wir“ bezogen auf Staatsbürgerschaft und Nationalstaaten finde ich -vorsichtig ausgedrückt- problematisch. Denn Staatsbürgerschaften und Nationen grenzen Menschen aus. Staatsbürgerschaften und Nationen sind Herrschaftsinstrumente. Sie behandeln Menschen eben nicht als Menschen, sondern teilen Menschen ein. Nach denjenigen, die eine bestimmte Staatsbürgerschaft besitzen und deshalb zum „wir“ dazugehören und nach denjenigen die leider draußen bleiben müssen. Eben eine Einteilung in „die“ und „wir“. Staatsbürgerschaften sorgen dafür, dass eben nicht gleiche Rechten und Pflichten für Menschen bestehen, sondern abgestufte. Selbst im Grundgesetz gibt es sog. Deutschen-Grundrechte und sog. Jedermanns-Grundrechte.  Ich glaube ja, dass es Zeit ist das Denken und Handeln in Nationalstaaten und Staatsbürgerschaften zu überwinden. Ein Mensch ist ein Mensch und sollte ohne Rücksicht auf Staatsbürgerschaften als solcher behandelt werden. 

Doch genau das scheint nicht gewollt zu sein. Wenn ich mir die Reaktionen auf den Tweet von gestern ansehe, dann ist der Nationalstaat und das Denken in Staatsbürgerschaften noch tief verankert. Ob es den meisten derjenigen, die so angepisst reagiert haben wirklich um Fussball ging, kann ich nicht beurteilen.

Ich finde ja, dass Sport eine coole Sache ist. Und ich finde, Menschen sollten an Sport ihren Spaß haben. Deshalb habe ich der Jungle World bereits vor dem Finale einen kleinen Kommentar gegeben: 

Das Schöne an der Fussball-WM ist, dass frau im Regelfall gute Spiele sehen kann. Technik und Taktik überzeugen. »Künstler am Ball« trifft es. Das Schlechte an der Fussball-WM ist die Tatsache, dass sie ein Wettkampf von Na­tionalstaaten ist. Ein Herrschaftskonstrukt wird bestätigt: Millionäre kleistern für wenige Wochen die herrschenden sozialen Unterschiede zu. Eine Alternative für Freunde und Freundinnen des schönen Fußballs, bei dem die bessere Mannschaft gewinnen soll, wäre folgender Vorschlag: Es werden 32 x 16 (oder 18 oder 20) Spieler nominiert, die dann in die 32 Mannschaften gelost werden. So stünde wirklich das Spiel im Mittelpunkt. (…) .

Via Twitter und Facebook wurden Einwände gegen das Losen vorgebracht. Diese sind sicherlich nicht von der Hand zu weisen, insofern wäre ich diesbezüglich für Alternativen offen. Vielleicht besänftigt ja mein Vorschlag all jene, die nun meinen ich wolle ihnen den Spaß am Sport und Spiel nehmen. Im Gegenteil: Ich will den Spaß am Sport und Spiel, nur eben ohne die Verbindung zum „wir“ als Nationalstaat. 

119 Gedanken zu „Wir“

  1. die grundsätzliche Idee ist richtig.
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    Die „Alternative“ zur nationalstaatlich organisierten WM gibt es allerdings schon. Die (auf Europa begrenzte) Champions League. Das spielen die Vereine. DORT sind die Spieler schon von den Nationalitäten losgelöst zusammengestellt. DORT handelt es sich auch nicht nicht um DIE Millionäre, sondern um andere Millionäre.
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    Das Ergebnis bleibt das gleiche. Brot und Spiele! – Und zwei der ranghöchsten Repräsentanten der Bundesrepublik herzen sich mit den Spielern vor der Kamera.
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    Auch innerhalb des Landes ist das Zugehörigkeitgsgefühl bei den Vereinen. Das Zugehörigkeitsgefühl ist meistens genauso zufällig, wie die Staatsbürgerschaft. Geburt und Schulzeit in einer Stadt bestimmt die Präferenzen.
    Leider ist auch dieses Zugehörigkeitsgefühl teilweise mit Gewalt verbunden.
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    Wesentlich irritierender fand ich das Interview unseres Bundespräsidenten, der sich in einem Zustand zwischen präsidialer Zurückhaltung und gefühlsbetonter Leichtigkeit befand. Schließlich kam er auf die Kosten der WM zu sprechen und dass es in Brasilien viele Proteste gab.
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    Sein befremdliches Fazit war allerdings, dass es immerhin gut war, dass die Proteste die Veranstaltung nicht gestört haben. Der Eindruck konnte entstehen, dass nach der WM die Proteste gerne wieder beginnen können. *sprachlos*
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    DIESE leichtfertige Äußerung, von eine Mann, der einige Sätze vorher von seinen präsidialen Ansprüchen sprach, reiht sich leider in andere schlecht formulierte und schlecht platzierte Äußerungen ein.

    Die Folgen von Brot und Spiele – wie also jeder einzelne damit umgeht und welche Möglichkeiten er hat, damit umzugehen finde ich wichtiger. Haben „viele“ wirklich eine Wahl?
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    Um „viele“ zu definieren, möchte dazu ich einen Artikel empfehlen, der von Jun 2012 ist:
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/studie-zur-fussballweltmeisterschaft-fussballtaumel-und-fremdenfeindlichkeit-1.893255
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    Er beschreibt ganz gut, wie die angespannten wirtschaftlichen Verhältnisse und die Phantasielosigkeit der deutschen, europäischen und 1. Welt-Politik(-er) selbst in die Mittelschicht durchgreifen und wie diese nach unten durchtreten, um dem Gefühl der eigenen Ohnmacht etwas entgegen zu setzen zu haben.
    Stichwort: „Wer essen will muss arbeiten“, was sich bis zu den H4-Sanktionen durchdeklinieren läßt. Als wenn das Grundgesetz für U-25 oder U-18 nicht gelten würde.
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    Zum Schluß ein Zitat, dass passt:
    „Nicht ärgern über „Deutschland“-Rufe! Für viele ist es eine tolle kognitive Leistung zu wissen, in welches Land sie zufällig hinein geboren wurden.“
    (_Nico_Semsrott_)

  2. Jein. Sicher entspricht es der Wahrheit, dass so ein Wettkampf der Nationen auch unsäglichen Chauvinusmus und Nationalismus herausbrechen. Allenortens. Aber am „wir“ kann man das so einfach nicht festmachen. Sicherlich ist das „wir“ identitätsstiftend, was soweit ja nichts Verwerfliches ist, aber es ist auch Teil des normalen Fussballfansprchgebrauchs. Ein Beispiel, ich bin im normalen Leben, abseits internationaler Events, HSV-Fan. Ich bin weder Hamburger, noch HSV-Mitglied, noch überhöhe ich Hamburg in einer chauvinistischen Art und Weise, dennoch spreche ich vom „wir“, von „unseren Jungs“ etc.
    Ich verstehe, was du meinst und die zu erwartenden stumpfen Reaktionen belegen ja auch deine Sichtweise. Aber pauschalisieren bringt auch hier nicht. Denn ich bin vieles, aber sicher weder Nationalist, noch Chauvinist oder ähnliches.

  3. Die zitierten Reaktionen auf deinen Tweet sind natürlich bescheuert und dokumentieren in gewisser Weise, dass du mit dem Grundansatz deiner Kurzbotschaft einen richtigen Kern getroffen hast. Im Grunde finde ich ja, dass es eine Menge gute Gründe gibt, sich mit der DFB-Auswahl über den Gewinn des WM-Titels zu freuen: Da haben viele Menschen über einen langen Zeitraum auf ein Ziel hingearbeitet, haben trotz mitunter heftiger öffentlicher Kritik an sich geglaubt, haben echten Team-Geist bewiesen, zwischendurch sogar richtig guten Fußball gespielt und in der Stunde eines ihrer größten Siege – nach dem 7 zu 1 gegen Brasilien – eine menschliche Größe gezeigt, dass eigentlichen jedem Sportler und jeder Sportlerin das Herz aufgehen musste – nein, ich bin (nicht nur beim Männerfußball) ganz bestimmt nicht immer für die deutschen Mannschaften, schon gar nicht aus Prinzip, doch dieses Mal habe ich mich wirklich mit ihr gefreut. Aber Stolz? Möge mal jeder selbst prüfen, wie er sich fühlt, wenn er stolz ist. Ich empfinde Stolz als statisch, hart, abgrenzend. Für Nationalstolz gilt das erst recht. Theoeretisch und praktisch. Deswegen finde ich es auch grundsätzlich richtig, das Konzept von Nationalstaaten kritisch zu hinterfragen. Wenn Menschen hierauf derart aggressiv reagieren, hängt dies nach meinen Erfahrungen oft damit zusammen, dass sie über die Identifizierung mit dem Nationalstaat (bzw. dessen Nationalmannschaft) eine Möglichkeit sehen, ein Bedürfnis nach Heimat, Identität und Geborgenheit auszuleben. Eine der größten politischen Herausforderung heute besteht meines Erachtens darin, diese Bedürfnisse einerseits als legitim anzuerkennen, aber andererseits den Boden, auf den sie treffen, so aufzubereiten, dass hierauf etwas friedlicheres und einladenderes wachsen kann als ein ’schlandweites Hupkonzert mit nationalen Schlachtgesängen.

