Studien und daraus folgende Fragen

Kürzlich ist eine Studie des DIW erschienen, die sich mit der Frage beschäftigt, wer eigentlich die Unterstützer*innen der AfD sind. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich AfD-Unterstützer*innen „unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation und sonstigen Einstellungen vor allem durch eines auszeichnen: Sie wollen nicht, dass Flüchtlinge nach Deutschland einwandern, weil sie deren Einfluss kritisch sehen.“ An anderer Stelle wird formuliert: „Weder das Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen, noch Berufsprestige (ISEI), noch die Zufriedenheit mit dem eigenen Einkommen oder der Wohlstandsentwicklung erklären eine Präferenz für die AfD.“  Kurz und knapp, die Daten zeigen, „…  dass AfD-Unterstützer sich außer in ihren Einstellungen zu Flüchtlingen kaum von anderen Deutschen unterscheiden.

Im Rahmen der Zusammenfassung (S. 18) heißt es dann, es sei fehlerhaft, :

„hinter den AfD-Unterstützern gesellschaftliche Verlierer zu sehen. Weder sind sie es objektiv, noch fühlen sie sich so. Die Sympathisanten der AfD haben vielmehr Bedenken gegenüber Zuwanderung und insbesondere Flüchtlingen, denen sie vor allem unterstellen, Deutschland kulturell zu unterwandern, während ökonomische Nachteile für Deutschland nur nachrangig zu AfD Unterstützung führen.“

An einer weiteren Stelle in der Studie wird auf die Unzufriedenheit der AfD-Unterstützer*innen mit der Demokratie verwiesen, was aber bedauerlicherweise nicht untersetzt wird.  Schließlich wird der These, die sozial abgehängten Menschen sind besonders anfällig für die AfD, widerlegt. „Weder in der Mitte noch am oberen oder unteren Ende der Einkommenshierarchie finden sich besonders viele AfD-Unterstützer.“ Die These eines Automatismus zwischen sozialer Ausgrenzung/ökonomischer Ausbeutung und der Wahl von rechten Parteien habe ich hier ja schon einmal debattiert. Häufig wird sich in der Studie auf einen längeren Aufsatz aus dem Jahr 2017 bezogen, dessen Autor der Ansicht war, die Gründe, die AfD zu unterstützen, seien andere als wirtschaftlicher Art.

Wenn der Befund der Studie des DIW richtig ist -was sich im Übrigen mit meinem Erleben von AfD-Unterstützer*innen deckt- und sich die Unterstützer*innen „unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation und sonstigen Einstellungen vor allem durch eines auszeichnen: Sie wollen nicht, dass Flüchtlinge nach Deutschland einwandern, weil sie deren Einfluss kritisch sehen.“, dann bleiben aus meiner Sicht genau zwei Wege um AfD-Unterstützer*innen zurückzugewinnen (wenn man das möchte). Entweder man gibt ihrer Flüchtlingskritischen Position nach oder man versucht sie davon zu überzeugen, dass ihr Position nicht richtig ist. Ich würde mich für den zweiten Weg entscheiden. Das heißt dann aber auch, dass die AfD-Unterstützer*innen die soziale Lage nicht primär interessiert.

Die Studie hat mich in meiner Position noch einmal bestärkt, dass es keinen Automatismus aus sozialer Ausgrenzung/eigener ökonomisch schlechter Lage und der Wahl rechter Parteien gibt, mithin die dringend erforderliche Herstellung sozialer Gerechtigkeit nicht automatisch das Verschwinden rechter und rassistischer Positionen bedeutet. Zum anderen wird aber aus meiner Sicht auch deutlich, dass links mehr ist als der Kampf gegen soziale Ausgrenzung und die ökonomische Ausbeutung des Menschen durch den Menschen.

