Damien Echols „Mein Leben nach der Todeszelle“

Bis vor kurzem sagte mir der Name Damien Echols nichts. Doch auf der Suche nach Urlaubslektüre stieß ich auf sein Buch „Mein Leben nach der Todeszelle„.  Eigentlich findet sich alles wichtige zum Fall Damien Echols unter www.wm3.org.

Damien und 2 Freunde saßen fast 20 Jahre unschuldig im Knast. Angeblich hatten sie 3 Jungen ermordet. Mittlerweile sind sie wieder frei. In dem Buch beschreibt Damien Echols sein Leben in der Todeszelle. Das Buch ist nicht einfach zu  lesen. Nicht weil die Zustände im Knast so erschreckend sind, sondern weil das Buch eine Mischung aus Kindheitserinnerungen, Tagebuch aus dem Knast und Reflexion dieser Zeit im Knast ist. Trotzdem ist es lesenswert. Eine der -für mich -zentralsten Passagen aus dem Buch lautet: „Ein normaler Mensch begeht keinen Mord. Fast siebzehn Jahre lang habe ich darauf gewartet, dass jemand durch die Tür kommt, mit dem ich ein Gespräch führen kann, aber das passiert einfach nicht. Die Gefangenen haben alle einen geistigen Defekt von leichter Zurückgebliebenheit bis zu extremer Schizophrenie. Andere stecken in einem Niemandsland zwischen Vernunft und Wahn. Geniale Verbrecher sind in diesen Fluren nicht unterwegs. Die meisten sind nicht nur kulturelle Analphabeten, sondern auch kaum in der Lage, sich in englischer Sprache auszudrücken. Ich habe noch keinen Gefangenen mit einem College-Studium kennengelernt, und die Highschool-Absolventen kann ich an den Fingern einer Hand abzählen. Fast alle stammen aus bettelarmen Verhältnissen, und die meisten sind auf diese oder jene Weise misshandelt worden. Kein Einziger wäre fähig in der Gesellschaft normal zu funktionieren, und sie werden es auch kaum lernen, solange sie in einer Zelle mit anderen eingesperrt sind, die genauso schlimm oder schlimmer sind. Ich habe noch nie eine Spur von `Rehabilitation` gesehen und auch kein Programm, das darauf abzielt.“ 

Sicherlich sind die Verhältnisse im deutschen Knast nicht mit denen in den USA vergleichbar. Aber das Buch regt an darüber nachzudenken, ob Knast wirklich eine Antwort sein kann auf Verbrechen und wie es auch hier mit „Resozialisierung“ im Knast aussieht.  Irgendwann stellt sich Echols -noch im Knast einsitzend- die Frage, was er sich wünschen würde. Die Antwort ist einfach: „Ich wünschte, ich würde wie ein Mensch behandelt.“

In jedem Fall ist das Buch eine Argumentation gegen die Todesstrafe. Kurz und gut: es sollte gelesen werden. 

 

 

4 Gedanken zu “Damien Echols „Mein Leben nach der Todeszelle“”

  1. na na Frau Wawzyniak, haben Sie Ihre leise Kritik an Gefängnissen und Justizsystem in den USA (war doch eine?) auch mit Ihren antideutschen Freunden abgesprochen, oder gibts da ab und zu mal ne dirigierte Freigabe?

  2. der kommentar wurde nur ausnahmsweise freigeschaltet, mit viel mühe erkennt man noch eine verbindung zum ausgangstext. im grunde bleibt es aber dabei, dass nur kommentare freigeschaltet werden die sich mit dem ausgangstext haben.
    and by the way: welch autoritäres verständnis :-(, welches aber viel über herrn raabe aussagt. er kann aber beruhigt sein: die große zensurabteilung hat den text nach langwierigen verhandlungen unter großen bedenken freigegeben 😉

  3. und wars nun eine (Kritik)? Wo bleibt eigentlich Ihr Aufmarsch vor der US-Botschaft um Analog zu Pussy Riot mal für einen Edward Snowden z.B. zu demonstrieren? Und natürlich hat das alles mit Ihrem obigen Thema zu tun.

  4. Der Artikel und die jüngsten Entwicklungen (Hetzjagden gegen Bradley Manning & Edward Snowden) zeigen das hässliche Gesicht des real existierenden Amerikanismus.
    Zu Guantanamo ließe sich nur sagen: Mr. Obama, open this gate. Mr. Obama, tear down this camp!

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