  4. Losen? Wozu?

    Wenn gewollt, könnte die FIFA die Nationalmannschaftsturniere einfach abschaffen und dem Clubfußball die überragende Rolle einräumen. Dazu müssen UEFA Champions League und FIFA Club WM nur seltener, im jetzigen FIFA WM und UEFA EM Turnus ausgetragen werden.

    Aus spieltechnischer Sicht, ist die Champions League eh das beste Turnier. Die stärksten Spieler aller Nationen werden von den Clubs nach Europa geholt, wo sie dann die ganze Saison zusammen trainieren. Die Nationalmannschaft trifft sich nur drei- viermal im Jahr. Spieler wie Júlio César, die ihren Zenit ganz klar überschritten haben, stehen auch nicht im Champions League Halbfinale. Die brasilianische Nationalmannschaft hat aber keinen besseren Torwart.
    Beispiele von falscher, ganz schlechter Taktik und „Amateur-Schiedrichtern“ (frei nach Urs Meier) könnte ich auch anbringen.

    Mir ist dieses wir-haben-gewonnen auch unbehaglich. Zu schnell wird auf Grund von Klischees und Nation beleidigt. Beim private-viewing gestern musste ich fast brechen, als ein Freund meinte: „Der Spaghettiesser ist doch eh Pro-Argentinien. Hey ich habe nicht Fresser gesagt.“.

    Also mehr Konzentration auf den Clubfußball.

  5. Find etwas bedenklich, dass sie an drei hoffentlich exemplarischen tweets direkt eine substanzielle Menge ausmacht. „Doch offensichtlich geht es vielen gar nicht um Fussball und Sport, sondern um andere Dinge.“ Vielleicht hätte sie mal eine Relation erstellen sollen, wieviel der Tweets tatsächlich in ihre kritisierte Kerbe reinschlagen. So kann es sein, dass es tatsächlich nur die drei waren, oder doch 99%.

    Außerdem erschließt sich mir ihre Argumentation nicht bzgl eines willentlichen Beitrittes in eine Organisation, wo ein „wir“ in Ordnung sei. Einer Nation kann ich doch auch „beitreten“? Ich kann die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen und sogar für die Nationalmannschaft spielen – willentlich. Ich kann auch willentlich der Organisation (bzw. dem Staat) austreten.

    Ich stimme Ihnen zu, dass man nicht stolz drauf sein kann ‚Deutscher‘ zu sein nur weil man hier geboren wurde, ist alles Zufall. Finde ihre Annahme von disjunkten Mengen von Nationalitäten auch aber überholt (zumindest die gefühlte Zugehörigkeit). Wir sind doch so Multi-Kulti, viele haben mehrere Herkünfte in der Familiengeschichte, da gibt es kein „Wir“ und „Ihr“. Keiner wird beim mitfeieren des WM-Titels nach dem Ausweis gefragt, jeder der sich mit Fußball(!)-Deutschland identifizieren kann, kann und soll das auch tun.

    Die Jedermanns-Grundrechte und Deutschen-Grundrechte sollte man auf Sinnhaftigkeit vielleicht überprüfen. Nur würde man alle Deutschen-Grundrechte auf Jedermanns erweitern, dann würden sich die Menschen in Europa doch in dem Staat sammeln, der die besten Lebensbedingungen liefert? Ihre geforderte Abschaffung dieser Abstufung ist mMn nur mit einer EU-Nation möglich. Ist aber auch nur eine These die ich nicht weiter untermauern kann – daher eher als Denkanstoß zu verstehen.

    Im sportlichen Sinne geht es bei der WM natürlich bei den Spielern um ‚die‘ und ‚wir‘. Man muss sich, dass ja als eine Repräsentantenauswahl des Fußballs der Nationen sehen. Die Mischung haben wir in den Klubs, die Vertetung der eigenen Nation und auch (Fußball)-Kultur bei EM und WM.

  6. Halina,

    dies Debatte ist etwas zu abgehoben. Aus „Westdeutscher“ Sicht kann ich Dir nur sagen: Nationale Identifikation kann auch immer über den Sport erfolgen. Es ist ein gesellschaftliches Problem, dass EINZELNE das nationalistische dabei überbetonen und den Sport als Kriegsersatz nutzen. Viele meiner ausländischen Freunde können allerdings auch nicht nachvollziehen, warum die Deutschen auch heute noch ein so verkrampftes Verhältnis zu ihrem Staat und ihren Landsleuten haben. Wenn sich zwei Brasilianer im Ausland treffen, freuen sie sich und gehen auf einander zu. ist das bei Deutschen der Fall, verstecken sie sich vor einander, weil jeder der einzige an diesem nur Insiidern bekannten Platz sein möchte. Ich habe bis zur Wiedervereinigung auch kein „deutsches“ Gefühl entwickeln können. Aber wenn ich sehe, was die Menschen in den vergangenen 25 Jahren vollbracht haben, kann ich gut damit leben Deutscher zu sein. Man kann schließlich auch im persönlichen Kontakt dafür sorgen, das Bild der Deutschen im Ausland zu revidieren und sich trotzdem über den gestrigen Sieg freuen….

  7. Sehr geehrte Frau Wawzyniak,

    aus Ihrer Sich kann ich Ihre Bedenken sehr wohl verstehen. Ich glaube allerdings dass es Ihnen auch an Verständnis gegenüber UNS Fußballfans fehlt. Zuerst geht es meiner Meinung nach beim Sport um den Erfolg und nicht um das schöne Spiel. Ich sage Ihnen ehrlich, wenn die Nationalmannschaft den Titel mit dreckiger Spielweise geholt hätte, wäre das mir auch egal. Wie Herr Löw gesagt hat, am Ende muss man das Turnier gewinnen. Der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“ zählt nicht. Wenn ich irgendwo mitmache, gebe ich mein Bestes um zu gewinnen. Sollten die anderen besser sein, gut, dass muss ich akzeptieren. Aber solange ich dabei bin unternehme ich alles (legal) um zu gewinnen. Und natürlich identifiziere ich mich mit den Menschen, mit dem Verein, mit dem Land.
    Zuerst bin ich glücklich in Deutschland geboren zu sein. Es hätte schlimmer kommen können, z. B. Österreich ;-). Aber natürlich bin ich als Deutscher stolz darauf was meine Vorfahren, meine Mitmenschen hier in diesem Land erreicht haben. Ich glaube Sie trennen nicht zwischen Patriotismus und Nationalismus. Patriotismus ist der Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, hier dem Land. Man stellt sich nicht über andere. Das ist der Fall beim Nationalismus. Und wenn Sie immer noch ein schlechtes Gefühl haben, ich bin der Meinung die ganze Fahnenschwenkerei, Hymnen mitsingen usw. ist nur dem Event geschuldet. Ich nenne das ganze gerne Feier-Patriotismus oder Event-Patriotismus. Nach dem Gewinn des Titels hält das vielleicht länger an, aber in 6 Wochen spricht kein Mensch mehr davon. Ich rate eh zu einem gelassenen Umgang mit unseren staatlichen Symbolen. Und zu Ihrer These das es Zeit es die Nationalstaaten und Staatsbürgerschaften zu überwinden. Zuerst führt das mittelfristig zu den Vereinigten Staaten von Europa. Da ist ja Ihre Partei dagegen. Außerdem muss das Individuum wissen wo es herkommt. Wir als Herdentier benötigen ja einen Bezug um uns im Verhältnis zu den anderen zu definieren. Wenn wir wissen wo wir herkommen, stellen wir fest was uns von den anderen trennt bzw. was uns mit anderen eint. Dann können wir daran gehen diese Unterschiede zu überwinden, wenn wir wollen. Ich bin aber der Meinung ein bisschen Unterschied schadet nicht. Und diesen Unterschied zeigen in Form von landestypischen Trachten, Dialekt, Fahnen usw. schadet nicht. Es befördert nur die Konkurrenz zu einander und die belebt die Weiterentwicklung.
    Kurz gefasst; WIR ist gut. Denn WIR SIND EIN VOLK! Ich glaube das dürfte Ihnen bekannt vorkommen.

