“Hey, das ist mein Kaffee”

Das Leben ist manchmal hart. Der liebe M., der gute J. und der seit-gestern-wieder-mal-nachgerückte Z. (das ist der Mann, der in Berlin bei den Abgeordnetenhauswahlen immer der erste Nachrücker ist, weshalb wir ihn bei der nächsten Wahl auf den Platz 150 setzen werden, was heißt wir bekommen 149 Menschen sofort ins Abgeordnetenhaus) verteilten heute früh um 7.00 Uhr (die Revolution kennt keine Gnade!) am Ostkreuz unsere Bezirkszeitung.

Ja, wir sind auch auf der Straße und werben für unsere Politik, wenn kein Wahlkampf ist.

Zu solch einer Zeit ist natürlich Kaffee nötig. Der liebe M. besorgte ebenjenen. Da er seinen alten klapprigen Mercedes gut plaziert hatte, plazierten wir eben dort unseren Kaffee. Auf vier Ecken verteilt und mit einem freundlichen “Guten Morgen” wurden wir auch viele Zeitungen los. Zwischendurch wurde  Kaffee geschlürft. Als der liebe M. gerade ansetzen wollte, stürmte für sein Alter (über 60!) äußerst schnell J. auf ihn zu und erklärte lautstark: “Hey, das ist mein Kaffee.” Nur gut das der M. schon wach war. Andernfalls hätte diese Aktion sehr leicht dazu führen können, dass M. zwar seinen eigenen Kaffee getrunken hätte, zuvor aber J. Kaffee -wie in letzter Zeit häufiger das Bier- umgekippt hätte.

Vielleicht sollte die nächste Verteilaktion erst um 8.00 Uhr starten? Das würde Kaffeestreit verhindern.

Filbinger war ein Nazi

Und Herr Oettinger, der behauptet Filbinger war ein Gegner der Nazis, ist untragbar für einen Politiker. Entschuldigung hin oder her, ein Mann, der Todesurteile unterschrieben hat und noch 1978 behauptete: “Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein.” hat nicht mal was aus der Geschichte gelernt.

Schlimm genug, dass man mit einer solchen Karriere wie Herr Filbinger Ministerpräsident werden konnte. Schlimm genug, dass die CDU einen solchen Mann immer wieder in die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten geschickt hat. Ihn jetzt aber als Gegner der Nazis hinzustellen ist bodenlos. Und ecklig dazu.

Schäuble du Weichei,

so wird das doch nie was mit der Verbrechensbekämpfung. Wenn du schon -wo ja alle Politiker hier aufschreien, naja fast alle- der Polizei den Zugriff auf digitale Passbilder und Fingerabdrücke erlauben möchtest, dann musst du schon die richtigen Umsetzungsschritte gehen und nicht auf halbem Weg stehen bleiben.

1. Das nicht-bei-sich-führen, ebenso das nicht-besitzen eines Reisepasses oder Ausweises wird nicht mehr als Ordnungswidrigkeit bestraft, sondern als mittelschwere Straftat. Ich würde mal sagen, nicht unter zwei Jahre Knast.

2. Alle werden gezwungen, sich ein Handy und ein Führerschein zuzulegen. Muss ja für dich ordentlich nachvollziehbar sein, wo sich die Menschen befinden. Wer das nicht macht, wird bestraft. Reicht Mindestfreiheitsstrafe ein Jahr?

Findest du alles übertrieben? Ich auch, aber ich finde schon deine Idee bekloppt und wer weiß, vielleicht bringst du meine Vorschläge ja in ein oder zwei Jahren ein. Bei deinem Wahn…

PS: Alles wichtige und vor allem richtige (!) zu diesem Thema wurde bereits gesagt, zum Beispiel hier.

Patientenverfügung

Hinter diesem Begriff verbirgt sich der schriftlich niedergelegte Wille eines Menschen, was mit ihm geschehen soll, wenn er nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen zu äußern.

Die Patientenverfügung war heute Gegenstand im Bundestag, in einer sog. Orientierungsdebatte. Also: kein konkreter Beratungsgegenstand, sondern Darstellung der verschiedenen Positionen.

Reichweitenbeschränkung “ja” oder “nein” lautete einer der debattierten Punkte. Reichweite meint hier die Frage, ob von einem Menschen getroffene Entscheidungen nur für tödlich verlaufende Krankheiten gelten sollen (dann Reichweitenbeschränkung) oder ob der aufgeschriebene Wille auch für solche Erkrankungen gelten soll, die nicht zum Tode führen.

Ich sage klipp und klar: Ich möchte selbst entscheiden, was mit mir passiert, wenn ich mich nicht mehr äußern kann. Ich möchte entscheiden, ob und wann ich von dieser Welt abtrete.  Deswegen bin ich für eine Patientenverfügung ohne Reichweitenbeschränkung.

Ich empfehle insoweit die Redebeiträge von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Luc Jochimsen (bei letzterer mit eine kleinen Differenz die Frage der Aktualisierung betreffend).

Todmüde

… und einfach nur der Wunsch ins Bett zu gehen. Das bleibt nach diesem Wochenende. Das Wochenende an dem die Verschmelzung von WASG und Linkspartei. beschlossen wurde.

