Woche gegen Homophobie auch in Cuba

Dieses -auch für mich- überraschende Ergebnis brachte ein Gespräch, welches ich heute gemeinsam mit meinem Kollegen Stefan Liebich mit Mariela Castro-Espin führte.

Erfrischend offen debattierten wir mit ihr die Frage der Gleichstellung von Homosexuellen und Transsexuellen in Cuba. Als Direktorin des Nationalen Zentrums für sexuelle Aufklärung ist sie in dieser Hinsicht ausgesprochen aktiv. Sie berichtete uns, dass Ender der 90iger Jahre die Arbeit zur Sensibilisierung für das Anliegen sexueller Vielfalt vorangetrieben wurde und nunmehr erste Erfolge zu verzeichnen sind.  Im Jahr 1997 wurde die Strafbarkeit homosexueller Handlungen aus dem StGB entfernt, es läuft eine Debatte das Familiengesetzbuch dahingehend zu ändern, dass die Ehe nicht allein zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann. Ihr Ziel sei -egal ob am Ende das Ding Ehe oder Partnerschaft heißt- eine vollständige Gleichstellung der verschiedenen Beziehungsformen. Es gibt Widerstand gegen diese Idee, nicht nur von der Kirche. Im nächsten Jahr soll im cubanischen Parlament ein Vorschlag für ein Lebenspartnerschaftsgesetz eingebracht werden, welches für die Lebenspartnerschaft die gleichen Rechte vorsieht wie für die Ehe. Aus Sicht von Mariela Castro-Espin wird dazu aber noch einige Überzeugungsarbeit nötig sein, Mithilfe ist dabei gern gesehen :-).

Mariela Castro-Espin warb darum beim Thema Gleichstellung aller Lebensweisen die Bevölkerung mitzunehmen und erklärte, dass es durchaus innerhalb der Gesellschaft auch kritische Stimmen gegen das Vorhaben gibt. Vor diesem Hintergrund glaube sie, dass beispielsweise ein CSD in Havanna das Gegenteil dessen bewirken würde, was er beabsichtigt. Ein solcher CSD würde sicherlich nicht angegriffen werden, aber er würde Vorbehalte reproduzieren und so dem Anliegen eher schaden. Stattdessen setze sie auf eine ständige Konfrontation der Bevölkerung mit dem Thema sexuelle Vielfalt. Höhepunkt dieser Aktivitäten ist die seit 2008 jährlich stattfindende Woche gegen Homophobie um den 17. Mai herum. Mit Ausstellungen, Lesungen und Filmen wird die Sensibilisierung für das Thema vorangetrieben. Auch bei diesen Aktivitäten jedoch gibt es nach wie vor Beschwerden. Interessant aus meiner Sicht war ihr Blick auf die „Bewegung“ in Cuba aber auch insgesamt. Sie kritsierte sehr deutlich das auch dort vorhandene Patriarchat. Sowohl Lesben als auch Transsexuelle stehen innerhalb der Bewegung, die für die Gleichstellung aller Lebensweisen eintritt eher in der zweiten Reihe.

Zum Schluss deutete Mariela Castro-Espin die Grundzüge eines geplanten Transsexuellengesetzes an, welches von ihr vorgeschlagen wird. Es sei ein medizinisches Zentrum für Transsexuelle gegründet worden und ihr Vorschlag sieht eine integrale Regelung an vom Namensrecht bis zum Steuerrecht. Es soll nicht zwingend eine Operation für eine Geschlechtsumwandlung notwendig sein, ohne OP soll eine Namensänderung im Pass ermöglicht werden und in den Schulen soll das Thema sexuelle Identität behandelt werden.

Erfrischend anders als bisher erlebt war dieses Gespräch und besonders gefreut habe ich mich über die Aussage, dass eine sozialistische Gesellschaft eine Diskriminierung auf Grund der sexuellen Identität nicht zulassen dürfe.  Sicherlich wäre noch viel mehr zu bereden gewesen, aber irgendwann war die Zeit um.

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