  8. Hallo,

    Hier spricht man mir regelrecht aus der Seele danke für den Blogbeitrag…

    Beste Grüße

    R.Baust

  9. Liebe Halina,

    vielen Dank für diesen Text. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass selbst in unserer Partei dieser Nationalismus während der WM zwar nicht unbebingt geteilt, aber doch von einigen relativiert wird. Das auch diese Form des „Fußball-Nationalismus“ Herrschaftsmechanismen legetimiert und festigt, wird nicht gesehen oder wie gesagt relativiert.

    Ich finde du hast einige Sachen sehr gut auf den Punkt gebracht. Vielen Dank!

    Solidarische Grüße,
    Kerni

  10. Pingback: Anonymous
  11. „Patriotismus ist der Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, hier dem Land.“
    aber worauf denn stolz sein? auf die zufälligkeit zu einer gruppe zu gehören? und was ist mit denen die nicht dazugehören.

    „Zuerst führt das mittelfristig zu den Vereinigten Staaten von Europa. Da ist ja Ihre Partei dagegen.“
    ich hätte nichts gegen vereinigte staaten von europa 🙂

    „Wir als Herdentier benötigen ja einen Bezug um uns im Verhältnis zu den anderen zu definieren. Wenn wir wissen wo wir herkommen, stellen wir fest was uns von den anderen trennt bzw. was uns mit anderen eint. Dann können wir daran gehen diese Unterschiede zu überwinden, wenn wir wollen.“
    naja, ich finde wir sind alle menschen und als solche sollten wir uns begegnen, nicht aufgrund der zufälligkeit des geburtsortes 🙂

  12. Hallo Frau Wawzyak! Herzlichen Glückwunsch zum mit Abstand schwachsinnigsten Beitrag zum Thema Fußball WM.

    „Ich will den Spaß am Sport und Spiel, nur eben ohne die Verbindung zum “wir” als Nationalstaat. “

    Wo bitte ist ihr Problem mit dem „Nationalstaat“. Haben sie eigentlich die WM verfolgt?
    Der „Nationalstaat“ Deutschland hat den Nationalstaat Brasilien fertig gemacht. Die haben die auseinandergenommen. Und dann?

    Dann haben die Spieler des „Nationalstaates“ Deutschland die Brasilianer getröstet. Sie in den Arm genommen. Ihnen Mut zugesprochen. Weil die im Gegensatz zu ihnen wissen, dass es sich dabei um SPORT handelt.

    Ist das also etwas Negatives? Nein, es ist sogar etwas Positives. Die Büger des „Nationalstaates“ Brasilien haben das Verhalten der Spieler des „Nationalstaates“ Deutschland sehr, sehr positiv aufgenommen. Es kam zur Art Völkerverständigung durch den Fußall.

    Auch wenn es ihnen nicht passt: Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat unendlich viele positive gesellschaftliche Entwicklungen vorangetrieben. Spieler wie Özil, Boateng oder Khedira in der Nationalmannschaft haben die Integration von Migranten vorangetrieben. Im Eiltempo. Stellen sie sich das mal vor: Gestern waren in der stadt türkischstämmige und Farbige Deutsche die sich gefreut haben, dass „wir“ Weltmeister geworden sind. Sowas wird nicht durch irgendwelche sinnfreien Papiere der LINKEN oder anderer erreicht. Zu sowas ist nur der Fußball und die deutsche Nationalmannschaft im Stande. UNSERE Nationalmannschaft.

    Dass sie das nicht verstehen können liegt natürlich daran, dass sie in der DDR sozialisiert wurden – das ist nicht negativ gemeint, es ist aber Fakt. Da gab es kein „wir“-gefühl, weil es in dieser staatsform nicht entwickelt werden kann. sie sollten aber lernen, dass dieses „wir“-gefühl eine sehr positive und erstrebenswerte sache ist. sie sind ja keine soziologin oder psychologin, aber lesen sie da mal ein bisschen was zu. bilden sie sich auf diesem gebiet weiter, damit auch sie beim nächsten turnier mit stolz sagen können „WIR haben großes geleistet“.

  13. hallo martin,

    warum gleich mit „schwachsinnig“ kommen, wenn es doch auch sachlich geht? worin mein problem mit nationalstaaten besteht, habe ich versucht deutlich zu machen. vielleicht kommen wir da nicht auf einen nenner, aber das problem ist m.e. benannt. und meine ddr-sozialisation bringt es mit sich, dass ich dieses „wir“-gefühl hatte, aber mittlerweile überwunden habe. ich habe ein „wir“ gefühl, wenn ich mit freunden zusammen bin. ich habe das „wir“ gefühl, wenn ich es schaffe mit den roten socken gemeinsam fussball zu spielen. aber dieses „wir“-gefühl aufgrund einer nationalität oder staatsbürgerschaft, das habe ich tatsächlich nicht.
    das heißt ja nun nicht, dass sich die fussballer nicht freuen sollen, im gegenteil, es sei ihnen gegönnt. wegen mir soll sich auch jede/r andere freuen: weil er/sie spieler sympathisch findet, weil er/sie findet die mannschaft hat es verdient oder warum auch immer. er/sie soll es aber nicht zu seinem/ihrem eigenen erfolg machen und es ins nationale wenden. um nichts anderes geht es.

  14. Ich finde diesen Post erschreckend eindimensional und kurz gedacht.

    Zunächst ist diese
    „Wir haben die WM nicht gewonnen, sondern nur Fußballspieler und wer wir sagt, sagt auch die“ ein sehr scheinheiliges Strohmannargument. Wenn Sie das Thema nicht durch ihre eigene Brille sehen würden, um es dann für die eigenen politischen Ansichten zu instrumentalisieren, würde ihnen auffallen, dass große Sportevents wie die WM oder auch die Olympischen Spiele Nationen zusammenbringt anstatt diese zu spalten.

    Natürlich ist es ein Wettkampf und es geht darum, andere zu schlagen, und die beste Mannschaft/ Nation zu werden. Es ist aber ziemlich traurig, dass sie den Bürgern da draußen nicht zutrauen zwischen „wir haben die WM gewonnen“ und „wir sind ein besseres Land als alle anderen“ zu differenzieren.

    Natürlich hat Deutschland die WM gewonnen und kann sich folgerichtig auch Weltmeister nennen. Die Spieler spielen ja auch nicht für sich, sondern repräsentieren Deutschland. Würden die Teams keine Nationen repräsentieren, gäbe auch auch keine Fans und ohne Fans wäre das Turnier schlichtweg überflüssig.

    Mannschaften zusammenzulosen ist das dümmste, was ich je gehört habe. Die Spieler müssen sich kennen, damit das Spiel überhaupt ansehnlich ist und Teams kann man nicht einfach so zusammenwürfeln. So ein Vorschlag kann nur von jemandem kommen, der entweder die Essenz des Spiels nicht versteht, oder der nur versucht, ein Argument aus einem gänzlich anderen Grund vorzuschieben.

  15. Durch und durch antideutsch die „Gute“.

    Wie wäre es eigentlich werte Frau Wawzyniak, wir werfen Anlaog zu Ihrem „grandiosen“ 32 x 16 Vorschlag, Ihre „Diäten“ und die Gehäler von wahllos über den Alex flanierenden Bürgern und verteilen den Durchschnitt dann an die Teilnehmer. Aber noch gerechter wäre natürlich die Einbeziehung der Löhne und Gehälter von Leuten in anderen Städten und Dörfern auf dieser Welt. usw.

    Es gibt wirklich Leute die nicht mitbekommen, dass solch Spiele trotz nationaler Gefühle zu Freundschaft und Verständigung untereinander beitragen. (schön zu sehen gerade bei dieser WM)

    Das es eine kommerzielle und beinahe unerträgliche Diskrepanz zwischen den Bezügen der Profis und den durch ihre Fanliebe das ganze finanzierenden Kleinbürger gibt, ist eine ganz andere Geschichte. Aber sowas beachtet eine „Linke“ antideutsche wie du natürlich nicht!