Links bedeutet natürlich immer auch gegen soziale Ungerechtigkeiten, soziale Ausgrenzung anzugehen – und das nicht nur mit Blick auf das eigene Land sondern weltweit. Es bedeutet die Eigentumsfrage zu stellen. Es bedeutet die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu bekämpfen. Links bedeutet aber eben auch mehr. Links bedeutet, die Ausbeutung der Natur ebenso zu thematisieren und zu bekämpfen, wie die Diskriminierung und Ausgrenzung auf Grund des Geschlechts, der Hautfarbe, der Herkunft und der sexuellen Orientierung. Und Links bedeutet die Demokratie zu verteidigen, weil links überzeugt ist die besseren Argumente zu haben und kein höheres Wesen benötigt, welches der/die Retter*in ist. Links ist internationalistisch, weil links nicht danach fragt, welche Staatsbürgerschaft jemand besitzt.

Aber so, wie es keinen Automatismus aus sozialer Ausgrenzung/eigener ökonomisch schlechter Lage und Wahl rechter Parteien gibt, gibt es auch keinen Automatismus, nachdem ökonomisch Ausgebeutete links wählen. Auch wenn das hin und wieder anders dargestellt wird. Deutlich macht dies ein Blick auf die Wahlergebnisse seit 1990 bei Bundestagswahlen.

Wahl Union SPD Grüne PDS/LINKE AfD
1990

Arbeiter*innen

 

 

41%

 

43%

 

 

4%

 

1%

1994

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

37%

 

31%

 

45%

 

42%

 

5%

 

7%

 

 

5%

 

12%

1998

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

 

30%

 

23%

 

48%

 

44%

 

3%

 

7%

 

6%

 

13%

2002

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

37%

 

27%

 

44%

 

41%

 

4%

 

9%

 

 

4%

 

10%

 

2005

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

 

32%

 

20%

 

37%

 

34%

 

5%

 

7%

 

12%

 

25%

2009

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

24%

 

16%

 

28%

 

19%

 

17%

 

11%

 

 

35%

 

31%

2013

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

38%

 

22%

 

30%

 

25%

 

5%

 

9%

 

12%

 

21%

 

5%

 

7%

 

2017

Arbeiter*innen

 

Arbeitslose

 

29%

 

17%

 

23%

 

22%

 

5%

 

12%

 

 

10%

 

15%

 

18%

 

17%

Ich finde den Blick auf die Ergebnisse der Bundestagswahlen deshalb spannend, weil sie aus meiner Sicht zeigen, dass auch nach einem Ereignis wie der Agenda 2010  die Mehrheit der wählenden Arbeitslosen und Arbeiter*innen diejenigen Parteien wählt, denen sie diese Agenda 2010 zu verdanken hat. Ich habe Hartz IV immer abgelehnt und war schon 2002 bei der Vorstellung des ersten Konzepts gegen die Agenda 2010 demonstrieren, das Argument die Agenda 2010 habe dazu geführt, dass die Arbeitslosen und Arbeiter die etablierten Parteien nicht mehr wählen, überzeugt mich aber angesichts der Zahlen nicht.

  • Im Jahr 1990 und 1994 hatten SPD und Union noch mehr als 80% Zustimmung bei Arbeiter*innen, bei den Arbeitslosen über 70%. Dann kam das Jahr 1998 und mit ihm die Wahl nach der Erfurter Erklärung 1997. SPD und Union hatten zusammen 78% der arbeitenden Wählenden, zusammen mit den Grünen 81%. PDS, SPD und Grüne wären auf 57% gekommen. Bei den arbeitslosen Wählenden hatten SPD und Union  64%,  mit den Grünen 71%. SPD, Grüne und PDS wären auf 64% gekommen. Bei der Nach-Agenda 2010-Wahl im Jahr 2005 hatten Union und SPD bei den Arbeitslosen immer noch 54%, zusammen mit den Grünen 61%. SPD, Grüne und LINKE 66%. Bei den Arbeiter*innen hatten SPD und Union mit 69%, zusammen mit den Grünen 74% und  SPD, Grüne und LINKE 54%.
  • Bei einem Vergleich zwischen 1998 und 2005 verlor die SPD bei den Arbeitslosen  10% und bei den Arbeitenden 11%. Die Grünen hingegen gewannen 2% bei den Arbeitenden und blieben bei den Erwerbslosen gleich.
  • Werden die Zahlen von 2009 und 2013 hinzugenommen, fällt auf, dass die Grünen bei Arbeitslosen und und Arbeitenden von 2005 auf 2009 einen enormen Zuwachs hatten, der im Jahr 2013 im Kern auf den Wert von 2009 zurückgeht. DIE LINKE hatten ähnlich wie die Grünen eine massive Steigerung von 2005 auf 2009, um dann im Jahr 2013 ungefähr auf den Wert von 2005 zurückzufallen.
  • Bei einem Vergleich der Zahlen von 2013 auf 2017 fällt die massive Steigerung bei der AfD auf, während SPD und CDU bei Arbeiter*innen erhebliche Verluste einstecken mussten. LINKE und Grüne verbleiben ungefähr auf dem Niveau von 2013.