Viel Arbeit und ein Ergebnis, dass nur mit größter Parteidisziplin eine Zustimmung zum Entwurf des Verschmelzungsvertrages ermöglichte, kennzeichnen die letzten Tage. Zuviel an eigenen Positionen wurde aufgegeben, um fröhlichen Herzens mit “ja” stimmen zu können. Und richtig schwer wird es, wenn die Zugeständnisse immer an eine Richtung (in der eigenen Partei) gehen, diese sich dann aber bei der Endabstimmung enthält.

Eigentlich wäre mir jetzt nach einer Woche Beine hochlegen. Lesen, Sonnen oder einfach nichts tun. Und ein ganz klein wenig stolz sein, dass es mir gelungen ist, einen Sieg über mich selbst zu erringen.

Gute Nacht!

Vom hohen Roß

… herunter hat das Bundessozialgericht am 23.11.2006 entschieden, dass die Regelleistung zu Hartz IV nicht verfassungswidrig ist.

Da kennen sich wirklich welche aus und behaupten -mit fetten Beamtengehältern- das die 345 € das soziokulturelle Existenzminimum gewährleisten. Die sollten einfach mal mit diesem Betrag einen Monat auskommen.

Wes Geistes Kind die Richter sind wird aber an folgendem Zitat deutlich: “Bei der Vertretbarkeitsprüfung ist auch zu bedenken, dass die gegenwärtige Situation durch die Zunahme niedrig entlohnter Tätigkeiten und durch Einkommenseinbußen in breiten Bevölkerungskreisen geprägt ist, weshalb dem Gesichtspunkt des Lohnabstandsgebotes maßgebliche Bedeutung zukommen muss.”

Prima, weil das Kapital Rendite macht und die Löhne drückt, kann auch das Existenzminimum nicht höher liegen. Was wenn das Kapital weiter die Löhne reduziert, reichen dann auch 30 € im Monat?

Es wird Zeit für einen gesetzlichen Mindestlohn und Richter, die sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind.

Ein Kind Schwedens

Nein, ich war noch nie in Schweden. Ich habe dort auch keine Verwandten. Aber der Osten -wo ich groß geworden bin- muss genauso schlimm gewesen sein wie Schweden ist. Wie ich darauf komme?

Gestern flatterte in meinen E-Mailbriefkasten eine Erklärung, die ich sofort wieder gelöscht habe. Aber dieser zufolge -ich verkürze stark und spitze zu- sind die Kinder in Schweden häufig alkoholkrank und depressiv. Und warum? Weil die armen Frauen gezwungen werden, schon sehr früh nach der Geburt wieder arbeiten zu gehen.

Genau! Endlich bringt es mal jemand auf den Punkt und erklärt, wofür diese blöden Karrieregeilen Frauen alles verantwortlich sind. Statt sich um ihre von der Natur an sie vergebenen Fähigkeiten zu kümmern und Mutter und Hausfrau zu sein, wollen die doch tatsächlich selbstbestimmt (*pfui*) leben und vielleicht sogar selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und arbeiten. Das geht nicht und es sei noch mal betont: Das führt zu Alkoholismus und Depression bei Kindern!

Bei mir war das ähnlich. Meine Mutter steckte mich auch ganz schnell in “Kinderverwahranstalten”. Mutti, du bist Schuld, dass ich einen Kater habe. Du musstest ja unbedingt gleich wieder arbeiten gehen (naja, bei dir war es studieren)…

Ähm, bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Ich glaube diesen Unsinn nicht wirklich, ich mache mich nur über ihn lustig. Aber eigentlich is es viel zu traurig um sich lustig zu machen….

Keine Sekte des Jahres

Wie an jedem zweiten Wochenende des Jahres wurden auch in diesem Jahr Liebknecht und Luxemburg geehrt. An diesem Wochenende gibt es dann immer auch ein “Familientreffen”. Das meint, dass man Leute trifft, die man ein ganzes Jahr nicht gesehen hat, aber von denen man weiß, an diesem Tag sieht man sie wieder.

Diesmal war es aber eine besondere Ehrung. Immerhin befindet sich auf dem Friedhof der Sozialisten ein Gedenkstein für die Opfer des Stalinismus. Für einige ein Stein des Anstoßes, für mich ein Grund dort meine Nelke niederzulegen.

Aber der eigentlich Spaß des Tages ging verloren. Dieses Wochenende eignet sich nämlich eigentlich auch dazu, die Sekte des Jahres zu küren. Früher jedenfalls konnte man Unmengen von eng bedrucktem Papier mitnehmen und sich danach köstlich über den Schwachsinn so mancher Sekte amüsieren. Nachdem man alles durchgelesen hatte, bestand die Möglichkeit der Gruppe mit den absurdesten Thesen den Titel Sekte des Jahres zu verleihen. Doch diesmal haben sie sich wohl alle den neoliberalen Sachzwängen :-) gebeugt und gaben ihre Tonnenideologie nur gegen Geld ab. Sie haben sich also der kapitalistischen Verwertungslogik untergeordnet. Ganze zwei Zettel habe ich kostenlos bekommen. Da macht die Auswahl keinen Sinn.

Vor lauter Schreck über dieses Ereignis habe ich mir doch jetzt tatsächlich zum Abendbrot Nudeln gekocht. Nicht verwunderlich? Finde ich schon. Meine letzten Kochversuche (sieht man mal von einem vor knapp zwei Wochen in fremden Landen ab) liegen 10 Jahre zurück.

Ich hoffe, nächstes Jahr gibt es wieder mehr Grund sich zu amüsieren.