Blog von Halina Wawzyniak

Sie kamen nicht durch – Dresden blieb nazifrei

Zurück aus Dresden eine Dankeschön an alle Menschen, die heute durch ihre Anwesenheit verhindert haben, dass der Nazi marschieren konnte.

6.30 Uhr ging es für mich los. Erster großer Demoeinsatz seitdem ich Abgeordnete bin. Kurz vor zehn waren wir am Hansaplatz, wo schon viele Menschen warteten. Ich hatte meinen Auftrag so verstanden, mit dem MdB-Ausweis an Stellen zu gelangen, wo andere nicht hinkommen um Infos zu sammeln , mit der Polizei zu verhandeln und zu deeskalieren. Schon das erste erwies sich ausgesprochen schwierig, wollte mich doch die Polizei nicht zum Albertplatz lassen.

Anti-Nazi-Demo Dresden

Nach längerem lamentieren und zetern gelang es dann schließlich doch und war im weiteren Verlauf des Tages auch kein wirkliches Problem mehr. Vom Albertplatz zurück zum Hansa-Platz konnten wir berichten, dass zu diesem Zeitpunkt keine 50 Nazis am Neustädter Bahnhof waren.

Als es wenig später am Hansaplatz ein wenig Ärger gab, bildete ich mit meinem Kollegen Michael Leutert ein Super-Team, dass auf Anforderung mal hier und mal da war. Bebend vor Wut mussten wir mit ansehen, wie jede Menge Nazis aus dem Neustädter Bahnhof zum Kundgebungsgelände geführt wurden – einzeln durchsucht. Es ist eine Geschmacklosigkeit, eine Frechheit die Nazis sich dort sammeln zu lassen, wo die Deportation von Jüdinnen und Juden stattfand. Nicht wirklich eine Erleichterung, dennoch eine Motivation für die Blockierer/innen war, dass wir die Nachricht überbringen konnten, dass die Durchsagen auf dem Platz vor dem Bahnhof waren, dass derzeit eine Demonstration nicht möglich ist.

Kaum bei der Blockade erhielten wir einen Anruf, dass bei der Schauburg in Neustadt eine Sitzblockade geräumt werden soll. Eiligen Schrittes begaben wir uns vor Ort und erreichten den Punkt der Räumung, als diese gerade begann. Wir versuchten noch auf die Polizei einzureden, riefen abwechselnd das wir den Einsatzleiter  sprechen wollen oder eine Kundgebung anmelden, aber die Polizei interessierte es wenig. Wir wurde auch rüde angerempelt und von der Blockade weggeschafft. Wenig später flog direkt an unserem Kopf eine Flasche vorbei. Der Einsatzleiter suchte zwar danach das Gespräch, aber da war es dann auch schon zu spät.

Wir wollten uns dann auf den Rückweg zur Blockade am Hansaplatz machen, doch zunächst wurden wir Zeuge, wie eine Mülltonne angezündet und die Feuerwehr am Löschen gehindert wurde :-(. Wenigstens hier blieb die Polizei aber friedlich.

Auf dem Weg zurück zur Blockade am Hansaplatz standen wir dann auf einmal ca. 50 Nazis fast direkt gegenüber, konnten aber dank schneller Beine das Weite suchen, um wenig später festzustellen, dass diese Nazis dankenswerter Weise von mehreren Antifas verfolgt wurden.

Irgendwo zwischen dem Versuch die Räumung zu verhinden und dem Nazi auszuweichen muss ich doch Pfefferspray oder sowas abbekommen haben, in jedem Fall fingen die Augen an zu tränen und das ist bei Kontaktlinsen nicht wirklich angenehm.

Zurück bei der Blockade am Hansaplatz wurde es dann langsam Zeit zurück nach Berlin aufzubrechen. Da bin ich jetzt auch wieder gut angekommen.

Ich finde diesen zivilen Ungehorsam, dieses Engagement von so vielen Menschen ermutigend. Es ist ein großer Erfolg, dass die Nazis nicht marschieren konnten. Ich glaube, dass das Zusammenspiel zwischen Blockierer/innen und „Springer/innen“ zu verschiedenen Stellen gut geklappt hat. Ich hoffe die Nazis haben Dresden als Aufmarschort ein für allemal abgeschrieben.

Ohne die vielen engagierten Demonstranten/innen, Blockierer/innen und Einwohner/innen wäre dies alles nicht möglich gewesen. DANKESCHÖN für diesen Einsatz.

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