Richtig ist, von den Parteien, die die Agenda 2010 beschlossen haben (das waren Union, SPD und Grüne), hat vor allem die SPD bei Arbeiter*innen und Arbeitslosen massiv verloren, Grüne und Union aber nicht unbedingt. DIE LINKE. wiederum konnte nicht 2005, sondern erst 2009 massiv bei Arbeiter*innen und Arbeitslosen dazu gewinnen, sie konnte diese Zugewinne aber 2013 nicht halten. Die AfD wiederum hat ihre massiven Zugewinne nicht im Ergebnis der Agenda 2010 Politik, sondern in der Zeit zwischen 2013 und 2017. Eine sozialpolitische Abrisspolitik, vergleichbar mit der Agenda 201o fand aber in dieser Zeit nicht statt. Möglicherweise spricht auch das für die These des DIW.

Für Menschen, die sich links verstehen, ist die spannende Frage, wieso die Arbeiter*innen seit Ewigkeiten zu nicht unerheblichen Teilen Parteien wählen, die aus linker Sicht doch eigentlich gar nicht in ihrem Interesse agieren. Konkreter könnte gefragt werden, warum die Union so häufig bei Arbeiter*innen und Arbeitslosen vor linken Parteien liegt. Ich habe keine Antwort darauf, aber ich würde darüber gern mal debattieren. Denn ich bin ja der Überzeugung, dass die linken Antworten wie eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1050 EUR (ja, ich bin für ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber in der Partei DIE LINKE. ist das der Konsens), eine Mindestrente von 1050 EUR, ein höherer Spitzensteuersatz, eine höhere Erbschaftssteuer und eine Vermögenssteuer gute Sachen sind. Aus meiner Erfahrung weiß ich auch, dass diese sozialen Forderungen den parlamentarischen Alltag linker Fraktionen häufig bestimmen. Vielleicht wäre es aber gut -ich wiederhole mich- nicht in Büros auf Menschen zu warten, sondern mit einem mobilen Büro zu den Menschen zu fahren. Und vielleicht hilft ja auch ein konkretes Angebot in Form von Sozial- und Rechtsberatung. Und manchmal wäre es hilfreich, nicht nur die Stadt, sondern auch den ländlichen Raum im Blick zu haben, wenn es um die Entwicklung von bundespolitischen Ideen geht.

16 Gedanken zu „Studien und daraus folgende Fragen“

  1. „Die AfD wiederum hat ihre massiven Zugewinne nicht im Ergebnis der Agenda 2010 Politik, sondern in der Zeit zwischen 2013 und 2017. “

    Das ist erstmal kein Wunder, wurde die Partei doch erst 2013 gegründet. 🙂

  2. aber sie hat -siehe tabelle- schon 2013 kandidiert. wenn die agenda 2010 politik der ausschlaggebende punkt wäre, hätte sie schon damals enorm absahnen müssen. sowohl gründungsgründe wie auch studien und wahlergebnisse lassen m.e. eher einen anderen schluss zu. den im blogbeitrag beschriebenen.

