Runder Tisch Senioren

Der Runde Tisch Senioren tagte in der neuen Bezirksbibliothek in der Frankfurter Allee Für Ortskundige: ja die umgebaute ehemalige Schule, die aber als solche nicht mehr erkennbar ist. 2008 wurde das Gebäude vom Liegenschaftsfond auf den Bezirk zurückübertragen und das hat sich gelohnt. Die Bibliothek besitzt 100.000 Medien mit ca. 100 Arbeitsplätzen. Im ganzen Haus gibt es W-Lan und der Internetzugang ist kostenlos. Sie besteht aus vier großen Räumen, es gibt ein Cafė und Veranstaltungsräume. Doch bevor ich noch mehr ins schwärmen komme zurück zum Runden Tisch Senioren.

Dort wurden erste Schlussfolgerungen aus einer Studie vorgestellt, bei der 15.000 Senioren/innen (Menschen über 50, also auch zukünftige Senioren/innen) befragt wurden. Die Fragen gingen von gesundheitlicher Versorgung über Einkommen und Wohnsituation bis hin zum kulturellen Angebot. Die Senioren wurden mittels Zufalls ermittelt. Im Bezirk wird eine Konzeption zur Gestaltung eines seniorengerechten Bezirkes erarbeitet werden. Diese soll Mitte des Jahres vorgelegt werden. In der Gruppe der 50 bis 65jährigen ist beispielsweise -nicht wirklich neue Erkenntnis- eine verfestigte Langzeiterwerbsarbeitslosigkeit festzustellen, was zu einer erheblichen Altersarmut führen wird, wenn sich nichts ändert. Es müssen darüber hinaus Ideen und Möglichkeiten gefunden werden auch Angebote für Senioren/innen mit Migrationshintergrund zu entwickeln. Überraschenderweise gab es Zufriedenheit mit dem Angebot von Ärzten/innen und dem ÖPNV. Eine große Aufgabe wird sein genügend bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, was aber der Bezirk sicherlich nicht allein gewährleisten kann. Von den Senioren/innen ist vor allem ein Austausch mit der Generation der Berufstätigen gewünscht. In diesem Jahr wird es wieder eine Seniorenkonferenz geben. Etwas wichtiges will ich nicht unerwähnt lassen: Senioren/innen sind bei der Bereitschaft zum Ehrenamt Spitze. Das ergeben zumindest die Zahlen, sie sind natürlich auch sonst Spitze.

Obwohl nach der Umfrage eine hohe Zufriedenheit mit dem ÖPNV zu verzeichnen war, gibt es hier -so zeigte die Diskussion- noch erhebliche Probleme mit der Barrierefreiheit von Bahnhöfen. Das betrifft zum einen die S-Bahn, die gerade im Bezirksteil Kreuzberg oft die Verbindung in den Süden Berlins darstellt. Aber auch die U-Bahnhöfe sind ein Problem. So gibt es zwar in der Frankfurter Allee einen Fahrstuhl, aber auf dem Rest der Strecke der U5 nicht und in Kreuzberg fehlen sie fast vollständig, auch bei Umsteigebahnhöfen wie Hallesches Tor. Hier sind die BVG und die S-Bahn gefragt, aktiv zu werden

Ein weiterer Debattenpunkt war das Vorhandensein (oder eben nicht) von Freizeiteinrichtungen, nicht allein für Senioren/innen sondern auch für Treffen mit anderen Generationen. Dazu sind aber passende Örtlichkeiten erforderlich, die erst einmal gefunden werden müssen. Die eine oder andere Idee wurde aber geäußert und vom Bezirksstadtrat Knut Mildner-Spindler auch notiert.

Und falls hier Senioren/innen mitlesen: Im Oktober ist Wahl zur Seniorenvertretung, mischen Sie sich ein!

Keine Diffamierung, nur Mäkelei

Eigentlich ist es ein Tag zum freuen. Da wird der JMStV im Landtag von Nordrhein-Westfalen abgelehnt und ist damit erledigt. Doch irgendwie kommt bei mir keine Freude auf. Warum? Es ist wiedermal die innerparteiliche Debatte :-(.

Im Plenum sitzend las ich dieses Interview des ehemaligen Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine. Da hat die LINKE gerade festgestellt, dass sie verschiedene Kernthemen hat und dazu zählt u.a. die Demokratie. Unumstritten dachte ich bisher. Doch was soll mir diese Aussage sagen? „In diesem Jahr standen die Themen nicht so sehr im Vordergrund. Darüber wird im Ausland bereits gespottet. In fast allen europäischen Hauptstädten wird gegen Sozialabbau demonstriert. In Deutschland wird gegen Stuttgart 21 und die Castortransporte auf die Straße gegangen. Im Zuge der Banken- und der Euro-Krise wird die soziale Frage wieder in den Vordergrund rücken“ Die Deutschen demonstrieren also falsch? Aber holla. Der Protest gegen Stuttgart 21 und Castortransporte ist nicht wirklich relevant? Irgendwann wird auch wieder für „das richtige“ demonstriert? Nein, das sehe ich anders. Diese Art von Diskreditierung demokratischen Protestes ist nicht angemessen.

Doch damit nicht genug. Ich lese weiter: Die von den Medien mal als Reformer, mal als Pragmatiker bezeichnete Gruppe hat bisher keinen einzelnen erwähnenswerten Reformvorschlag gemacht. Diese Gruppe macht bedauerlicherweise nur durch Mäkelei an der Partei und ihrer Führung von sich reden.“

Lieber Oskar, diese Behauptung wird auch durch Wiederholung nicht richtiger. Ich empfehle an dieser Stelle lesen. Ich fange mal mit einer Reihe von Reformvorschlägen erarbeitet von Reformern und Pragmatikern an, dabei beginne ich natürlich mit meinen eigenen ;-): Vorschlag zum Wahlrecht (mehrfach hier verlinkt), kostenloses W-Lan in öffentlichen Einrichtungen, nachdenken über steuerfinanzierte Solidarsysteme, öffentliche Debatte nach erster Lesung von Gesetzentwürfen z.b. im Internet und Berücksichtigung der Vorschläge im weiteren Gesetzesverfahren, Parteispenden von juristischen Personen verbieten, ÖBS, Partizipations- und Integrationsgesetz, Staatsleistungen der Kirchen in Frage stellen, Informationsfreiheitsgesetze ändern, gleiche Versorgungsleistungen für gleichgeschlechtlich lebende Beamte…

Selbstverständlich ist die wiederholte Aussage von Oskar über mangelnde Reformvorschläge keine Diffamierung, denn „Es sollte doch selbstverständlich sein, dass man nicht Mitglieder der eigenen Partei oder die ganze Partei diffamiert.“ Von daher muss auch niemand Angst davor haben – denn bei den Äußerungen handelt es sich garantiert nicht um eine Diffamierung sondern lediglich um eine Mäkelei.