Impfen – ein Rant

Jede*r hat das Recht mit seiner/ihrer Gesundheit zu machen, was er/sie will. Wegen mir kann er/sie sich zu Tode saufen oder rauchen, er/sie kann sich auch mit irgendwas wegballern. Seine/Ihre Entscheidung. Nennt sich Freiheit und Autonomie.

Diese Freiheit und Autonomie endet aber dann, wenn sie das Leben anderer gefährdet. Und da sind wir beim Impfen. Solange es nur um den eigenen Schutz geht, zählt zur Freiheit auch sich nicht zu impfen. Eigenes Risiko, eigene Entscheidung. Wenn die Nichtimpfung aber zur Gefährdung von den gesundheitlich Schwächsten gehört, hört für mich der Spaß auf.

Menschen, die eine Immunschwäche haben, Menschen mit Allergien gegen Impfstoffe, Menschen die eine Transplantation hinter sich haben (im ersten Jahr nach der Transplantation) oder Schwangere – sie alle können aus verschiedenen Gründen (zeitweise) nicht geimpft werden. Sie dem Risiko möglicher tödlicher ansteckender Krankheiten auszusetzen ist einfach nur Scheiße. Wie darwinistisch muss mann/frau eigentlich drauf sein, um das in Kauf zu nehmen?

Ich verstehe es wirklich nicht. Unser ganzes Leben ist mehr oder weniger durchgeregelt. Manche Regelung finde ich sinnvoll, andere nicht. Mal schränken die Regelungen allein meine Freiheit ein, mal dienen sie auch dem Schutz anderer Menschen. Die Gesellschaft hat gesetzgeberische Wege dafür gefunden. Beispiele gefällig?

  • Es gibt eine Regelung zur täglichen Höchstarbeitszeit. Wenn dagegen verstoßen wird, bekommt mein Arbeitgeber Ärger.
  • Ich darf als Inhaber*in mein Geschäft nicht einfach öffnen, wie und wann ich will.
  • Im BGB sind Regelungen enthalten, was ich als Vermieter*in alles darf und was nicht.
  • Ob ich eine Schwangerschaft austrage oder abbreche, wird mit dem Strafgesetzbuch entschieden.
  • Ich kann nicht jedes Medikament einfach kaufen, es gibt für viele Medikamente eine Rezeptpflicht.
  • Ich muss der Schulpflicht nachkommen.
  • Ich darf mit mehr als 1,1 Promille nicht Auto fahren.
  • Ich darf -je nach Verkehrsschild- eine bestimmte Geschwindigkeit nicht überschreiten.
  • Es wird debattiert, ob und wenn ja wo ich mit Kopftuch arbeiten darf.

Die Liste wäre beliebig erweiterbar. Und da wird ernsthaft diskutiert, ob Menschen, die sich nicht gegen ansteckende Krankheiten durch eine Impfung schützen können, dem Risiko dieser Krankheiten ausgesetzt werden dürfen, weil einige finden, sie brauchen diesen Schutz nicht? Tickt ihr noch richtig?

Es leuchtet mir nicht ein, warum jemand, der meint sich nicht impfen zu müssen und damit zum Risiko für andere wird, nicht sanktioniert werden sollte. Wer kein geimpftes Kind hat, bekommt keinen Kita-Platz. Ein ungeimpftes Kind kann nicht in die Schule oder den Sportverein gehen. Wer nicht geimpft ist, kann halt nicht dort arbeiten, wo es Publikumsverkehr gibt.

Ich habe das jetzt nicht juristisch fein durchgeprüft, ob das geht. Das ist hier ein Rant und keine juristische Expertise. Trotzdem denke ich, mit Art. 2 GG ist das gut begründbar.

Eigentlich dachte ich, die Debatte um Impfen hat sich erledigt. Weil ich nicht mehr daran geglaubt habe, dass es Menschen gibt, die bewusst das Risiko eingehen, andere in einer schwächeren gesundheitlichen Situation zu gefährden. Ich dachte, es ist Konsens in der Gesellschaft, dass diese Menschen Schutz benötigen. Spätestens dann, wenn eigentlich schon ausgerottete Krankheiten wieder um sich greifen.

Und deshalb sage ich: Wenn ihr Euch nicht selber schützen wollt, okay. Eure Sache. Geht mich nichts an. Eure Freiheit. Wenn ihr aber solche Ar***löcher seid, dass ihr durch Eure Haltung andere gefährdet, dann tragt die Konsequenzen und verpisst Euch aus dem gesellschaftlichen Leben.

Ich erwarte einfach, dass die Gesellschaft die Schutzfunktion übernimmt für all jene, die sich nicht selbst schützen können. Ende der Durchsage.

 

 

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