    Auch wenn du einen kleineren Vogel (…) abschießt. Ihr passt wirklich perfekt zusammen.

  16. lieber jens,
    ich glaube des pudels kern liegt im vorletzten absatz. wieso braucht mensch eine nationalmannschaft um fan zu sein? sie haben sicherlich recht, dass alle sportlichen großereignisse in form von wettkämpfen der nationen ablaufen. genau das ist aber mein problem.
    was den letzten absatz angeht, kenne ich die kritik und kann ihr sogar etwas abgewinnen. deswegen bin ich ja für alternativen offen. einige hier schlagen ja quasi die clubmannschaften als alternative vor. das finde ich bedenkenswert, aber noch nicht überzeugend. vielleicht kann mensch ja, um das zusammenspielen argument ernst zu nehmen, die auslosung über einen längeren zeitraum vornehmen, so dass die spieler sich und ihr spiel kennen.

  17. Ich halte es da mit Schopenhauer:

    Die wohlfeilste Art des Stolzes ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt.

  18. liebe klaudia,

    was meinst du mit „Gehäler“?
    ihren vorschlag zur verteilung von gehältern, sollten sie den meinen, finde ich auf der einen seite sehr interessant. mir persönlich würde das nichts ausmachen. ob dies allerdings mit der hart (vor allem von der arbeiterbewegung) erkämpften finanziellen unabhängigkeit von abgeordneten noch wirklich konform geht, das ist eine andere frage. die frage der gehälter muss generell gestellt werden. mindestlohn und höchstlohn wären da stichworte.
    die frage des verhältnisses von millionengehältern und sie finanzierenden fans ist im übrigen im statement in der jungle world enthalten. ihren letzten absatz habe ich etwas verändert, sie wissen ja, der hat nichts mit dem blogbeitrag zu tun und das wird -siehe nettiquette, die nur anders heißt- nicht mehr toleriert.

  19. Der Beitrag kommt mir etwas verkopft und nicht so ganz informiert vor.

    Ich zitiere mal aus Wikipedia: „… In Deutschland ist der nationale Fußballverband der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der mit sechs Millionen Mitgliedern nicht nur der mitgliederstärkste Fußballverband, sondern auch der größte Sportverband weltweit ist. … “

    Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der alten und neuen Bundesrepublik ging eben auch in Deutschland eine zunehmende Professionalisierung der Sport- und eben auch der Fußballvereine einher, ohne dass der Amateursport und -fußball dadurch abgeschafft wurde.

    Die Gagen für Spitzenspieler bilden eben auch die dahinterstehenden Vereine ab, die regelrechte Konzerne sind, wie man am Beispiel des FC Bayern und ähnlicher Vereine der Fußball-Geld-Liga gut zeigen kann.

    Die Fußball-Weltmeisterschaften sind ja nun mal eben keine Olympiaveranstaltungen, sondern sozusagen der krönende Abschluß ’nationaler Mannschaften‘, deren Mitglieder jeweils aus den Spitzenvereinen ausgewählt und zusammengestellt wurden und werden.

    Sicherlich wird da auch etwas inszeniert. Wer mal Masse und Macht von Canetti gelesen hat, versteht etwas mehr vom Menschen und seinen Verhaltensweisen in der Masse. Insbesondere in Zeiten der weltweit verbreiteten Massenkommunikationsmittel. Wir kennen ja nun seit Jahrzehnten eben mal auch keine andere Welt mehr, außer, wir sind in Ländern oder Landstrichen, wo es so etwas nicht gibt. Was seit den Tagen des Sputnik immer seltener wird.

    Gegenwärtig sind wir ja schon vom olympischen Ideal, was im Laufe der Zeit korrumpiert wurde, schon ordentlich weit entfernt. Noch weiter entfernt sind wir allerdings von einer grenzenlosen und einheitlichen Menschengemeinschaft. Das hat anthropologische, psychologische, ideologische als auch politisch-wirtschaftliche Gründe.

    Vielleicht stellt das ja die ganze Sache vom Kopf auf die Füße.

  20. Selten so einen Schmarrn gelesen!
    Ihre Vorschläge sind so realitätsfremd wie das meiste, das aus Ihren Reihen kommt!

  21. Die Menschen werden sich ihren Nationalstolz nicht ausreden lassen, mag er noch so dumm und gefährlich sein. Das gleiche gilt leider für Religion. Es scheint ein tief verwurzeltes psychologisches Phänomen zu sein, das Menschen nach der Zugehörigkeit zu einer großen Masse streben. Da scheinen auch die vielen historischen und gegenwärtigen Beispiele, wohin uns dieser irrationale Wahn immer wieder treibt, kaum etwas zu bewirken. Es ist wie eine ansteckende psychologische Krankheit. Wie leicht sie einen befällt, sehe ich an mir selbst, wenn ich mich entgegen jeden Verstand freue, wenn „Deutschland“ beim Fußball gewinnt. Mein Verstand wehrt sich dagegen, weil er weiß, dass diese Emotionen von den Herrschenden mißbraucht werden und schon immer mißbraucht wurden. Mein Herz freut sich über die Freude meiner Mitmenschen.

    Das Problem ist das falsche Kollektiv, die Volksgemeinschaft. Wer ist es denn, der diese Emotionen mißbraucht? Es ist die herrschende Klasse. Und warum rede ich von Mißbrauch? Weil die herrschenden Klasse gegen unsere Interessen handelt. Die Grenzen verlaufen nicht zwischen den Ländern, sondern zwischen oben und unten. Die Idee der Volksgemeinschaft, der Nationalismus und auch der nationale Fußball dient immer dazu die vorhanden Interessensunterschiede der Klassen zu überdecken. Leider wird das heute kaum noch verstanden, weil es kein Klassenbewußtsein mehr gibt.

    Klassenbewußtsein entwickelt sich nur im Kampf gegen die Verhältnisse.
    Meine Solidarität gilt den Menschen, die sich in Brasilien gegen diese WM gewehrt haben, den Menschen in Gaza, von denen wahrscheinlich gestern in jeder Finalminute einer ermordet wurde und Milliarden Menschen, die überall an den Rand gedrängt um ihre Existenz kämpfen (auch hier in Deutschland).

    In diesem Sinne, hoch die internationale Solidarität.

  22. Dieser Beitrag kommt mal wieder aus einer rein politischen Sichtweise.

    Warum sagen wir den „Wir“ haben gewonnen? Nunja, wir UND die Nationalmannschaft bezeichnen uns als der 12. Mann. DIese Mannschaft spielt nicht nur für sich sondern auch für alle Menschen in Deutschland! Manuel Neuer hat selbst gesagt, Deutschland ist Weltmeister! Ich zähle mich zu Deutschland und bin somit Weltmeister! Ich habe keine Sportliche Leistung erbracht, aber mit dem kauf von Fan-Artikeln und der Tickets, sowie dem kauf von waren, die durch Werbung der Spieler ermöglicht worden ist, bezahle ich ein Teil des Gehaltes jedes einzelnen Spielers! Der Spieler liefert eine Dienstleistung und ich bezahle dafür!

    Warum sollte ich mich dann nicht als Weltmeister sehen? Als Weltmeister der Stundenlang mitgefiebert, mitgejubelt und mitgeweint hat!

    Nationalstolz und Patriotismus auf Gefühlsebene!!! Ich sah Deutsche die mit allen Fans der anderen Mannschaften feierten! Sich die Hand gaben und sich gegenseitig beglückwünschten!

    Mit dieser (Ihrer) Meinung übertreiben sie Maßlos und ziehen die Menschen ins lächerliche!

    Die Linke hat nicht ohne Grund sowenig Rückhalt im Volk!

  23. Liebe Halina,

    vielen Dank, du hast sehr schön beschrieben was sehr schwierig ist in Worte zu fassen. Sich vom deutschnationalen „wir“ zu distanzieren ohne dass sich „wir“-Anhänger persönlich angegriffen fühlen scheint leider unmöglich. Der Kommentar von @Paul gefällt mir auch gut.

    Gruß,
    Petra

  24. Kann es sein, Frau Wawzyniak, dass Sie den Lesern Ihres Blogs diesen Beitrag erspart hätten, wenn statt Deutschland das von Ihnen bevorzugte England Weltmeister geworden wäre?

