Verboten!

Der gestrige Abend -ich bin das dem/der geneigten Leserin schuldig- endete tatsächlich mit nur einem Bier. Dafür aber auch mit der Erfahrung, dass Reiseführer nicht immer lügen. Tatsächlich musste ich am Eingang zur nächstgelegenen Bar meinen Ausweis vorzeigen. Am Anfang dachte ich ja noch, dass ich mich gut gehalten habe und deshalb vielleicht der Einlasser meinte, ich sei noch keine 18 Jahre alt. Aber weit gefehlt, der durchaus umfängliche – um nicht zu sagen dicke- Mann hinter mir, dem seine mindestens 45 Jahre deutlich ins Gesicht geschrieben standen, musste ebenfalls einen Ausweis zeigen. Nachdem ich diese Hürde überwunden hatte, wollte ich zu meinem Bier noch eine Zigarette rauchen. Selbstverständlich geht das aber nur außerhalb der Bar. Also Bewegung Richtung Ausgang. Doch bevor ich draußen war wurde mir erstmal das Bier abgenommen, denn draußen darf nicht getrunken werden. Also erst rauchen, dann wieder rein und dann weiter Bier trinken. :-( . Kein Wunder das nach einem Bier Schluss war.

Heute früh bekamen wir dann eine Führung durch das Capitol. Und oh Wunder, tatsächlich hat der Amerikaner auch Büros mit Fenster. Gestern hatten wir diesen Glauben schon fast verloren, denn überall wo wir waren, gab es keine Fenster. Mich wundert überhaupt nicht mehr, was hier an Politik rauskommt, wenn ich in einem Büro ohne Fenster arbeiten müsste, wer weiß, wer weiß…

Zur Besichtigung des Capitols gehörte auch ein Besuch einer Sitzung des Senates. Köstlich. Das Ding ist genauso voll wie der Bundestag zu später Debattenstunde. Es ging um das völlig “unwichtige” Thema Irak und es waren doch tatsächlich zwei (ich habe mich nicht verschrieben!) Senatoren anwesend. Einer von den Demokraten und einer von den Republikanern. Gesprochen wird übrigens vom Platz aus, dazu hat man ein Pult. Der Präsident des Senates liest irgendwas und alles erinnert eher an eine Gerichtsverhandlung -so wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt- denn an ein parlamentarische Demokratie. Die Stenografen haben einen Sche***-Job, denn sie müssen mit einem Gerät, was aussieht wie eine mechanische Schreibmaschine vor dem Redner stehen und mittippen. Im übrigen ist es dem Zuschauer dort verboten zu lesen und zu schreiben. Aber was solls, er kann sich ja mit den unter dem Zuschauersitz befindlichen Gasmasken beschäftigen :-) . Die Sicherheitshysterie wurde da noch einmal besonders deutlich.

Der Rest des Tages ging mit Gesprächen dahin. Verwundert hat mich, dass einer der Mitglieder des House of Representativ von den Demokraten, der eigentlich einen fitten Eindruck gemacht hat (immerhin hat er Abu Graib als Folter bezeichnet) von dem Stress mit der Fluggastdatenübermittlung, den Europa mit den USA hat, nichts wusste. Naja, dann weiß er es jetzt. Beim Mittagessen konnte ich erleben, wie es möglich ist, bei dem Versuch einen bekleckerten Schlips zu reinigen, den Fleck nur noch auffälliger zu machen. Ich hoffe für den Congressabgeordneten -dessen Namen aus Gründen des Anstandes ich hier nicht nennen werde- das er keinen Medientermin mehr hatte oder einen zweiten Schlips.

Pech hatte unser Amerikanischer Kollege Rayan, der aufgrund einer geschlossenen Frauen-Toilette sämtliche weiblichen Mitglieder unserer Gruppe zum nächsten Frauen-Clo bringen und dann noch davor warten musste, bis wir fertig waren.

Bevor es an das abendliche Essen ging, gab es ein paar ganz wenige Stunden um die Geschenkeliste abzuarbeiten. Dazu benutzte ich die Subway. Die erste Schwierigkeit bestand darin, ein Ticket zu ziehen. Nach ca. 10 Minuten und dem produzieren einer Schlange gelang dies schließlich. Da aber die U-Bahnschranke offen war, dachte ich mir, ich bin besonders clever und gehe ohne das Ticket zu benutzen durch. Dass das aber mitnichten clever war, stellte ich beim Ausgang fest. Wer beim Eingang das Ticket nicht kontrollieren lässt, kommt auch nicht wieder raus :-( . Ist nichts mit schummeln hier. Normalerweise würde ich ja solche Schranken dann einfach überklettern. Aber da ich nicht wusste was passiert, fragte ich lieber den zuständigen U-Bahnbeamten. Dieser öffnete mir den Ausgang und wies mich freundlich darauf hin, dass beim nächsten Mal auch beim Einsteigen das Ticket zu benutzen ist. Na jetzt weiß ich es ja. Die Geschenke jedenfalls sind gekauft (bis auf ein ganz spezielles, aber das will ich in New York kaufen) und ich konnte beruhigt zum Hotel zurücklaufen.

Am Abend gab es noch ein schönes Essen in einem Grillrestaurant gegenüber vom Weißen Haus. Eine weitere kleine amerikanische Tradition wurde vorgestellt: Die Ketchupflasche wird in einem Winkel von ca. 47 Grad gehalten und es wird nicht am Ende der Flasche versucht mit Kraft den Ketchup aus der Flasche zu befördern sondern unmittelbar an dem Ort, wo der dünnere Flaschenhals beginnt. Als wir Deutschen das nicht so hunderprotzentig hinbekamen gab es den Spruch: Vielleicht ist noch der Deckel drauf. War er aber nicht und irgendwann klappte es dann auch.

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