100 Euro für ein Votum

… oder der Verfall der Sitten in der Partei.

Mein Wochenende verbrachte ich in Leipzig. Dort tagte die 800 Männer- und Frauen starke Bundesarbeitsgemeinschaft Friedens- und Internationale Politik, mit ca. 80 Leuten. Möglicherweise liegt die geringe Beteiligung daran, dass eine der mitgliederstärksten Landesarbeitsgemeinschaften, nämlich die in Hessen, sich im Wahlkampf befindet, möglicherweise aber auch daran, dass es vorwiegend Funktionären möglich ist an der Veranstaltung teilzunehmen, weil die Fahrtkosten nur auf Antrag und nur solange das Geld reicht für Niedrigverdiener/innen und Hartz IV-Empfangende, Schüler/innen und Student/innen übernommen werden.

Der ganze Spaß, den ich aus privater Tasche zahlen werde, hat mich also etwas mehr als 100 EUR gekostet. Aber aufgrund des ganz großen Kinos hat sich das Preis-Leistungs-mäßig echt gelohnt. 😉

Am Ende steht ein Votum der BAG für Tobias Pflüger auf der Liste zum Europaparlament. Eigentlich ein gutes Recht einer BAG Menschen für Listen vorzuschlagen und Tobias hätte es auch verdient in einem sauberen Verfahren ein Votum zu erhalten. Nur leider war dies nicht der Fall, sondern das Verfahren ist äußerst angreifbar.

Was ist passiert? Der Vorschlag für die Liste zum Europaparlament war seit Dienstag bekannt, nicht nur die jw hat auf die Nichtberücksichtigung von Tobias Pflüger hingewiesen. Es wäre also ein leichtes gewesen den Antrag ein Votum für Tobias abzugeben zum vereinbarten Antragsschluss am Donnerstag um 18 Uhr einzureichen. Dann hätten alle potentiellen Mitglieder gewusst, was auf dem Treffen passiert, man hätte auch noch andere Kandidaten vorschlagen oder gar einladen können. Das alles geschah aber nicht, bis Sonntag 12.30 Uhr war völlig unklar, dass es überhaupt ein Votum geben soll.

Unter dem Punkt „Anträge“ nach einer schon ziemlich hitzig verlaufenden Debatte wurde völlig überraschend ein Initiativantrag verlesen, mit dem Begehr Tobias Pflüger für die Europaliste mit einem Votum der BAG FiP auszustatten. Der Hinweis darauf, dass dies formal ein wenig problematisch ist (Mitglieder waren bereits abgereist, es war überhaupt nicht klar das ein solch wichtiges Anliegen Gegenstand der Tagung ist) wurde weggebügelt. Auch fand kein Gehör, dass weitere Mitglieder der BAG die für das Europaparlament kandidieren wollen (Helmut Scholz, Wilfried Tellkämper, Dominic Heilig, Michael Effler) ebenfalls auf der Sitzung anwesend waren und es ja sinnvoll sei, sich auch zu diesen zu verhalten bzw. auch diesen ein Votum zu geben.  Nein, keine Debatte über andere Personen, nicht einmal die Möglichkeit der Vorstellung der inhaltlichen Punkte die sie vertreten, durchstimmen war angesagt.

Bedauerlich, dass die Sitten so auf den Hund gekommen sind und bedauerlich vor allem, das damit Tobias Persönlichkeit beschädigt und das Votum der BAG entwertet wurde.

3 Gedanken zu “100 Euro für ein Votum”

  1. Möglicherweise liegt die geringe Beteiligung auch daran, dass es ein familienfeindlicher Scheißtermin war. Ich war auch da, aber irgendwie bin ich nicht nur zum Stimme einwerfen hingefahren, sondern um an der politischen Debatte teilzunehmen, war mir irgendwie wichtiger, Vielleicht erklärt die geringe Beteiligung an solchen Debatten durch die anderen Kandidaten, die sich jetzt gerne das Label BAG FiP auf die Brust schreiben, dass ihre Popularität sich in Grenzen hält. Aber das ist nur ne Vermutung. Ich freu mir nen Ast über die eindeutige Unterstützung des stärksten Antikriegskandidaten, den wir haben!
    P.S.: Wenn ich mir das Budget der BAG ansehe (1500 per anno) würde ich gern wissen, wie man sich die Finanzierung aller Fahrtkosten durch die BAG vorstellen darf? Und ob auch du so bettelarm bist, dass dir die 100 € ein Riesenloch in die Kasse reißen? Ich meine, ich hab Familie und mir den Spass auch 60 € kostenlassen, aber öffentlich drüber jammern ist nicht so mein Ding. Mich hat keiner gezwungen.

  2. @ Paul,

    der Termin war Scheiße, genauso wie die Tatsache, dass man den Termin durchgezogen hat, trotz Wahlkampf-Aktivitäten in Hessen. Ich fahre deshalb im Januar nach Hessen.

    Ein bisschen schwierig finde ich es schon, Leuten die seit Jahren AG FiP machen (Dominic und Helmut) jetzt das Label FiP absprechen zu wollen.

    Ich bin gern bereit die 100 EUR zu zahlen, meine Erfahrung ist eh, dass man draufzahlt wenn man Politik macht.

    Ich habe auch nichts gegen das Votum, ich habe etwas gegen das Zustandekommen des Votums. Statt einfach das Votum unangreifbar zu machen und bis zum Antragsschluss den Antrag auf ein Votum einzubringen dies unter dem Punkt Initiativanträge aus den Arbeitskreisen zu machen entwertet leider das Votum an sich. Das ist traurig.

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