  25. Sehr geehrte Frau Wawzyniak,

    soso, Sie wollen also den Nationalstaat überwinden bzw. abschaffen…!?
    Sie wissen schon, dass das im Kern eine nationalsozialistische (sic) Idee ist? Nein, wissen Sie nicht? Dann sollten Sie sich vielleicht mal mit den historischen Fakten befassen, bevor Sie so einen Unfug posten.
    Vielleicht hilft Ihnen ja eine kleine Nachhilfestunde: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/europaeische-union-hat-der-nationalstaat-wirklich-ausgedient-12932963-p5.html
    Na, vertreten Sie immer noch diese unsägliche Position?

    Hochachtungsvoll
    Alexander Wildförster

  26. Liebe Halina Wawzyniak Sie schreiben mir aus der Seele. Da rennen elf Bubis in kurzen Hosen durch die Gegend und ein Land dreht (fast) kollektiv durch. Ich persönlich kann mich weder mit den elf Bubis, mit deren Trainer oder dem Verband identifizieren. Zu diesem „wir“ zähle ich mich ganz bewusst nicht dazu. Denn zu diesem „wir“ gehört eine gehörige Portion Arroganz, Ignoranz, Steuerhinterziehung, Geschäftemacherei auf Kosten anderer und soziale Ignoranz. Auf der einen Seite lassen Firmen wie adidas und Co in Billigstlohnländern unter unsäglichen Arbeitsbedingungen fertigen auf der anderen Seite „sponsort man (steuerlich sauber absetzbar) ein paar Bolzplätze um das soziale Gewissen zu befriedigen udn eine gute Presse zu bekommen. Funktionäre verschachern die WM an den höchstbietenden – die politischen und sozialen Bedingungen im Gastgeberland sind egal. Bei Olympia, zumindest den Winterspielen, setzt in gewissen Regionen schon ein Umdenken ein. Gott sei Dank. Aber Fussball scheint bei uns immer noch das Denken vieler auszuschalten. Leider. „Wir“ sind Weltmeister? Ganz bestimmt nicht, zumindest ich will nicht zu diesem gegenüber anderern Nationen überheblich reagierenden „Wir“ gehören. „Wir“ das sind elf überbezahlte und abgehobene Millionaros die den Kontakt zur normalen Welt schon lange verloren haben. „Wir“ – da will ich gar nciht dazugehören. Obwohl ich gerne Fussball schaue.

  27. lieber firewolf30,
    in ihrem kommentar ist sicherlich viel wahres. dennoch finde ich, dass denjenigen die gespielt haben durchaus gratuliert werden kann. sie haben sich in einem wettkampf den sieg verdient. die rahmenbedingungen, die sie beschreiben, finde ich ebenso wie sie, falsch. aber das kritisiere ich auf einer politischen ebene. den sportlichen sieg aber finde ich können die unterstützer/innen und spieler durchaus feiern.

  28. “Patriotismus ist der Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, hier dem Land.”
    „aber worauf denn stolz sein? auf die zufälligkeit zu einer gruppe zu gehören? und was ist mit denen die nicht dazugehören.“

    Ich und auch Sie können stolz darauf sein, was die Menschen bisher in diesem Land geschaffen haben, z. B. den friedlichen Fall der Mauer. Nochmal Sie haben den entscheidenden Teil leider weggelassen. Zuerst bin ich froh und ich glaube viele andere auch, in Deutschland leben zu können; in einem Land mit hohen Lebensstandard. Und Stolz kann ich auch empfinden auf die Leute die vor mir da waren und etwas geleistet haben. Ich weiß schon, Sie wollen darauf hinaus, dass Patriotismus andere Menschen ausgrenzt. Das wäre aber nur bei Staatenlosen so. Jeder Mensch besitzt eine Staatsbügerschaft, Personalausweis, Identitätskarte eines Staates. Manche sogar zwei. Und zu einer bestimmten Gruppe gehört jeder. Ob man das Familie nennt, Fraktion oder andere Dinge. Außerdem habe ich kein Problem wenn ALLE den Weltmeistertitel mit UNS feiern.

    “Zuerst führt das mittelfristig zu den Vereinigten Staaten von Europa. Da ist ja Ihre Partei dagegen.”
    „ich hätte nichts gegen vereinigte staaten von europa“ Das ist schön zu wissen.

    “Wir als Herdentier benötigen ja einen Bezug um uns im Verhältnis zu den anderen zu definieren. Wenn wir wissen wo wir herkommen, stellen wir fest was uns von den anderen trennt bzw. was uns mit anderen eint. Dann können wir daran gehen diese Unterschiede zu überwinden, wenn wir wollen.”
    „naja, ich finde wir sind alle menschen und als solche sollten wir uns begegnen, nicht aufgrund der zufälligkeit des geburtsortes“
    Der Homo Sapiens gehört zur Gattung der Säugetiere. Aufgrund unserer Entwicklung ist ja noch ein Programm hinterlegt, dass uns das Überleben in der Wildnis sichern soll. Dazu gehört der Zusammenschluss in Herden um uns vor den Raubtieren zu schützen. Diese Tatsache spricht uns aber ja nicht die zivilisatiorischen Errungenschaften ab. Ich bin aber der festen Meinung, dass jeder von uns wissen muss wo er herkommt, wie ihn die Umgebung beeinflußt hat, was wir gemeinsam haben und was uns trennt. Wenn da klar ist, können wir das Trennende überwinden, was aber nicht zu einem Einheitsbrei werden soll. Der Geburtsort ist einfach prägend. Und nochmal empfehle ich Ihnen einfach ein bißchen unverkrampter mit dem ganzen Thema umzugehen. Wenn ich es in politische Lager einteile; Rechts und Links gibt es Menschen deren Äußerungen man nicht zu ernst nehmen sollte.

    Noch eine Frage; Haben Sie Bundestag Gewissensbisse wenn Sie bei der Eröffnung die Nationalhymne singen? Wenn Sie den Nationalstaat als Orginsationsform ablehnen sind Sie meiner Meinung nach an der falschen Stelle. Dann müßten Sie ja ins Europaparlement. Oder ist es Ihr Plan die Institutionen des Nationalstaates zu nutzen um diesen abzuschaffen?

  29. @stefan,
    ich habe es bewusst im blogbeitrag nicht angesprochen, aber wenn sie hiermit anfangen „Und Stolz kann ich auch empfinden auf die Leute die vor mir da waren und etwas geleistet haben“, dann muss ich darauf hinweisen, dass die leute die vor dir da waren zwei weltkriege und den holocaust zu verantworten haben.

    und ich will ja auch keinen individualismus pur. natürlich braucht jede/r bezugspersonen bzw. -gruppen und auch sowas wie heimat. aber die gruppen/personen sind eben unabhängig von staatsangehörigkeiten und heimat ist für mich der ort wo ich mich wohlfühle. das kann meine wg sein oder der ort wo ich richtig entspanne. der muss dann auch nicht zwingend in deutschland sein.

    ich singe die nationalhymne nicht, wie ich auch generell versuche zu vermeiden auf geheiß in gruppen zu singen. deswegen verweigere ich mich ja auch der internationale auf parteitagen :-). im bundestag versuche ich zunächst mal die situation der hier lebenden, unabhängig von stastsbürgerschaft und status (asylsuchend, geflüchtet, illegalisiert) zu verbessern. und wenn ich nebenbei dafür sensibilisieren kann, dass das denken in staatsbürgerschaftskategorien in frage gestellt wird, habe ich schon viel erreicht. mir ist schon klar, dass es bis zur überwindung von nationalstaaten noch ein weiter weg ist.

  30. @Firewolf30

    Natürlich können bei solchen Spielen eben nur junge, gut trainierte und durchtrainierte Männer spielen. Wer schon mal mit 30 oder mehr Jahren als Altherrenfußballer ein wenig gekickt hat, weiß, was da abgeht.

    Die jungen Männer als ‚Bubis‘ abzutun sagt ein wenig mehr über den Schreiber aus, als über die Beschriebenen. Von einem 20-25-30 Jährigen verlangt man auch im ’normalen Leben‘ nicht die Reife und Erfahrung eines Mitvierzigers/Mitfünzigers oder gar die Weitsicht und Abgeklärtheit eines wachen und bewußten 60-70 Jährigen.

