Kiezrundgang

Der gestrige Tag hatte es in sich. Das Bundesverfassungsgericht entschied zur Sicherungsverwahrung (dazu an anderer Stelle mehr) und bevor ich bis zum späten Abend beim Bezirksvorstand verweilte, habe ich wieder einen Kiezspaziergang gemacht und diesmal drei Projekte in Kreuzberg besucht.

Eines der ältesten Projekte in Kreuzberg ist das Frauenzentrum Schokofabrik e.V. . Über die Geschichte des Projektes und die aktuellen Angebote kann sich sehr gut auf der Seite der Schokofabrik informiert werden, so dass ich hier keine langen Texte schreiben muss. Das Projekt -wie im übrigen viele andere- hat das Problem, dass die Festbetragsfinanzierung für die eigentliche Arbeit nicht ausreicht und darüberhinaus die bürokratische Verwaltung insbesondere bei der Antragstellung für konkrete Projekte viel Zeit und Aufwand bedeutet, der für die eigentliche Arbeit besser aufgehoben wäre. Diese ganzen Aufgaben lassen den Eindruck entstehen, dass es auch bewusst gewollt ist, das diese Art von Projekten eher zu Dienstleistungsbetrieben degradiert werden.

Auch das Projekt Strohhalm e.V. besteht mittlerweile schon 20 Jahre.  Das Projekt erhält hohe fachliche Anerkennung, die die Mitarbeiterinnen auch stolz macht. Doch diese Anerkennung schlägt sich nicht in einer Erleichterung der Arbeitsbedingungen nieder. 4 Mitarbeiter/innen teilen sich 2,7 Stellen – der Bedarf ist deutlich höher.  Auch hier wurde wieder deutlich, dass Unmengen an Zeit für die Beantragung von Projekten und die Suche nach weiteren Förderern und Förderinnen draufgeht.  Das Thema sexualisierte Gewalt sollte nach Auffassung der Mitarbeiterinnen dringend in den Ausbildungskanon von Erzieher/innen und Lehrer/innen aufgenommen werden um die Arbeit im Präventionsbereich zu erleichtern.

Danach war ich bei der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KiGA). Die Initiative ist im pädagogischen Bereich ebenso aktiv, wie im wissenschaftlichen Bereich und versucht auch den Kontakt zur Kommunalpolitik herzustellen. Mit der Initiative wurde vor allem das Problem sog. Modellprojekte debattiert. Das Problem hierbei ist, dass diese Projekte zunächst (Fehlbedarfs)finanziert werden und wenn sie richtig ins Laufen kommen und eigentlich die Erkenntnisse aus den Modellprojekten umgesetzt und die Arbeit verstetigt werden müsste die Finanzierung beendet wird. Hier stellt sich tatsächlich wieder die Frage der Nachhaltigkeit von Modellprojekten und bleibt die Forderung, dass gerade in diesem Bereich eine institutionelle Förderung dringend angebracht wäre.

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