Themenhopping

Gleich debattiere mich mit  mit Hugo Müller-Vogg bei Phoenix über die Aufnahme von Guantanamo-Häftlingen. Für diese Veranstaltung hatte ich immerhin Zeit mich einen Tag lang vorzubereiten, auch wenn ich die Hälfte davon damit verbrachte mich auf Niedersachsen Innenminister Schünemann vorzubereiten. Aber der kommt ja nun nicht.

Heute Vormittag hatte ich Geschäftsführenden Parteivorstand um danach mit weiteren Abgeordneten der LINKEN in Land und Bund der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit einen Besuch abzustatten.

Kurz im Büro reingeschaut ging es dann zur Veranstaltung „Mehr Frauen in die Aufsichtsräte – effektive Wege zum Ziel“, organisiert durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen in Berlin. Erfreulicherweise, aber auch nicht anders zu erwarten, sprach sich Senator Harald Wolf für eine verbindliche gesetzliche Regelung aus und ermunterte Frauen Ansprüche anzumelden. Die wirklich informative Veranstaltung wurde durch drei Referate bereichert und aus juristischer Sicht hat mir besonders der Vortrag von Herrn Prof. Joachim Wieland von der Deutschen Hochschule für Verwaltung in Speyer gefallen. Dieser legete nämlich detailliert dar, weshalb eine Quotenregelung aus seiner Sicht weder gegen die Verfassung noch gegen das Europarecht versößt.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion musste ich dann ran – auch wenn es nicht um juristische Themen ging. Dabei hatte ich mich gerade auf die juristischen Details ca. 2 volle Tage vorbereitet :-(. Mit Daniela Weber-Rey (Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex), Monika Schulz-Strelow (Präsidentin FidAR) und Dr. Beate Degen (Wirtschaftsjuniorin) diskutierte ich über die  Frage ob es wirklich eine gesetzliche Regelung braucht. Selbstverständlich argumentierte ich für die Position der LINKEN eine Gleichstellungsgesetz für die private Wirtschaft zu schaffen und eine 50%-Quote einzuführen. Das Ende der Bescheidenheit ist erreicht. Warum der Kodex nicht ausreicht wurde mir dann in der Diskussion bewusst – und hat mich furchtbar aufgeregt. Es meldete sich in einer Diskussion unter dem genannten Thema (noch mal: Mehr Frauen in die Aufsichtsräte – effektive Wege zum Ziel) ein Mann und meinte er müsse fünf Anmerkungen machen. Leider konnte ich nur drei mitschreiben, weil mir danach vor Fassungslosigkeit das Schreiben unmöglich war. Dieser Mann meinte also folgendes anzumerken (verkürzte Wiedergabe): Erstens braucht jemand der/die in einen Aufsichtsrat geht Kompetenz. Zweitens ist die Ausübung eines Aufsichtsratsmandates wirklich harte Arbeit. Drittens müsse man/frau sich entscheiden zwischen Karriere oder Familie. Nun ja, zuerst dachte ich noch es handelt sich um einen Autor der Zeitschrift Titanic oder es ist ein Team von Extra 3 im Saal. Aber nein. Der Mann meinte das wirklich ernst. Irgendwann hatte ich dann auch wieder das Mikrofon und polterte los. Eine solche Aussage zeige nur, weshalb hier eine gesellschaftliche Debatte notwendig ist. Alle drei Argumente hätte der gute Herr in einer Veranstaltung mit Männern garantiert nie gesagt. Weil es ihm nie in den Sinn gekommen wäre, solche Aussagen Männern gegenüber zu treffen. Und genau das ist das Problem.

So und jetzt dürfen nur Menschen (lobende) Kommentare schreiben, die mich noch von vor 15 Jahren kennen. Wer hätte damals gedacht, dass mich solche Argumentationsmuster auf die Palme bringen?

Ein Gedanke zu “Themenhopping”

  1. Da bin ich aber mit dir zusammen fassungslos. Hätte niemals gedacht, dass sich heutzutage überhaupt noch jemand traut, solche „Argumente“ laut auszusprechen. Das wäre selbst vor 20 Jahren schon mutig gewesen, heute wirkt es einfach nur verstaubt, ignorant und – enschuldige – dumm. Also, immer schön weiter „auf die Palme bringen lassen“ und mit vielen Fakten zurückschlagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.