Mister President

Zu meinem Geburtstag hatten sich die amerikanischen Gastgeber etwas ganz besonderes ausgedacht. ;-) .

Früh am Morgen ging es los in die Libary of Congress. Bisher dachte ich immer, der Bundestag hat die schönste Bibliothek. Aber weit gefehlt. Diese Bibliothek ist umwerfend. Man kommt in den Raum und denkt man ist in einer Kirche. Jeden Tag kommen dort 10.000 Bücher an, welche katalogisiert werden müssen. Unser Bibliotheksführer war ein liebswerter, deutsch sprechenden Freak, der uns am Ende wunderschöne Mappen gab, mit dem Logo unsere Geburtsstadt, den dazugehörigen historischen Ereignissen und Hinweisen auf eventuelle Verwandte. Wirklich rührend und ihm gebührt ein Riesendank dafür, den wir leider nicht direkt aussprechen konnten, weil wir schon wieder zum nächsten Termin hetzten.

Unser nächster Termin war die Verleihung der Congressional Gold Medal, der höchsten zivilen Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Laudatoren u.a. Nancy Pelosi und (Achtung!) G.W. Bush. Bevor man allerdings die wunderschöne Rotunde des Capitol betreten konnte, musste man durch den Sicherheitscheck und wir sind vorgewarnt worden: Keine Wasserflaschen, Wasserflaschen sind eine Bedrohung für den Präsidenten. Also halt keine Wasserflaschen, aber dafür ein Feuerzung mit reingenommen. :-)

Wer geehrt wurde schreibe ich lieber nicht, auch nicht warum, sonst gibt es Ärger mit den Gegnern der Gentechnik. Die ganze Maßnahme war dann ausgesprochen lustig. Nicht nur, dass Mr. President bei der Nationalhymne nicht mitsingt, nein er war auch ansonsten irgendwie relaxt und nicht so richtig ernst. Doch bevor es losging gab es erst mal eine Militärparade. Kenn ich von irgendwoher, ganz früher ;-) . Schließlich gab es ungefähr 10 Reden zur Ehrung, alle aber erstaunlich kurz. Vorn auf der Bühne saßen ca. 9 alte Männer und Nancy Pelosi, also ungefähr 1000 Jahre Amerika. ;-) Mein Protest zur Rede von Mr. President drückte sich in einem gemurmelten ”Shame on you” und der Verweigerung des Klatschens aus. Nebenbei habe ich mir den Typen, der in seiner Rede einen Witz nach dem anderen riss, ein wenig angeschaut. Der Blick ist der eines … (Ich schweig jetzt lieber, ich will schließlich gesund wieder nach Hause kommen). Bei der Gelegenheit fällt mir ein, dass sich schon mal alle darauf vorbereiten sollten, dass ich in einigen Jahren diesen Preis bekommen werde, wenn nämlich Tara und Sara das auf meine Empfehlung getrunkenen Banannenweizen so bekannt machen in Amerika, dass ich wegen besonderer kultureller Leistungen -Einführung des Banenweizen in den USA- ausgezeichnet werde. *schnell wegduck*

Nach alldem ging es unterirdisch und mit einem Kurzzug (erster Wagen nur für Abgeordnete!) zum wissenschaftlichen Dienst. Auf dem Weg begegnete uns eine Situation, von der ich dachte es gibt sie nur noch im Film. Auf einem Stuhl, Zeitung lesend, saß ein dicker Mann und ließ sich wirklich die Schuhe putzen. Absurd.

Wer in Amiland im übrigen die Toilette sucht, sollte das Wort “Restroam” verwenden. Aber das nur nebenbei.

Danach gab es Termine bei den Republikanern und Demokraten. Das Büro der Republikaner ist richtig Amerikanisch und wenn meine Mitreisenden mir noch die Fotos schicken, bin ich sogar am Rednerpult zu sehen :-) . Der Republikaner machte deutlich, dass ihn Nichtwähler nur interessieren, wenn sie garantieren, beim nächsten Mal Republikaner zu wählen. Sein Wappentier ist ein Elefant, weil der nichts vergisst. Die Themen richten sich nach den Umfragen. Alles in allem der Eindruck, man weiß, dass man verliert, aber man versucht es noch irgendwie zu verhindern. Die Demokraten wiederum fingen mit einer lustigen Geschichte an, nämlich wie junge Menschen in der Pampa die Partei finden. Für alle Blogleser/innen der Partei DIE LINKE, das ist wie bei uns wenn man in eine Basisgruppe kommt. :-) . Danach jedoch fand eine Agitationsveranstaltung statt, in der weniger die interessierenden Fragen gestellt werden konnten, als erklärt wurde, wie toll die Demokraten sind. Schade eigentlich. Alles in allem sind hier die wichtigsten Themen: Irak, Einwanderungsgesetz, Gesundheit und ein wenig Klimawandel (für die Republikaner ist letzteres kein Thema).

Danach dann zu den Lobbyisten. Ziemlich spannend mal zu hören, wie so ein Lobbyistenleben abläuft, aber eher was für Erzählungen, denn für Blogs. Ausserdem muss ich in die Kneipe :-) .

Der Abend klang (vorläufig) aus in einem schicken Bio-Restaurant. Das gibt es Fische die nur mit der Angel und nicht mit dem Netz gefangen werden und Eier von freilaufenden Hühnern. Ich finde ein gerechter Ausgleich, angesichts der Ehrung am Vormittag ;-) . Den Lacher des Tages erntete aber Beth Ehemann, der auf seinen sehr “neumodischen” Schlips angesprochen meinte: It is Retro. Bis wir dusseligen Deutschen begriffen hatten, das Retro Retro heißt, lag der Amerikaner schon längst unter dem Tisch.

Ich gehe jetzt noch ein Bier trinken (und vor die Tür rauchen), mehr morgen.

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