Liebknecht-Luxemburg

…wird traditionell am ersten Januarwochende gedacht. Man/Frau geht zur Gedenkstätte der Sozialisten und legt Nelken an ihrem Grab nieder.

Seid 3 oder 4 Jahren gibt es vor dem Friedhof einen Stein für die Opfer des Stalinismus, für manche auch Stein des Anstoßes. Ich lege dort auch jedes Jahr eine Nelke nieder. Ich gedenke damit der vielen Kommunisten/innen und Sozialisten/innen die Stalins Opfer wurden. Ein Sozialismus der sich auf Stalin bezieht ist in meinen Augen kein Sozialismus.

Es ist immer wieder erschütternd, was sich an diesem Stein abspielt. Diesmal war es eine Gruppe von Jungs, vielleicht Mitte Zwanzig die bar jeder Geschichtskenntnis die Nelken versuchten zu zertreten, sich mit „Viva Stalin“ an den Stein stellten, erklärten in den Gulags seien keine Kommunisten umgekommen und meinten mir erklären zu müssen, dass wer sich von Stalin distanziert nur zu feige sei „Viva Hitler“ zu sagen. Welche Absurdität. Tut mir leid, aber solche Menschen sind für mich weder Kommunisten/innen, noch Sozialisten/innen noch Linke. Sie haben nichts aus der Geschichte gelernt und ermuntern mich nur, auch nächstes Jahr am Stein für die Opfer des Stalinismus eine Nelke niederzulegen.

4 Gedanken zu „Liebknecht-Luxemburg“

  1. korrekterweise muesste es heissen: „ein MARXISMUS-LENINISMUS, der sich auf stalin bezieht, ist kein usw. usf.“ stalin interpretiere, legte einen/den marxismus-leninismus fuer sich aus – und nicht etwa den sozialismus. im uebrigen vermute ich, dass die zahl der unpoltischen opfer hoeher ist (hungersnoete, 2. wk, deportationen etc.) als die der kommunistischen/sozialistischen. wer gedenkt eigentlich dieser? waren deren leiden und qualen weniger wert als die der politischen opfer?

    waehrend der franzoesischen revolution waren rote nelken ein zeichen der aristokraten, die mit einer roten nelke im knopfloch zur guillotine schritten.

  2. @clemens: wer behauptet, dass die von dir genannten opfer weniger wert waren? niemand. wenn ich eine nelke hinlege -in den vergangen jahren, nicht dieses jahr- mit dem namensschild eines/einer kommunisten/in sagt das nichts über die anderen opfer.

  3. Alelrdings bleiben zwei Fragen:

    1) Warum sollte jemand, der den Stalinismus und/oder die DDR sowieso nie für sozialistisch gehalten hat, dem Stalinismus abschwören?
    2) Warum muß das an diesem Tage geschehen? Welche Rolle haben Liebknecht und Luxemburg denn bitteschön für den Aufbau des Stalinismus gespielt? Warum sollte man das Gedenken an die beiden relativieren, nur weil bestimmte Teile der Gesellschaft das nicht auseinanderhalten können?

  4. Den Fragen 1 und 2 von Paul möchte ich noch Nr. 3 hinzufügen:

    3) Warum ist die Inschrift „Den Opfern des Stalinismus“ so furchtbar undifferenziert?

    Denn Opfer des Stalinismus waren ja beileibe nicht nur unliebsame bzw. in Ungnade gefallene Kommunisten und/oder unpolitische (sic Clemens) Menschen sondern in sehr großer Zahl auch Nazis und deren Militärs, vielleicht auch noch sogenannte „Wirtschaftsverbrecher“. Wie kann mensch da guten Gewissens Nelken ablegen! Ansonsten hat der Stalinismus-Komplex, wie Paul schon anmerkte, nichts aber auch gar nichts mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu tun. Der Stein, den ich in dieser Form deshalb als Schandklamotte bezeichne, scheint mir ein Kotau – übrigens wie im Stalinismus von Oben nach Unten durchgesetzt – an die political correctness der BRD …

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