  3. Ich bin über einen Beitrag auf den Nachdenkseiten, der sich ebenfalls mit der DIW-Studie befasst, hierher geraten.

    Warum handeln Menschen gegen ihre objektiven eigenen Interessen, indem sie Parteien wählen, die ihre sozioökonomische Lage verschlechtern, statt zu verbessern? Die Beantwortung dieser Frage ist aus meiner Sicht das wichtigste Thema, dem sich Linke im Allgemeinen und die Partei DIE LINKE. im Besonderen widmen müssten. Ansonsten wird es nicht gelingen, den Rechtsruck und die AfD zu verstehen. Und wer die Gründe für den Rechtsruck nicht versteht, kann auch keine überzeugenden Konzepte, wie ihm zu begegnen ist, anbieten. Insofern bin ich fassungslos, dass nicht nur bei dir, liebe Halina, sondern auch bei deinen Genossen scheinbar völlige Ratlosigkeit bei diesem Thema herrscht. Meines Erachtens liegt der Schlüssel zur Beantwortung der Frage in der Sozialpsychologie. Mir ist dabei völlig unverständlich, warum Vordenker wie Wilhelm Reich und Erich Fromm, die sich ausführlichst mit der Massenpsychologie des Faschismus befassten, so konsequent ignoriert werden. Die Kernthese lautet: Einen Führer kann es nur geben, wenn auch ein Volk existiert, dass geführt werden will. Geführt werden will nicht der freie Mensch, sondern der autoritär und destruktiv verformte Charakter. Die gesellschaftlichen Strukturen, die die Entstehung autoritärer und destruktiver Charaktere ermöglichen, waren 1933 sicher stärker ausgeprägt als heute, aber sie sind immer noch präsent. Dies hat, unter Berufung auf Reich und Fromm, Andreas Peglau in seinem absolut lesenswerten Buch umfassend herausgearbeitet. Hier der Link: http://andreas-peglau-psychoanalyse.de/wp-content/uploads/2014/09/Rechtsruck-Zweite-Auflage-3-11-17-1.pdf
    AfD-Wähler beschweren sich bei dieser Betrachtungsweise im Kern darüber, dass sie von Angela Merkel schlecht geführt werden. Deshalb muss sie zugunsten eines besseren, stärkeren, rücksichtsloseren Anführers ersetzt werden. Die Frage lautet also, wie wir das Autoritäre und Destruktive aus unseren Köpfen bekommen. Hier müssen wir u.a. bei folgenden Punkten ansetzen: Gewaltfreiheit in der Familie, weg vom Leistungs- und Konkurrenzdenken in der Schule, Überdenken unseres Demokratieverständnisses (im Wort Demokratie steckt Gewalt/Herrschaft drin und nach Art. 20 Abs. 2 GG geht die wörtlich zu verstehende StaatsGEWALT vom Volke aus). Rechtes Gedankengut bekämpft man nicht intoleranten, gewalttätigen Parolen („Nazis raus!“: wohin sollen sie denn?) und auch nicht mit ein bisschen mehr sozialer Sicherheit. Es geht ums Ganze, nämlich um die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Der im Inneren freie Mensch ist ein soziales, kooperatives Wesen. Auf diese Weise sind Individualität und Gleichheit nicht länger ein Widerspruch, sondern bedingen sich gegenseitig. Frühere Denker haben dies Anarchie genannt, aber dieser Begriff ist (leider) verbrannt.

  4. Es wäre ausgsprochen hilfreich, wenn Sie den Blog nicht als Pinnwand für andere Beiträge nutzen würden, sondern entweder konkret darauf verweisen, warum sie dieses oder jenes aus dem Beitrag gut oder falsch finden und wesegen dieser dem Ausgangsbeitrag widerspricht oder zustimmt.

  5. Die AfD Wähler die ich kenne fühlen sich finanziell angehängt, weil Armutsrente oder Niedriglohn. Sie sind bei der Ausländerfrage weder feindlich noch freundlich, sondern Gleichgültig. Die DIW Studie ist wohl von der GroKo bestellt.

  6. mit verschwörungstheorien ala studie von groko kommen wir nicht weiter. die afd wählenden, die mir begegnen haben fast ausschließlich ein problem mit migration oder gleichstellung der geschlechter, unabhängig iher sozialen situation.