    Die meisten Fußballer begannen und beginnen ihren Weg zum sportlichen wie finanziellen Erfolg ja meist schon im frühen Kindesalter, also mit 4-6 Jahren. Wer dann mit 21 oder mehr Jahren an einer Fußballweltmeisterschaft teilnehmen darf, hat schon einiges geleistet und häufig wohl auch seine Gesundheit riskiert. Wer dann mit 30 oder etwas mehr Jahren aufhört zu spielen oder muss, hat hoffentlich etwas erreicht, wovon er dann 30-40 Jahre zehren kann.

    Sicher haben einige heutige Profifußballer in der Bundesliga ordentliche Gagen, das gehört zur Inszenierung von ‚Brot und Spielen‘ aber auch zu der Geschichte vom ‚Tellerwäscher zum Millionär‘, denn die meisten Fußballer stammen aus recht durchschnittlichen Verhältnissen, sonst wären sie Profigolfer geworden. Übrigens wird schon in den Amateurligen fürs Spielen gezahlt, meist indirekt als Aufwandsentschädigung oder sonstige Zuwendung.

    Was der einzelne Fußballer über die Welt und die Politik denkt, behält er in der Regel für sich. Aus gutem Grund: Politik ist schlecht fürs Geschäft. Ausnahmen wie Ewald Lienen sind ja recht selten. Manch ein Profifußballer unterstützt ohne großes Aufheben soziale Projekte, nicht um sein Gewissen zu beruhigen, sondern um zu helfen.

    Der Vorwurf gegenüber den Fußballern, sie hätten den Kontakt zur ’normalen Welt‘ verloren ist daher ein wenig wohlfeil, denn schließlich lebt jeder in seiner Welt und seinen sozialen Verhältnissen.

    Ein John Paulson, US-Hedgefondsmanager, lebt beispielsweise in der Welt der Milliardäre, die durch Spekulationen mehr als 1 Milliarde US-Dollar in einem Jahr einnehmen. Das wäre ein Maßstab für eine wie immer auch definierte ‚Abgehobenheit‘. Aber auch das ist nicht sicher. Warren Buffett als Multimilliardär ist sich seiner Lage sehr bewußt und spricht ganz offen vom Klassenkampf seiner Klasse, der Reichen, gegen die Armen, Verarmten und Armgehaltenen [Lohnabhängige].

    Man kann sich also trotz all dieser Einsichten über den Erfolg der Mannschaft freuen. Und hart gekämpft haben unsere Jungs ja offensichtlich. Der Titel ist ihnen nicht geschenkt worden. Und das Spiel gegen Argentinien war ja nun ein richtiger Knaller, mit einem tollen Abschluß.

    Aus genau diesem Grund werden sie in der Presse gefeiert, weil sie sich ihre Meriten verdient haben. Schließlich ist eine kaptialistische Leistungsgesellschaft ja eine Meritokratie, wo auch die persönliche Leistung und nicht ausschließlich die Herkunft zählt.

  31. @ Halina W.

    „hätte es denn dann ein “wir” gegeben?“

    Klar, aber eben dann in England etwas lauter als anderswo. Geben Sie es d0ch einfach zu. Solange sich der deutsche Erfolg noch nicht so deutlich abzeichnete, war auch für Sie die WM okay. Hätte England gewonnen, was Sie sich ja gewünscht haben, …

    https://twitter.com/Halina_Waw/status/477546735985000448

    hätten wir dort nicht viel anderes erlebt als hier. Dass gerade Sie nun so gegen die WM „motzen“, mag zwar unter „Antideutschen“ gut ankommen. Die anderen werden gerade Sie aufgrund Ihres Twitterns dagegen nicht überzeugen können.

  32. Zur Antwort auf Calls Frage, hier dein: „hätte es denn dann ein “wir” gegeben?“

    ja, in England!

    Hatte ich vorher noch vom kleineren Vogel geschrieben, wird er langsam immer größer. 😀

  33. Vorgeblich gegen Nationalmannschaften sein.
    Und dann Englands Nationalmannschaft die Daumen drücken.
    Antideutsche Dialektik…

  34. Hallo Halina,
    mit deinem Beitrag hast du, wie es scheint, dem einen oder anderen entspannten Patrioten böse aufs Füßlein getreten. Der aggressive Tonfall zeigt, dass es mit ‚entspannt’ nicht wirklich weit her ist bei der Sache, und das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen. Wer es wagt, sich ansatzweise kritisch zur WM-Besoffenheit der letzten Wochen zu äußern oder nüchtern feststellt, dass ihn Fußball leider nicht die Bohne interessiert (jedenfalls nicht mehr als eine Handball- oder Cricket-WM), wird von vielen als irgendwie ‚entartet‘ betrachtet. Bei den meisten erntet man peinlich berührtes Schweigen, bei anderen gilt man recht unverblümt als Vaterlandsverräter. Diese Art von Sportbegeisterung hat für mich den Beigeschmack schmierigen Gesinnungsterrors, ähnlich dem, der meiner Großmutter entgegenschlug, als sie sich 194x weigerte für ‚unsere Jungs im Felde‘ zu spenden. Bezeichnend auch, dass unser Bundespastor, der große ‚Freiheitskämpfer‘, sich in Rio zur Helden-Beküssung eingefunden hat. Eben jener, der uns alle (ja, auch euch, ihr entspannten Fußballpatrioten…) als „glückssüchtig“ beschimpft, weil wir keinen Bock haben, unsere Kinder/Neffen/Nichten für das höhere Interesse der ‚Wirtschaftseliten’ verheizen zu lassen. Und spätestens, wenn in der „Welt“ ein bekennender Neoliberaler wie der Ökonom Thomas Straubhaar das „Sozialkapital“ anpreist, das durch Fußballpatriotismus entstehe, ist für mich der Drops gelutscht. Mandy und Maik mit ihren Schland-Rückspiegelpräsern und den Winkelementen am GTI sind dankbare Opfer einer zugegebenermaßen professionell umgesetzten Verblödungsstrategie; lässt sich doch gut eingebimster Hurra-Patriotismus recht flott vom Spiel- auf das Schlachtfeld übertragen und sei es auch nur das ökonomische: „Wir müssen jetzt alle Opfer bringen, damit wir Exportweltmeister bleiben!“ Umso mehr möchte ich dir danken, dass du offen aussprichst, was eine gar nicht so kleine Minderheit in diesem Land über diesen reichlich verlogenen Hype denkt.

  35. Siege bei sportlichen Großereignissen sind in der Regel immer eine Leistung dessen, der gewonnen hat. Das sollte man einfach zur Kenntnis nehmen und honorieren. Dass eine Fußball WM, übrigens nicht nur bei uns in Deutschland, eine Welle teilweise krankhaften Nationalismus hervorruft, liegt einfach daran, dass er den vielen Menschen, denen im Leben nichts geschenkt wird und die sich in der großen Masse leider keine Gedanken machen, warum das so ist, für ein paar Momente das Gefühlt gibt, Teil etwas ganz Großen zu sein.

  36. @ Halina Wawzyniak

    Sehr geehrte Frau Wawzyniak,
    das war ja zu erwarten, dass Sie mit der Weltkriegskeule und dem Holocaust um die Ecke kommen. Dann fang ich mal an. Ich habe kein gestörtes Gefühl zu meinem Land, weil das damalige Kaiserreich MITverantwortlich (nicht alleinverantwortlich) für den 1. Weltkrieg und eine Generation später das Deutsche Reich den 2. Weltenbrand und systematische Ausrottung von Menschen betrieben hat. Ich als Nachfahre/Nachkomme sehe es als meine Aufgabe und Pflicht zu verhindern, dass so etwas in Deutschland bzw. in Europa nochmals passiert. Mich treibt aber die Befürchtung um, dass unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zur Zeit von Rechtsextremen und Linksextremen gefährdet ist.
    Noch eine kleine Anmerkung zum Holocaust; wenn Sie anscheinend solche Schuldgefühle haben verstehe ich Ihre Kritik am Staat Israel nicht! Einer der Gründe warum dieser Staat entstand war ja auch der Holocaust.

    Der Weg geht sicherlich weg vom Nationalstaat. Aber das wird noch lange, sehr lange dauern. Ziel sollte eine Weltregierung sein. Aber wie im Film ist das Science-Fiction.

