Die Sache mit dem Vlies

Nachdem ich diesen Beitrag zur Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) geschrieben habe, erhielt ich den einen oder anderen Hinweis, dass das ja schön so daher geschrieben sei, es gäbe aber ein Problem mit dem Vlies.

Und tatsächlich, schon Anfang April gab es Meldungen, dass das Vlies knapp wird. Doch worin besteht diese Knappheit und was kann dagegen getan werden? Zunächst lernte ich bei meiner (Internet)Suche, dass es einen Unterschied zwischen Naturfasern (pflanzliche Fasern, tierische Fasern und anorganischen Fasern) und Chemiefasern aus natürlichen Polymeren, aus synthetischen Polymeren und aus Nichtpolymeren gibt. Ein Problem mit dem Rohstoff Vlies als Naturfaser konnte ich recht schnell ausschließen. Nach dieser Information nämlich bestehen die dringend notwendigen Schutzmasken aus Meltblown-Vliesstoffen und dafür gibt es ein Meltblown-Verfahren gibt. Was das im Detail ist habe ich mir nicht angeschaut. Ich fand dafür aber diesen Artikel, nachdem der Staat Zuschüsse für die Umstellung der Produktion bereit stellt. Allerdings, so der Einwand aus Unternehmersicht, kostet eine Maschine zum Herstellen des Vlies 10 Millionen Euro, was sich für Unternehmen nicht lohnen würde, wenn doch ab 2023 wieder woanders eingekauft werden würde. Ziemlich am Ende des Artikels fand sich dann der Vorschlag, dass es doch klug sei, wenn der Bund selbst „eine Großanlage zum Preis von 10 Millionen Euro“ anschaffen würde, die bei einer Breite von 3,20 Meter (…) Meltblown-Vlies für 50 bis 70 Millionen Masken pro Monat“ schaffen würde.

Wenn ich diesen Artikel richtig verstanden habe, wurde dieser Vorschlag aber nicht aufgegriffen und stattdessen eine Ausschreibung gemacht. Hier ist sogar von einem Rahmenvertrag des Bundesgesundheitsministeriums über die Lieferung von Schutzausrüstungen zu einem festgelegten Preis bis Ende 2021 die Rede, nachdem 50 Millionen Masken pro Woche abgenommen werden würden. Auch hier ist jedoch wieder die Rede davon, dass mit dieser Abnahme sich die Umstellung nicht armortisieren würde. Hier wird zwar nicht die Anschaffung einer Großanlage durch den Bund gefordert, aber ebenfalls darauf hingewiesen, dass die Abnahmegarantie bis 2021 nicht ausreicht.

Tatsächlich sehe ich hier den Staat in der Verantwortung. Er muss  alles was in seinen Möglichkeiten steht tun, damit schnellstmöglich eine ausreichende Produktion vorliegt. Andernfalls nämlich kommt es zu einer gefährlichen Schieflage, wenn Bürger*innen mit -nachvollziehbaren oder nicht nachvollziehbaren, berechtigten oder nicht berechtigten- Einschränkungen konfrontiert werden, der Bund aber nicht in der Lage ist ausreichend PSA zur Verfügung zu stellen.

Ganz am Ende wurde ich sogar noch auf ein ganz spezielles deutsch-deutsches Ereignis aufmerksam. Für die Herstellung von PSA geht nämlich -so verstehe ich den Artikel- auch Spinnvlies, welcher auf Polyamid-Basis hergestellt wird.

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