5 Projekte an einem Tag

Es mag Zufall sein oder nicht. Mein heutiger Wahlkreistag -das erste mal mit Handschuhen auf dem Fahrrad :-(- hätte auch unter dem Motto stehen können: Alle reden von Integration, ich schaue wie sie wirklich funktioniert. Zwei von fünf Projekten die ich heute besuchte beschäftigen sich nämlich explizit mit Integration, aber auch bei den anderen Projekten war das Thema Integration immer präsent.

Der Tag begann mit einem Besuch beim Kurdistan Kultur- und Hilfsverein am Paul-Lincke-Ufer. Hier wurde uns erzählt wie auf der einen Seite die kurdische Identität bewahrt und über die Situation in Kurdistan aufgeklärt wird und auf der anderen Seite Angebote zur Stärkung der Bildungskompetenzen unterbreitet werden. Das alles wird konkret in unterschiedlichen Projekten realisiert von Deutschkursen bis zur Volkstanz- und Musikgruppe. Doch dabei will der Verein nicht stehen bleiben, vielmehr soll es zukünftig auch auch um Lösungsansätze bei Ehrenmorden, Zwangsheirat, Rassismus Erziehungs und Familienproblemen, Armut, Drogen und Gewalt gehen. Der Verein wurde 1974 gegründet, seit den 90igern ist er im Bildungsbereich aktiv und versteht sich ausdrücklich nicht als Heimatverein. Das Berliner Partizipations- und Integrationsgesetz wurde als Schritt in die richtige Richtung eingeschätzt, die unklaren Aufenthaltsverhältnisse sind häufig ein Problem imrRahmen von Hilfsmaßnahmen.

Danach ging es zu Ab Queer e.V. einem Zusammenschluss dreier Projekte zu lesbischer, schwuler und transgender Lebensweise. Diskriminierung auf Grund der Lebensweise oder der Tatsache lesbisch, schwul oder transgender zu sein ist immer noch eine alltägliche Erfahrung. Leider. Durch Aufklärung versucht ab Queer e.V. Vorurteile abzubauen, im Rahmen des Projektes Teach Out gibt es Fortbildungsseminare und Workshops für Lehrer/innen und pädagogische Fachkräfte und im Rahmen von Inbetween gibt es die Möglichkeit für individuelle Beratung. Filmabende, Diskussionen oder Lesungen werden auf der Homepage angekündigt. Hier wurde vor allem Bedarf geäußert das Transsexuellengesetz umfassend zu überarbeiten. Bei den bis zu 100 Veranstaltungen im Jahr an Schulen kann konstatiert werden, dass der Informationsstand deutlich verbessert ist, aber nur wenn auch die Schulleitungen sensibilisiert sind kann Diskriminierung begegnet werden. Interssant war für mich bestätigt zu bekommen, dass es zwar zunehmend bekennende schwule Lehrer gibt, aber kaum bekennende lesbische Lehrerinnen. Um unterschiedliche sexuelle Identitäten und Lebensweisen wirklich zum Alltag werden zu lassen sind aber noch mehr -selbstverständliche- Informationen nötig, beispielsweise auch in den Schulbibliotheken.

Der nächste Punkt der Tour war komsu e.V. eine interkulturelle Tagesstätte. Hier wird interkulturelles Zusammenleben von Kindesbeinen an gelernt, etwas was es noch viel mehr geben müsste. Bei Komsu sind 1/3 deutsche, 1/3 türkisch-kurdische und 1/3 binationale Kinder. Es gibt eine türkische und eine deutsche Mitarbeiter/in pro Gruppe, christliche und moslemische Feste werden gefeiert und in einem Sprachlerntagebuch werden die Sprachfortschritte der Kinder während der gesamten Kitazeit dokumentiert.

Weiter ging es zu Frau und Beruf e.V. einem speziellen Angebot um den Anteil von Frauen im Berufsleben zu erhöhen und damit auch finanzielle Unabhängikeit zu gewähren. Frauen erhalten die Möglichkeit sich individuell zu Fragen der beruflichen Orientierung beraten zu lassen, es wird eine Berufswegeplan erstellt und vieles, vieles mehr.  In verschiedenen Workshops und Gruppen werden die Frauen auf das Berufsleben vorbereitet. Das interessante an diesem Projekt war, dass es 1978 entstanden ist aus einer Vereinigung von autonomen Frauen und Pfarrerinnen. In der Beratung zur beruflichen Orientierung gibt es vor allem viele Akademikerinnen, die mehr oder weniger freiwillig den Weg in die Freiberuflichkeit wählen müssen. Hier wurde sehr deutlich gesagt, dass ein Mindestlohn eine wichtige Voraussetzung ist und auch ein vernünftiger öffentlich geförderter Beschäftigungssektor vielen helfen würde. Der jetztige sei ja bedauerlicherweise auf 2 Jahre befristet.  Für Gleichberechtigung von Frauen auch auf dem Arbeitsmarkt sei der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen ein wichtiger Punkt.

Die letzte Station des heutigen Tages war das Paul-Gerhardt-Werk. Hier haben die Mitarbeiter/innen seit Mitte Juli die Räume des ehemaligen Chip 36 übernommen und sind immer noch bei der Herrichtung des Hauses. Danach sollen gemeinsam mit den Nutzer/innen konkretere Ideen für Freizeitangebote entwickelt werden. Aber es fehlt an allem. Geld für Computer ist nicht da und eine vernünftige Hausaufgabenhilfe kann derzeit auch nicht angeboten werden, es fehlen Mitarbeiter/innen. Hier wurde der Frust auf Politik besonders deutlich. Eigentlich wüssten doch alle, dass an Bildung, Jugend und im Sozialbereich nicht gespart werden dürfe und trotzdem machen es alle so.

Bei allem wurde eins klar: Integration kann nur stattfinden, wenn die deutsche Bevölkerung die Migrantinnen als Bereicherung wahrnimmt. Nicht die Anpassung an deutsche Normen kann das Ziel sein, sondern die kulturelle Vielfalt.

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