Dilemma

Vor allem in den Groß- und Universitätsstädten fressen die Mieten die Löhne auf. Bezahlbarer Wohnraum ist kaum noch zu finden. Es besteht eine doppelte Herausforderung: Den Anstieg von Mieten zu stoppen und ausreichend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

In Berlin soll nach einem Votum der Berliner:innen Grund und Boden großer Immobilienunternehmen vergesellschaftet werden. Eine gute und unterstützenswerte Sache, die aber keine neue Wohnungen schafft. Soll sie auch nicht. Mit ihr soll auf die Mietpreisentwicklumg in der Stadt Einfluss genommen und für Bestandsmieter:innen Wohnraum zu einem bezahlbaren Preis gesichert werden. Vor allem aber wird damit Grund und Boden der privaten Verfügungsgewalt  großer Immobilienunternehmen entzogen und einer gemeinwirtschaftlichen Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Neben der Vergesellschaftung gibt es aber auch noch weitere Mittel auf Mietpreise Einfluss zu nehmen – von anderen gesetzlichen Regelungen zur Mietpreishöhe bis hin zu Vereinbarungen mit Landeseigenen (oder Kommunalen) Wohnungsunternehmen.

Bleibt also noch das Problem des ausreichenden bezahlbaren Wohnraums. Und ein damit zusammenhängendes weiteres Problem. Wohnungsneubau geht derzeit vorwiegend mit einer schlechten C02-Bilanz, Nachverdichtung und/oder Flächenversiegelung. Alles ökologisch eine Katastrophe. Im  Spiegel dieser Woche habe ich folgende  Aussage gefunden: „Jede verbaute Tonne Zement verursacht im Schnitt 0,8 Tonnen CO2-Äquivalente, die gängige Einheit für Treibhausgase. Für jede Tonne Rohstahl sind es 1,37 Tonnen Treibhausgase, für jeden Kubikmeter Maurerziegel 0,5 Tonnen.“ 

Es besteht also ein Dilemma: Notwendiger neuer bezahlbarer Wohnraum trifft auf die Notwendigkeit gegen den Klimawandel zu kämpfen und klimaneutral zu werden. Aus diesem Dilemma gibt es paternalistisch-autoritäre Lösungen (z.B. einen zulässigen Höchstwohnflächenverbrauch pro Person festzulegen), die aber glücklicherweise spätestens im Rahmen einer juristischen Verhältnismäßigkeitslösung unzulässig sein dürften. Es könnte sich aber auf einen grundsätzlichen Flächenversiegelungsstopp geeinigt werden und eine ausnahmsweise Neuversiegelung von Flächen besonders begründungsbedürftig gemacht werden. Aber auch das hilft ja nicht wirklich weiter, wenn bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden muss.

Wenn ich nun die Debatten richtig verstanden habe, ist es aus ökologischen Gründen auch nicht so  richtig toll, nach oben zu bauen. Was also tun? Im bereits genannten Spiegel-Artikel heißt es: „Rund 350.000 Wohnungen ließen sich in ehemaligen Büros und Verwaltungsgebäuden schaffen und das in den Kernlagen deutscher Städte, wie eine Studie für die Wohnungswirtschaft ergab.“ Wäre es dann nicht auch eine Idee zusätzlich zu schauen, in welchem Umfang auch (nicht benötigte) Hotels umgewidmet werden können? Vielleicht kann ja jeweils vor Ort mit einer Bestandsanalyse des Potentials dieser Umwidmung angefangen werden, um daraus dann ein Konzept zur konkreten Umwidmung zu entwickeln.

Wenn das aber nicht ausreichend ist, stellt sich mir eine weitere Frage. Wenn -wie oben beschrieben- die CO2-Bilanz des Neubaus so beschissen ist, könnte dem mit Wohnungsbau durch 3D-Druck abgeholfen werden? Soweit ich das recherchieren konnte, ist die CO2-Bilanz deutlich besser. Aber ich bin da keine Expertin und vielleicht liege ich da auch falsch und vielleicht sind mit 3D-Druck auch gar keine mehrstöckigen Mehrfamilienhäuser baubar. Ein 3D gedrucktes Haus benötigt darüberhinaus aber am Ende auch Fläche und schon ist das Flächenversiegelungsproblem wieder da  – und damit das Dilemma.

Ich fürchte es ist ein großes gemeinsames Anstrengung vieler kluger Köpfe notwendig um das Dilemma aufzulösen.

 

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