    Aber die staatliche Organisationsform hat nichts aber gar nichts mit der Fußball-WM zu tun. Wenn ich hier die Einträge lese, verstehe ich die Welt nicht mehr. Egal bei welcher Sportart, es ist doch toll wenn Menschen die nicht aktiv teilnehmen die Aktiven anfeuern. Ich habe selber Fußball gespielt. Dritt-Niedrigste Liga. Die Zuschauer nur 10 m von einem weg. Das ist toll wenn die einen anfeuern. Marathonläufer an der Strecke usw.!Und die ganze Diskussion über eventuelle rechte Gesinnung; was ist überhaupt rechts? Wenn ich im Stadion die Hymne mitsinge? Bin ich Nationalist? Wenn ich für den Mindestlohn bin, bin ich dann Kommunist? Fazit: Einfach mal entspannter mit den ganzen Themen umgehen.

  37. lieber stefan,

    ich kam bewusst nicht mit der keule, sondern ich reagierte auf deinen einwurf, das du stolz bist auf das was die menschen die vor dir gelebt haben, erreicht haben. es freut mich, wenn wir uns einig sind, dass sowas wie der holocaust nie wieder passieren darf.
    und nun entfernen wir uns ein wenig von der eigentlichen debatte :-(. ich weiß nicht, was sie unter linksextremismus verstehen, ich kann mit diesem begriff nichts anfangen. wie ich in einer rede im bundestag angemerkt habe, wer sachbeschädigungen begeht und physische gewalt anwendet begeht straftaten, soetwas ist meinen augen nicht links.
    das thema israel wäre eines was noch umfangreicher wäre hier zu diskutieren. ich kritisiere israel wenn es was zu kritisieren gibt, das existenzrecht israels steht für mich aber nicht zur debatte.

    ich habe ja selbst leichtathletik gemacht und auch das eine oder andere fussballspiel bestritten (letzteres freizeit spiele). ich finde es auch toll und angenehm, von fans angefeuert zu werden. dagegen habe ich überhaupt nichts. wogegen ich was habe ist, wenn sich ein erfolg von sportler/innen als eigener verbucht wird. und eben -schau dir einmal die kommentare hier an- wenn sich das anfeuern zwingend darauf beziehen muss, dass es die eigene nationalmannschaft ist. wenn ich bei der wm eine andere mannschaft anfeuere, weil ich zum beispiel finde, diese spielt einen besseren fussball oder hat die sympathischeren spieler, wo ist dann das problem? solange der sport im mittelpunkt steht und es darum geht, dass die bessere mannschaft gewinnt, ist alles prima. und wer die nationalhymne singen mag soll sie singen, er soll aber auch akzeptieren, dass andere menschen das nicht machen wollen. und rechts ist für mich einfach jemand, der menschen nach staatsbürgerschaften und nationalitäten einteilt und daran unterschiedliche rechte knüpft oder gegen andere lebensweisen hetzt.

  38. @ Halina Wawzyniak

    Sie haben recht, die anderen Sachen würden zu weit führen. Sehen Sie es mal als Fan. Sie feuern jemanden an, Sie leiden mit. Dann erreicht die Mannschaft, der/die Einzelsportler/in den größten Erfolg den es gibt. Ich bin der Meinung das dieser Erfolg zu einem kleinen Teil den Fans, also UNS (WIR) gehört. Von UNS stand niemand tatsächlich auf dem Platz, aber gedanklich haben WIR alle mitgespielt (und es im Zweifel besser gekonnt). Zum Thema Stolz noch ganz kurz, ich glaube meine Eltern sind stolz auf mich, weil ich mir als Selbständiger eine Existenzgrundlage aufgebaut habe. Ich bin stolz auf meine Eltern, auf das was sie mit bescheidenen Mitteln erreicht haben. Das ist nur ein kleiner Verbund aber Fußballfans gibt es ganz viele.

    Zu den Kommentaren kann ich nur sagen, dass das Internet dazu verführt beleidigend zu werden. Ich schaue den/derjenigen nicht ins Gesicht. Das ist aber ein Mangel an Streitkultur in diesem Land den ich schon oft bemängelt habe. Ich kann unterschiedlicher Auffassung sein, die Argumente austauschen, gerne auch hitzig. Aber wenn die Debatte zu Ende ist, muss man sich wieder in die Augen sehen können. Wie beim Fussball. Auf dem Platz fast alles erlaubt, aber danach muss man sich in die Augen sehen können.

    Und ich merke aufgrund Ihres letzten Beitrags das wir nicht zusammenkommen. Ich bin dem nationalstaatlichen Denken, jedenfalls im Sport, verhaftet. Sie können mich jetzt gerne als rechtskonversativ evtl. sogar mit braunen Gedankengut in Verbindung bringen. Das muss ich akzeptieren. Wenn jemand für sein Land in einer Sportart antritt, dann unterstütze ich denjenigen. Da können die anderen noch so schön spielen, ich persönlich würde nie ein anderes Land anfeuern. Ich habe Respekt vor der Leistung der anderen. Wenn die andere Mannschaft am Ende des Tages einfach besser war muss ich das akzeptieren. Aber im Sport hat das auch was spielerisches, nicht ganz ernstzunehmen, solange es nicht beleidigend ist. Darum nochmal mein Apell zu mehr Gelassenheit.

    Wie Sie merken bin ich nicht ganz Ihrer Meinung, auch bezüglich der Einteilung nach Nationalitäten usw.. Ich mache jetzt kein Fass auf, und lasse mich über den Respekt der Menschen untereinander, gegenüber anderen, Teilhabe in der Gesellschaft aber auch Verpflichtung in der Gesellschaft etc. auf. Das alles hängt mit diesem Thema zusammen.

  39. @stefan,
    das was ich mit dem artikel und dem tweet ausdrücken wollte -kann sein, dass mir das misslungen ist- war ja nur, dass „wir“ (wer auch immer sich dazuzählen möchte“ sich freuen kann, aber nicht zu seinem/ihrem sieg machen soll. und ich stelle zusätzlich die these auf, dass so einige die sich heute als „wir“/fans bezeichnen, dies eben nur für wm oder em sind. sie interessieren sich sonst nicht für fussball. und dann kommen wir wieder zum punkt „nationalstaat/staatsbürgerschaft“.

    sie sagen, sie sind per se für die mannschaft bzw. den/die sportler/in aus deutschland. akzeptiere ich, kenne ich ja aus der zeit vor 1989. aber ich finde es eben nicht schlimm -und das macht vielleicht den unterschied zwischen uns aus- auch für eine andere mannschaft sein. weil mir die sportler/innen sympathischer sind, weil ich finde das sie besser spielen, weil ich finde es gab schwierigere ausgangsbedingungen. who cares? solange es sportlich bleibt und nicht in richtung „wir sind wieder wer“ geht, soll jede/r das machen was er/sie für richtig hält.

  40. Ich gebe Ihnen recht, was diese WM/EM Fans betrifft. Die gab es vor 2006 gar nicht so. Gut 2006 kam niemand aus. Das stört mich selbst, dass nicht mehr der Fussball im Vordergrund steht, sondern eher Public Viewing, Party usw.! Feiern gehört dazu, aber diese Bestimmtheit, dass jeder mitmachen muss. Früher wurden die Fussballfans belächelt wenn sie Titelgewinne gefeiert haben. Das ist aber der Lauf der Zeit. Vor allem die Medien tragen einen Teil dazu bei. Ich will jetzt aber nicht rüberkommen wie „Früher war alles besser“! Darum sehe ich dieses Wir Gefühl gelassen. Um bei der WM zu bleiben, alle anderen Mannschaften verdienen meinen Respekt für ihre Leistung. Ich geb´s zu, ein bisschen Schadenfreude für Italien, England und Spanien habe ich schon empfunden.

    Eines haben Sie auf jeden Fall erreicht. WIR reden darüber ;-)! Und wenn Problembewusstsein geschaffen wurde ist ja gut. Zu dem „wir sind wieder wer“, tja kann ich nur sagen „mia san mia“. Das habe ich mit der Muttermilch eingesogen. Ich als Franke fühle mich quasi per Geburt den anderen überlegen 😉 Aber wegen unseres Dialektes versteht uns der Rest der Republik nicht!! NUR SPASS!!!
    Ich wünsche Ihnen noch schöne Tage, jetzt ist ja Sommerpause und vielen Dank dass Sie immer geantwortet haben. Das sollte eigentlich für einen Volksvertreter normal sein, ist es aber bei anderen Parteien nicht.

