Nach jeder Wahl gibt es die gleichen Aussagen. Politiker*innen aller Parteien sprechen davon, dass sie ihre Wähler*innen gewonnen oder verloren haben und dass es darum geht „unsere“ Wähler*innen wiederzugewinnen oder zu halten.

Das Wort „unsere“ macht nun einen Eigentums- oder Besitzanspruch deutlich, der m.E. ein wesentliches Element von Wahlen verkennt. Ein wesentliches Element von Wahlen ist, dass mit jeder neuen Wahl die Wähler*innen neu gewonnen werden müssen. Es gibt kein Abo auf ein Kreuz bei Wahlen. Ich kann mit meiner Politik Wähler*innen verlieren oder hinzugewinnen. Und die Wahlentscheidung für eine Partei hat bei den Einen den Grund X und bei den Anderen den Grund Y. Ein Verständnis von einer monolithischen Wählerschaft für Partei Z oder Partei A verkennt aus meiner Sicht die Differenzierungen innerhalb der Gesellschaft und politischen Einstellungen.

Um es mal praktisch zu machen: Für mich war bei der Europawahl entscheidend, ob eine Partei ein klares Bekenntnis zu Europa abgegeben hat. Ich selbst…