Sozial gerechte Politik im Zeitalter der Digitalisierung

Keine linke Denkfabrik und keine sog. linke Zeitung hat -natürlich nur soweit ich das überblicken kann, vielleicht ist mir da auch was durchgerutscht- dieses Thema aufgegriffen, sondern das Handelsblatt. In einem bemerkenswerten Artikel wird dieses Thema näher beleuchtet.

Die zentrale Passage für micht lautet: „Darüber hinaus ist in unserer Gesellschaft eine Person ohne Arbeit zweifelsohne stigmatisiert und eine steigende Zahl von Digitalisierungsverlierern würde die Schere zwischen Arm und Reich nicht nur weiter auseinanderklaffen lassen, sondern auch die Mittelschicht empfindlich treffen. Die Rolle des vielgepriesenen Facharbeiters am Band wird durch die Vernetzung innerhalb des produzierenden Gewerbes verändert und eher zu einem Auslaufmodell werden. Wenn Industrie 4.0 nun in den Fokus von Wirtschaft und Politik rückt, dann sollte auch die Debatte geführt werden, was wir als Gesellschaft unternehmen, wenn künftig immer weniger Arbeitskraft im herkömmlichen Sinne benötigt wird, weil Roboter oder Drohnen die Arbeiten effizienter verrichten können. Wir werden nicht umhinkommen, über ein Grundeinkommen zu diskutieren, … .“

Natürlich muss es korrekt „Erwerbsarbeit“ im zitierten ersten Satz heißen. Aber die aufgeworfenen Fragen sind tatsächlich die Fragen, die sich für eine sozial gerechte Politik im Zeitalter der Digitalisierung stellen. Was bedeutet es für die Solidarsysteme, wenn das klassische Erwerbsarbeitsverhältnis verschwindet? Was sind die Antworten von linker Seite darauf? Was bedeutet es, wenn nicht nur die klassischen Industriearbeitsplätze betroffen sind, sondern möglicherweise durch Entwicklungen wie dem 3 D-Drucker auch der Dienstleistungssektor und die dortigen Erwerbsarbeitsplätze? Was ist dann unter „Guter Arbeit“ zu verstehen? Und wie geht eine Gesellschaft damit um, dass die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt? Wer kennt es nicht von sich selbst: Noch nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub werden die Mails gecheckt und beantwortet. Heutzutage wird fast schon vorausgesetzt binnen 24 Stunden auf eine Mail zu antworten.

Der Autor stellt am Ende richtig fest, es ist Zeit auch über ein Grundeinkommen zu diskutieren. Eine Enquete des Bundestages -wie sie DIE LINKE im Wahlprogramm fordert- könnte ein Anfang sein. Ich selbst befürworte das bedingungslose Grundeinkommen.  Wer mag, kann sich gern einmal in das überarbeitete Konzept der BAG Grundeinkommen der LINKEN einlesen. Eine Enquete könnte ergebnisoffen debattieren, ob und wenn ja welches Konzept eines Grundeinkommens sinnvoll ist.

Wichtig erscheint mir aber, die soziale Frage vor dem Hintergrund des Umbruchs der Digitalisierung zu debattieren. Vielleicht ist ja der Artikel im Handelsblatt ein Anlass für eine breite gesellschaftliche Debatte zu diesem Thema. Eine Debatte, in der auch ich mehr Fragen als Antworten habe. Eine Debatte, die sich aber lohnen würde.