  41. @ Alexander Wildförster
    Bei der Auflösung der Nationalstaaten dürfte es wohl auch darauf ankommen, WIE man zu diesem Ziel kommen möchte. Die Nationalsozialisten wollten es sicherlich nicht friedlich und/oder durch Verträge erreichen. Über die dort schon lebenden Menschen und deren Rolle in dem dann entstandenen Gebilde sagt die Auflösung zunächst auch einmal NICHTS aus.
    Insofern ist dieser Vergleich in der Form abwegig.

    Jedenfalls haben sie es gut geschafft friedliche Lösungsansätze in dieser Richtung zu verheimlichen. Nicht einmal Tagebücher gibt es darüber. 😀

    @all
    Folgender Bericht scheint zu beweisen, dass es mindestens in Teilen der Bevölkerung Missverständnisse über die Aussagekraft einer gewonnenen WM, den damit selber erarbeiteten Stolz und die damit verbundene Macht über andere Menschen gibt.

    http://www.neues-deutschland.de/artikel/939122.fremdenfeindliche-uebergriffe-nach-wm-finale.html

    .
    Das mit dem Nationalstolz gilt sicherlich genauso für die Verlierer (Zuschauer), die scheinbar – trotz fehlender, eigener Fehler – zum Heulen fühlen. Geht ja schon bei den 5 jährigen 3-Käsehochs los, deren angehimmelte Idole doch nicht alle Berge versetzen konnten. Was versprechen Eltern ihren Kindern da in der Zeit davor? Scheint ja schlimmer zu sein, als die Lüge, dass es den Weihnachtsmann gibt.

    .
    Und JA – ich finde es auch schön, dass die Truppe, die in dieser Saison auch durchgängig sympatischer wirken, als einige ihre Vorgänger, sich den Pokal geholt haben. Eventuell hat dieses Fehlen der Star-Allüren dem Team gut getan oder erst die Grundlage gebildet.

  42. Mich stört auch das „wir“, aber mehr, wenn es aus der Politik kommt. Mit politischen Vorschlägen oder Statements, insbesondere, wenn an das eigene „Volk“ gesprochen wird, „wir müssen uns solidarisch zeigen“ oder ähnliche Aussagen von Politikern, wenn es um Entscheidungen geht. Und da ist das „wir“ verlogen, weil Politiker kein Teil von „wir“ sind, keine Einsparungen selbst mitmachen brauchen. In der Politik ist jedes „wir“ einfach nur verlogen, deshalb einfach schön mal den „Ball flachhalten“.

  43. Hallo Halina Wawzyniak,

    ich bin seit 2010 Parteimitglied, 21 Jahre alt und komme aus der Nähe von Frankfurt. Ich teile deine Meinung aus mehreren Gründen nicht.

    Würde das Argument „Ein WIR bedeutet immer auch DIE ANDEREN“ stimmen, müsste man den Vereinsfußball genauso kritisieren. Denn ich bin auch von Fan von Eintracht Frankfurt, obwohl ich weder dort geboren bin, noch dort wohne, es gibt unzählige Bayern Fans, die weder in München wohnen, noch dort geboren sind. Und selbst diese, die dort wohnen, spielen nicht bei Bayern München. Bei Bundesliga-Spielen gibt es dann „Die Frankfurter“ oder „Die Bayern“ und „den Gegner“, z.B. also „die Hamburger“. „Wir spielen heute gegen Hamburg“, ist dann beispielsweise zu hören, obwohl die Fans da nicht selbst unten auf dem Platz stehen. Wenn du also konsequent bist, müsstest du dann auch genauso den Vereinsfußball ablehnen, weil es da genauso ein „wir“ und „die anderen“ gibt.

    Zum Zweiten finde ich das überhaupt nicht bedenklich, solange ein „wir“ und „die anderen“ nicht bedeutet, dass man das ganze politisch ansieht. Das tun aber die allermeisten Fans auch nicht. Es wird als sportlicher Wettbewerb angesehen. Somit gibt es also in den meisten Fällen keinen politischen Nationalismus à la „Die Argentinier sind als Menschen minderwertiger als wir“ sondern einen sportlichen Wettkampf/ Ehrgeiz à la „Den Argentiniern zeigen „wir“ es sportlich.“ Und daran finde ich ehrlich gesagt nichts bedenklich. Genauso wie es beim Einzelsport (ich habe auch viele Jahre Leichtathletik betrieben) eben Fans von z.B. Usain Bolt gibt, die eben dann T-Shirt mit seinem Konterfei tragen, gibt es dann eben beim Mannschaftssport Fans, die dann eben die Fahnen der Länder schwingen. Das allerdings immer auf eine politische Ebene zu projezieren („Du schwenkst die Fahne des Landes X, also grenzt du Land Y aus“) finde ich falsch, da die allermeisten Menschen sich darüber überhaupt keine Gedanken machen und ergo dies auch nicht bezwecken (wollen).

    Eher hat die WM gezeigt, dass viele Menschen von unterschiedlichen Nationen nebeneinander existieren können und gemeinsam mit unterschiedlichen Fahnen lachen (und sich mit Sicherheit nicht ausgegrenzt fühlen). DAS ist für mich etwas Positives, da es zeigt, dass dieses „Gemeinschaftsgefühl“ nicht dazu führt, dass man Menschen anderer Nationen schräg anschaut, sondern zum genauen Gegenteil. Es führt dazu, dass die Nationalitäten unwichtiger werden und nicht wichtiger.

    Viele Grüße,

    Yannick

  44. @res,

    da haben wir einen dissens. es gibt nicht DIE fans und es gibt nicht DIE politiker/innen. und ich spreche ungern vom volk, sondern lieber von der bevölkerung. und solidarisch müssen sich in meinen augen erst mal diejenigen zeigen, die in unfassbarem maße reichtum angehäuft haben.

  45. lieber yannick,

    vielleicht ist es im blogbeitrag nicht deutlich geworden, was dann meine schuld ist. ich habe nämlich eigentlich versucht deutlich zu machen, dass das „wir“ wenn mensch in einen verein eintritt etwas anderes ist, als wenn das „wir“ sich auf staatsbürgerschaften/nationalstaaten bezieht. mein problem mit „wir“ bezieht sich eben auf nationalstaaten/staatsbürgerschaften und nicht auf vereine und vereinsfans.

    was den zweiten absatz angeht, hätte ich dir bis heute mittag recht gegeben. allerdings habe ich -eher durch zufall und weil ich auf den auftritt von helene fischer wartete ;-)- etwas von der fanmeile gesehen. und es tut mir leid, die nummer „so gehen gauchos und so gehen deutsche“ hatte etwas von die argentinier sind minderwertig und ja, das war in teilen rassistisch. schade eigentlich, denn die spieler selbst fand ich bis dahin eigentlich ganz sympathisch.

  46. Zunächst: Ich bin deutscher Staatsbürger und habe noch nie die Linke gewählt (und habe es auch nicht vor), sondern bin für liberale Politik.
    Sie haben aber zu diesem Thema nicht ganz unrecht, meine ich. sich aussuchen zu können, was man unter ‚WIR‘ versteht, ist ein sehr wichtiges liberales und freiheitliches Anliegen!
    Zur Weltmeisterschaft:
    Auch ich fand das Spiel unserer Fußball-Nationalmannschaft bei dieser WM hervorragend und stellenweise begeisternd. Deshalb bin ICH aber noch lange kein Weltmeister. Ich kann mich auch mehr für ein Team begeistern, das ich mir selbst ausgesucht habe als für die Nationalmannschaft, denn die Nationalität habe ich mir ja nicht mal selbst ausgesucht!
    Was von der Politik aus der WM gemacht wird, finde ich inzwischen auch schon stellenwesie peinlich. Eine Kanzlerin Merkel und ein Präsident Gauck biedern sich der vermeintlichen Masse an, propagieren aber nach wie vor Politik, die massiv, geradezu feindselig, gegenüber wesentlichen Teilen der arbeitenden Mitte ist – Stichwort ‚Tarifeinheit‘, aus wirtschaftsliberaler Sicht ein Unding hoch zehn, auch wenn das kaum jemand so klar vertritt! Da geht es ja nicht mehr wie vor ein paar Jahren gegen angebliche ‚Faulenzerinnen‘ und “Faulenzer‘, sondern mal eben gegen Ärztinnen, Ärzte, Piloten, Pilotinnen, Lokführer, Lokführerinnen, und Beamte..! Und es gibt ganz nebenbei auch andere Sportarten als Fußball. Fahren Merkel und Gauck da auch hinterher? Sicher nicht – da gibt es ja keine Masse, an die sie sich anbiedern können.

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