  7. der artikel in den nachdenkseiten ist zunächst interessengeleitet… richtig ist, dass sich linke politik die frage stellen muss, „Warum handeln Menschen gegen ihre objektiven eigenen Interessen, indem sie Parteien wählen, die ihre sozioökonomische Lage verschlechtern, statt zu verbessern?“. das muss sie aber seit mehr als 30 jahren, denn abhängig beschäftigte stellen die größte wählergruppe und dennoch ist linke politik seit jahren weit von mehrheiten entfernt… bei mir gibt es eigentlich keine ratlosigkeit zum thema rechtsruck, ich habe ja hier im blog schon einiges geschrieben. ich glaube nur, die antwort gefällt nicht jedem. ich verweise mal auf: http://blog.wawzyniak.de/woher-kommt-eigentlich/ und http://blog.wawzyniak.de/demokratie-verteidigen/ sowie http://blog.wawzyniak.de/wochenendgruebelei/ … und weil es um das gefuhrt werden wollende volk geht, auch hier noch ein hinweis: http://blog.wawzyniak.de/der-osten-die-sed-und-die-afd/

  8. Sie schreiben: „der artikel in den nachdenkseiten ist zunächst interessengeleitet… „. Welche spez. Interessen haben ihn I. E. denn geleitet?

  9. „Werden die [Agenda 2010-]Reformen umgesetzt (…) wird diese Republik eine radikal andere Gesellschaft sein: ein entkernter Staat ohne Gemeinsinn, eine entzivilisierte Gesellschaft. Anfällig für individuelle Aggressionen und für Rechtsextremismus. (…) Die Demokratie erodiert.“

    Arno Luik:
    Der Putsch von ganz oben.

    in „stern Nr. 44“,
    21. Oktober 2004

  10. Und wenig überraschend konnte auch Halina Wawzyniak als Juristin keine sozialwissenschaftlichen Studien aufmerksam lesen, oder zumindest über die Zusammenfassung hinaus kommen. Sonst hätte ihr auf Seite 2 auffallen müssen, dass 2,1% Parteienpräferenz AfD schon 2016 nicht repräsentativ für die AfD-Anhänger*innen sein können. Sehr wahrscheinlich gibt es bei diesem Sample einen massiven Selection Bias – nur die wirklich überzeugten AfD-Leute haben ihre Präferenz offenbart. Auf die Gesamtheit der AfD-Anhänger*innen von 2018 kann man damit schon mal gar nicht schließen. Und das ist nur der offensichtlichste Kritikpunkt.
    Das muss der Autor auch wissen. Daher ist es auch keine „DIW-Studie“, sondern lediglich in der Working Paper Serie des SOEP ohne Peer Review veröffentlicht. Und das vermutlich auch nur deshalb, weil SOEP-Daten verwendet wurden. Wer über das 3. Semester einer beliebigen Sozialwissenschaft hinausgekommen ist, erkennt sofort dass der Autor hier eine „Studie“ für die politische Öffentlichkeit, und nicht für die Wissenschaft geschrieben hat. Schließlich hat er ja ein Buch zu verkaufen, in dem uns erzählt wird dass es „uns“ doch ganz toll ginge im schönen Schland. Da schadet es nicht, sich bei Linksliberalen, die seine Story so gerne glauben möchten, noch mal beliebt zu machen.

  11. die position von herrn berger, der gleich am anfang deutlich macht, dass die kritik an der stdie lediglich vehickel ist um kritik an aufstehen und deren umgang mit (atbeits)migration zu begegnen. was sagen sie eigentlich zur studie?

  12. eine debatte ohne unterstellungen wäre ein anfang (ich habe tatsächlich bis zu ende gelesen). eine debatte, die sich der in der stdie angesprochenen frage zuwendet, wäre noch besser. und eine dbatte, die auch noch auf persönlichen erlebnissen basiert, fast schon ein traum. zumindest aus letzterem kann ich sagen, afd-wählende hatten fast ausschließlich probleme mit migration und geschlechtergerechtigkeit, unabhängig vom sozialen status.

  13. „…Wir Linken sollte gegen das System aufstehen und es nicht mittragen….“

    Warum sind die Linken Vorturner nicht so schlau wie dieser einfache Linke aus Chemnitz und Freund des Ermordeten? Warum haben die Linken in Chemnitz nicht gegen das System demonstriert? Haben lieber einen Sänger zugejubelt der die Linkspartei in der TAZ als „Brechmittel“ beschimpfte. Und dafür will die Linke gewählt werden?

