Das es schlimm wird…

hatte ich vermutet. Das es so schlimm wird, hat mich dann doch überrascht. „Gnadenlos gerecht-Sozialfahnder berichten“ von Sat 1 hat alle negativen Erwartungen noch übertroffen.  Die Stigmatisierung von Hartz IV-Empfangenden hat stattgefunden, in unerträglichem Ausmaß.

Fall 1: Die Kommentatorin bemerkt, dass die Betroffene die Fahnder sofort einlässt und fügt hinzu: Offensichtlich hat sie nichts zu verbergen. Ergo im Umkehrschluss: Wer von seinem Recht Gebrauch macht, zunächst erst mal nachzufragen oder einene Besuch abzulehnen hat etwas zu verbergen! Absurd!

Fall 2: Die Sozialfahnderin erklärt einer Bürgerin, dass sie bei jeder Bedarfsprüfung Hausbesuche machen. Klarer Rechtsbruch liebe Sozialfahnderin. Zunächst nämlich sollen alle anderen Möglichkeiten der  Bedarfsklärung vorgenommen werden, bevor ein Hausbesuch stattfindet. Wie wäre es mit befragen, denn mit kontrollieren?

Fall 3: Die Sozialfahnderin will prüfen, ob es sich um eine nichteheliche Bedarfsgemeinschaft handelt. Datenschützer gehen davon aus, dass Hausbesuche sich nur bedingt zur Feststellung einer eheähnlichen Gemeinschaft eignen.

Fall 4: Hier erklärt die Sozialfahnderin, dass nach Aktenlage noch viele Fragen offen sind. Wieso fragt die Sachbearbeiterin nicht nach, sondern findet sofort ein Hausbesuch statt?

Fall 5: Die Sozialfahnderin und ihr Kollege observieren nach eigenen Angaben 7 Stunden eine türkische Familie. Mal abgesehen davon, dass aus datenschutzrechtlicher Sicht eine Observation unzulässig ist, erreicht hier die Sendung auch ihren negativen Höhepunkt. Die zugegebenermaßen nicht sonderlich sympathische türkische Familie wird auf Grund der Tatsache, dass in diesen 7 Stunden ausschließlich der Vater das Auto benutzt, welches auf seinen Sohn angemeldet ist und in der Firma die auf den Namen des Sohnes läuft arbeitet, des sog. Sozialmissbrauches überführt. Sicherlich nur ein Zufall, dass es sich um eine türkisch Familie handelt… . Die Sozialfahnderin lässt zwischendurch ihre Maske fallen, wenn sie erklärt, dass es „immer dasselbe ist“, dass die Leute mehr Geld haben als sie angeben. Und das es „sozialschädlich“ ist, was da gemacht wird. Kein Wort darüber, dass Steuerhinterziehung und geringfügige Beschäftigung sozialschädlich sind.

Am Ende dann die Auflösung, verbunden mit unterschwelliger Hetze gegen Leistungsempfangende nach dem SGB II. In zwei von fünf Fällen wurde geholfen, in zwei Fällen lag „Missbrauch“ vor und ein dritter Fall konnte nicht gelöst werden, legt aber „Missbrauch“ nahe. Und das alles kostet angeblich allein Offenbach 750.000 EUR im Jahr. Woher diese Zahl kommt bleibt im Dunkeln. Aber für Stimmungsmache gegen Leistungsbeziehende reicht es ja allemal. Sorry, Sat 1, aber das war nicht Aufklärung, das war billig und unerträglich.

2 Gedanken zu “Das es schlimm wird…”

  1. Ohhh, schon ein klassischer Deppen-Fehler in der Überschrift („Das“ statt „dass“). Bitte unauffällig berichtigen, muss man als stellvertretende Vorsitzende nämlich beherrschen, wegen der Medien und so, und ist auch gar nicht schwer. Ciao.

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