    DDR Politik sollte für Linke in der Flüchtlingspolitik Vorbild sein, Fluchtursachen sind eindeutig zu benennen und vordergründig zu bekämpfen. Hat die Linkspartei zur Leipziger Buchmesse 2015 auch noch so angekündigt. Wo bleibt diese versprochene Analyse zu den Fluchtursachen und die darauf aufbauende Politik? Wer hat denn afrikanische Staaten vom erfolgreichen nichtkapitalistischen Weg abgebracht? Sind es nicht die, die uns heutzutage auffordern die Flüchtlinge aus diesen Ländern aufzunehmen und zu integrieren? Und wer da nicht mitspielt ist rechts und ein Rassist? Ist es nicht eher umgekehrt?

    „Linke“ Parlamentarier, die neoliberale Medien, auch Organisationen wie „adopt a revolution“ unterstützen, Bilder eines aufgehängten syrischen Staatschefs im Internet verbreiteten, eindeutige Fake- Giftgasanschläge der westlichen Dienste Assad unterschieben, den Friedensforscher Dr. Ganser als Verschwörungstheoretiker beschimpften, sind nichts weiter als NATO- Plauderrohre, unglaubwürdig und nicht wählbar für ehrliche Linke.

    „Linke“ Parlamentarier riefen auch dazu auf: „Wenn Wagenknecht will, dass wir aufstehen, bleiben wir erst recht liegen.“ Wer ist wir? Die NATO-Fraktion der Linken?

    De Linke ist zersplittert, schwach und teilweise schon NATO- „gekippt“. (https://www.jungewelt.de/artikel/337308.eine-z%C3%A4sur.html).

    Die Linke hat kein einheitliches Feindbild, ein „linkes“ Feindbild wird aber immer größer und dem der NATO immer ähnlicher, wie es z.B. van Aken auf dem Parteitag mit einer Lüge verbreitete und die Mehrheit der Delegierten folgten ihm. Linke, die bildungsfern denken, dass sich eine Giftaswolke gegen den Wind ausbreitet.

    Ohne einheitliches Feindbild kann man keine Wahlen gewinnen, schrieb Le Bon. Und dieses Feindbild sollte bei einer Linkspartei auch gut sichtbar links ausgerichtet sein und nicht gegen die eigenen realistisch denkenden Linken.

    Nur mit Ehrlichkeit kann eine Linke letztendlich gewinnen. Sonst wird sie untergehen wie die DDR. Die DDR ist nicht wegen ihrer wirtschaftlichen Situation, den fehlenden Reisemöglichkeiten etc., untergegangen, sondern wegen der Unehrlichkeit und Lügen der SED- Obrigkeit. Nur eine Linke, die dem Volk die Wahrheit sagt kann gewinnen. Da helfen auch keine sozialen Versprechungen, die nicht einlösbar sind.

    Die Wahrheit sollte die wichtigste Waffe der Linken sein und das anbiedern an den „graumelierten Herren in höheren Kreisen“ sollte schnellstmöglich beendet werden.

  14. „bei mir gibt es eigentlich keine ratlosigkeit zum thema rechtsruck“ Mein entgegenstehender Eindruck bezog sich hierauf:

    „Für Menschen, die sich links verstehen, ist die spannende Frage, wieso die Arbeiter*innen seit Ewigkeiten zu nicht unerheblichen Teilen Parteien wählen, die aus linker Sicht doch eigentlich gar nicht in ihrem Interesse agieren. Konkreter könnte gefragt werden, warum die Union so häufig bei Arbeiter*innen und Arbeitslosen vor linken Parteien liegt. Ich habe keine Antwort darauf,…“

    Ansonsten habe ich die verlinkten Blogbeiträge aufmerksam und mit Interesse gelesen. Insbesondere die Überlegungen zur SED fand ich sehr spannend und als Sachse kann ich die Ablösung der SED durch die CDU als autoritäre Staatspartei nur bestätigen. Auch teile ich die Beobachtung, dass gerade selbstständige Handwerker, denen es materiell nicht schlecht geht, besonders AfD-affin sind. Mir kamen schon WhatsApp-Chats aus derartigen Kreisen zu Gesicht, in denen offen „Adi“ gehuldigt und seine Wiederkehr herbeigesehnt wird. Leute, die so etwas untereinander kommunizieren, fahren die fettesten Autos, jetten nach Thailand, spenden Trikots für ihre Kinder im örtlichen Fußballverein, ballern sich kiloweise Fleisch vom sauteuren Grill rein und tragen peinliche Markenklamotten. Alles dreht sich um Geld und zwischenmenschliche Beziehungen werden meist unter reinen Nützlichkeitsaspekten eingegangen. Einfachste Gespräche über wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge sind kaum möglich und es fehlt grundsätzlich an Empathie für all die Dinge, die sich außerhalb ihres begrenzten Blickfeldes abspielen. Man sieht nur sich und seine vermeintlich heile, aber von bösen Fremden bedrohte Welt. All das Leid und all die Verbrechen, die weltweit begangen werden, damit es ihnen gut geht, werden konsequent ignoriert oder als Ausdruck der eigenen Überlegenheit hingenommen. Asylanten und Harzer bekommen viel zu viel, die eigenen gigantischen Steuervorteile für den Q7 hat man sich hingegen verdient. Die Weiber in Thailand stellen sich wenigstens nicht so an wie die eigene Frau. Zur Übergabe der neuen Trikots gab es ein Foto in der Lokalzeitung, was bestimmt ein paar neue Aufträge einbringt und den Vereinsvorstand zu ewiger Dankbarkeit zwingt. Dass für das Fleisch vom Grill Tiere unwürdig gehalten wurden und qualvoll starben, dass für die notwendigen Futtermittel Wälder verschwanden und Kleinbauern in fernen Ländern von ihrem Land verjagt wurden: geschenkt, Hauptsache es war lecker. Kinderarbeit für meine Klamotten? Mir doch egal, ich habe schließlich genug für das Teil bezahlt.
    Dies ist der gruselige Alltag, der dem Faschismus den Nährboden bietet. Wir alle kommen nackt zur Welt und tragen in uns sämtliche Potentiale, zu einem emphatischen Teil der Gesellschaft zu reifen. Auch Hitler und Stalin waren keine geborenen Massenmörder, sondern wurden zu dem gemacht, was sie in die Geschichte eingehen ließ. Zu ergründen, was ihre Seelen deformierte und die gesellschaftlichen Strukturen zu ändern, die solche Deformationen bedingen, ist Aufgabe linker Politik.

  15. lieber franz,
    sie sprechen über die linke und stellen fragen, warum diese etwas getan oder nicht getan hat. ich glaube, sie sind damit hier an der falschen adresse. ich habe einen blogbeitrag zu einer studie geschrieben und diese aus meiner sicht kommentiert. darüber würde ich gern reden. für alles andere ist der blog nicht da und bin ich auch nicht zuständig.
    zu einem will ich aber doch etwas sagen. die ddr-politik in bezug auf geflüchtete sollte in gar keinem fall vorbild sein. ich möchte nicht, dass die menschen hier lediglich als vertragsarbeiter*innen herkommen dürfen und wenn sie beispielsweise schwanger werden abgeschoben werden. ich möchte nicht, dass geflüchtete abgeschottet in sammelunterkünften untergebracht werden. ich bin mir aber auch an einer anderen stelle relativ sicher: wenn es wirklich um fluchtursachenbekämpfung gehen würde ( by the way, auch das tat die ddr nicht), dann würde das auf die lebens-,arbeits- und konsumweise der länder des globalen nordens (und damit deutschland) solche auswirkungen haben, dass ein teil derjenigen, die jetzt laut nach fluchtursachenbekämpfung rufen auf der anderen seite der barrikade stehen würden. also bei denjenigen, die jetzt keine flüchtlinge wollen.
    wenn sie nun ganser verteidigen und mit worten wie „NATO-Plauderrohre“ oder mit „NATO-Fraktion der Linken“ kommen, sind sie aber ganz sicher auf meinem blog falsch. ich würde ihnen vorschlagen ihre ausführungen den nachdenkseiten anzubieten, die sind sicher ein dankbarer abnehmer.

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